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Europa League : Petrics Doppelpack bringt Hamburg ins Halbfinale

Mladen Petric trifft für den Hamburger SV - und die Kollegen feiern gerne mit Bild: AFP

Die Diskussionen bringen Hamburg nicht aus dem Gleichgewicht: In der Europa League gewinnt der HSV in Lüttich 3:1 - und spielt im Halbfinale gegen Fulham. Petric trifft per Kopf und Fallrückzieher. Und Guerrero setzt den Schlusspunkt.

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          Es ist die Wochenshow der tollen Tore - und nun hat auch der Hamburger SV seinen Auftritt darin. Zwar war nicht die große Champions League die Bühne, und die Darsteller hießen nicht Messi oder Robben. Aber was Mladen Petric im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League bei Standard Lüttich zu bieten hatte, verdiente allemal das Prädikat internationale Spitzenklasse.

          Der Kroate erzielte am Donnerstagabend zwei Treffer (19. und 35. Minute) beim 3:1-Sieg der Hamburger, der nach dem 2:1-Hinspielerfolg zugleich den Einzug ins Halbfinale bedeutete. Den Schlusspunkt setzte der eingewechselte Paolo Guerrero in der Nachspielzeit zum Endstand. Vor allem das zweite Tor von Petric hatte es in sich: Mit einem Fallrückzieher, wie man ihn selten sieht, traf der Angreifer unhaltbar ins linke Eck.

          Bei so viel Wucht im Spiel nach vorn war der Gegentreffer von De Camargo (33.) gut zu verschmerzen. Im Halbfinale am 22. und 29. April wartet nun der FC Fulham, der Wolfsburg ausschaltete, auf den HSV, doch der Blick der Hamburger geht längst weiter: zum herbeigesehnten Wohnzimmerfinale am 12. Mai in der eigenen Arena.

          Aufgepasst! Was Arjen Robben kann, kann Mladen Petric (l.) auch - schöne Tore schießen

          „Wir für Euch - Ihr für uns“ - HSV-Spieler mit Transparent

          Gegen den belgischen Meister geriet das Weiterkommen für den Bundesligaklub nie in Gefahr. Es war zwar spielerisch kein Feuerwerk der Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia - aber das war auch gar nicht nötig gegen den belgischen Meister, der auf den zweiten Blick doch recht bieder wirkte. Anders als vor einer Woche in Hamburg verkaufte Lüttich bestenfalls Durchschnittsware - was erstaunlich war, schließlich gilt das Stade Maurice Dufrasne nicht ohne Grund als Hexenkessel.

          Doch die infernalische Atmosphäre, die ihren Teil dazu beitrug, dass Standard von zwölf Europacup-Spielen zuletzt nur eins verloren hatte (gegen den FC Arsenal), konnte die kühlen Norddeutschen an diesem Abend nicht beeindrucken. Vielleicht ist es nach verstörenden Wochen wirklich der erhoffte Neustart für den Saisonendspurt der Hamburger. „Wir für Euch - Ihr für uns“ - das war auf einem Transparent zu lesen, das die Hamburger Profis vor dem Warmlaufen in den Block der mitgereisten Fans trugen.

          Die Geste tat offenbar Not bei dem Klub, dem seit einiger Zeit die Fokussierung abhanden gekommen scheint. Am Tag des Spiels erschien noch einmal ein Interview mit Bernd Hoffmann, in dem der Vorstandschef Konzentration von seinem Personal einforderte. Auch der stark in die Kritik geratene Labbadia durfte sich dabei mitangesprochen fühlen. Nach dem Erfolg von Lüttich aber ist der fromme Wunsch, mit dem die Fans ihre Lieblinge zurückgrüßten, vielleicht etwas realistischer geworden: „Gemeinsam die Wende schaffen.“

          Hamburg zeigt die bekannten Schwächen bei Standards

          Der HSV begann forsch. Sich auf den Vorsprung aus dem Hinspiel auszuruhen, das wussten die Hamburger, würde gefährlich sein. Labbadia hatte alle Mann an Bord, die zuletzt über Beschwerden geklagt hatten: Mathijsen, Zé Roberto, Petric und van Nistelrooy. Guerrero, der nach seinem Trinkflaschenwurf nach dem Hannover-Spiel vom DFB-Sportgericht für fünf Spiele gesperrt wurde, saß zunächst auf der Bank.

          Tesche (3.), der anstelle von Trochowski spielte, und Petric (5.) hatten erste Möglichkeiten. Die Führung leitete Zé Roberto ein. Seine leicht abgefälschte Flanke von der linken Seite landete maßgenau auf dem Kopf von Petric. Beim Ausgleich waren dann wieder die vertrauten Schwächen der Hamburger bei Standards zu beobachten: Rost, Demel und van Nistelrooy wirkten bei einem Freistoß mit langer Flugphase uneins, De Camargo konnte einköpfen.

          Viele Chancen - und Guerrero setzt den Schlusspunkt

          Und wer weiß, vielleicht hätte das Spiel nun noch einmal eine hitzige Wendung können. Das belgische Publikum jedenfalls schien eine Chance zu wittern. Doch weil Petric nur zwei Minuten später nach einer Aogo-Flanke von links der Kunstschuss des Tages gelang, verbrachten die Hamburger danach einen weitgehend ruhigen Restabend. Zwar hatten Witsel (54.) und Mbokani (60.) noch gute Möglichkeiten für Standard, doch waren die für van Nistelrooy (49.) und Zé Roberto (58.) keine Spur schlechter.

          In der Schlussphase durfte Guerrero den Platz von Petric einnehmen. Den Hamburger Fans war es einerlei. Sie feierten beide - und einen rundum gelungenen Europacupabend, den ausgerechnet Guerrero durch seinen Treffer zum 3:1 in der Nachspielzeit beendete. „Das ist eine tolle Sache, ein ganz besonderes Gefühl“, lobte HSV-Trainer Bruno Labbadia, „die Mannschaft hat sehr souverän das Spiel gestaltet und auch an sich gelaubt.“ Für Guerrero freute er sich „ganz besonders“, über die negative Stimmung der vergangenen Wochen dagegen nicht. Das sei „extrem“ gewesen. „Eigentlich müsste ich sagen, ich trainiere die größte Krisenmannschaft der Bundesliga“, ergänzte er süffisant.

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