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Borussia in der Europa League : Mönchengladbacher Nachspielzeitexperten

Der neueste Mönchengladbacher Held der Nachspielzeit: Marcus Thuram feiert seinen Siegtreffer. Bild: dpa

Ein Gladbacher Spiel dauert definitiv mehr als 90 Minuten: Vier von fünf Punkten in der Europa League sicherte sich Borussia Mönchenglbadbach in der Nachspielzeit. Dank dieser besonderen Qualität wahren die „Fohlen“ eine Chance.

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          Wenn Fußballspiele 90 Minuten dauern würden, wie es einst Sepp Herberger in Zeiten vor für den legendären Weltmeistertrainer von 1954 offenbar unvorstellbaren Ungeheuerlichkeiten wie Zeitspiel oder Verletzungsunterbrechungen zu sagen pflegte, dann wäre Borussia Mönchengladbach spätestens am Donnerstagabend kein Kandidat mehr für die K.o.-runde der Europa League. Da aber Spiele heutzutage besonders im Europapokal grundsätzlich mindestens 93, und manchmal wie am Donnerstag eben auch 95 Minuten dauern, befinden sich die Fohlen in einer ziemlich guten Ausgangsposition im Kampf um einen der ersten beiden Gruppenplätze, die zum Weiterkommen berechtigen.

          Europa League

          Denn der 2:1-Siegtreffer durch Marcus Thuram gegen AS Rom nach einer Kopfballvorlage von Alasanne Pléa fiel mal wieder in der Nachspielzeit. Dieses Mal war es die fünfte Minute. Zu Herbergers Zeiten konnten da die Schraubstollen schon wieder vom Schuh gezogen werden. Die Borussia liegt nun in einer äußerst spannenden Gruppe mit fünf Punkten wegen des Vorteils im direkten Duell mit den punktgleichen Römern als Zweiter hinter Tabellenführer Basaksehir und nur einen Punkt vor dem Vierten Wolfsberg. Damit hat Mönchengladbach eine sehr gute Ausgangsposition vor den beiden letzten Spielen in Wolfsberg sowie zuhause gegen die Türken aus Istanbul.

          Gäbe es im Fußball keine Nachspielzeit, wären die „Fohlen“ bei nur einem Punkt indes ausgeschieden: Basaksehier und Rom wären dann mit neun beziehungsweise 10 Punkten bereits uneinholbar voraus. Mönchengladbach hat nämlich in den drei Spielen gegen diese beiden Gegner vier seine fünf Punkte in der Nachspielzeit errungen.

          Teil drei der Fortsetzungsgeschichte

          Den Anfang machte am zweiten Spieltag Patrick Herrmann, der in der ersten Minute der Nachspielzeit in Istanbul den Ausgleich erzielte. Der erste Punktgewinn war für die Borussia bereits überlebenswichtig, da sie mit einer 0:4-Heimniederlage – im übrigen ohne Gegentreffer in er Nachspielzeit – gegen Wolfsberg denkbar schlecht in die Europa League gestartet war.

          Dieses mal der Held der Nachspielzeit: Marcus Thuram hat das 2:1 erzielt.

          Die Fortsetzung der Geschichte von den Spezialisten für die im amerikanischen so genannte „Crunchtime“, die entscheidende Zeit am Ende eines Spiels, fand statt im Auswärtsspiel in Rom, als Schiedsrichter William Collum der Borussia in der Nachspielzeit einen eher ungerechtfertigten Elfmeter schenkte. Lars Stindl nutzte die Gelegenheit in der fünften Minute der zusätzlichen Zeit zum Ausgleich.

          Und nun Teil drei der Geschichte von den Mönchengladbacher Nachspielzeitexperten, die weiterhin ohne eigenen Treffer in der regulären Spielzeit sind. Den Führungstreffer beim 2:1 gegen Rom erzielte schließlich der Römer Federico Fazio selbst, ehe Thuram mal wieder in der Nachspielzeit für die Borussia traf. Ohne den Treffer wäre die Chance aufs Weiterkommen minimal gewesen, entsprechend entschlossen hatte die Borussia bis zum letzten Moment auf den Sieg gedrängt. „Es war fantastisch, in der letzten Minute der Nachspielzeit das entscheidende Tor zu schießen. Wir  sind überglücklich und werden das Lachen heute nicht mehr aus dem Gesicht bekommen“, sagte der Sohn von Weltmeister Lilian Thuram. So können nur Spieler von Teams reden, die ganz sicher wissen, dass Spiele nicht nur 90 Minuten dauern.

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