https://www.faz.net/-gtm-8mdnw

1:1 gegen Anderlecht : Mainz verspielt Führung – Randale in der Innenstadt

Im zweiten Abschnitt war Mainz zu langsam, während Anderlecht das Tempo anzog Bild: Reuters

Mainz geht gegen den RSC Anderlecht früh durch einen Strafstoß in Führung. Doch nach der Pause agiert das Team zu passiv – und kassiert den Ausgleich. In der Stadt kommt es derweil zu Ausschreitungen.

          2 Min.

          Vor dem Anpfiff des Europa-League-Spiels zeigte der RSC Anderlecht dem FSV Mainz 05 einmal auf simple Art, was der in den siebziger und achtziger Jahren dreimal in Europapokalwettbewerben erfolgreiche belgische Topklub dem deutschen Gruppenphasen-Neuling an internationaler Erfahrung voraus hat. Als die Mainzer sich auf der falschen Seite der Mittellinie für das obligatorische Mannschaftsfoto zu formieren begannen, baute sich das Team aus Brüssel einfach vor den Mainzern auf – im Wissen, dass die Regularien diesen Ort für ihr Shooting vorgesehen haben.

          Im Spiel ließen sich die Mainzer vor offiziell 21.000 Zuschauern, bereinigt aber wohl abermals weniger als 20.000 Zuschauern, hingegen nicht vorführen: Nach dem 1:1 in einem guten Fußballspiel nach einem Strafstoßtor von Yunus Malli (10. Minute) und dem Anderlechter Ausgleichstreffer  durch Lukas Teodorczyk sind sie auch im dritten Europa-League-Spiel ungeschlagen und dem Tabellenführer aus Belgien punktgleich auf den Fersen. Wie schon im ersten Europa-League-Heimspiel den AS Saint-Étienne und auch in den Bundesligabegegnungen gegen Hoffenheim und Leverkusen vergaben die Rheinhessen indes eine frühe Führung.

          „Wir haben wieder gut gespielt, sind wieder in Führung gegangen, haben aber leider wieder nicht gewonnen. Deshalb bin ich im Moment enttäuscht“, sagte der starke Torwart Jonas Lössl. Das erinnert mich an das Spiel gegen St. Etienne. Aber wir sind noch ungeschlagen und haben noch alle Chancen.“ „Das 1:1 ist okay für uns. Wir waren über 90 Minuten auch nicht besser als Anderlecht“, sagte Kapitän Niko Bungert.

          Alles nach Plan

          Vor allem zu Beginn war das Bundesligateam indes dominierend: Die Mainzer zogen konsequent ihren schon beim 2:1-Sieg gegen Darmstadt 98 eingeübten Plan durch, einen tief stehenden Gegner mit schnellen Spielverlagerungen in die Bredouille zu bringen. Eine solche Spielsituation führte nach zehn Minuten zu einem Strafstoß: Der Anderlechter Verteidiger Olivier Deschats brachte Pablo de Blasis im Strafraum zu Fall. Den fälligen Strafstoß verwandelte Yunus Malli, schon am Samstag gegen Darmstadt vom Punkt aus erfolgreich, zur Führung. Die Mainzer dominierten das Spiel auch in der Folge, Anderlecht zeigte aber auch seine Qualität im schnellen Konterspiel. Der Mainzer Schlussmann Jonas Lössl musste gleich zweimal alleine gegen den RSC-Kapitän Sofiane Hanni parieren. Die Mainzer hatten Pech bei einem Pfostentreffer von Karim Onisiwo.

          In der zweiten Halbzeit nahm Anderlecht das Spiel in die Hand. Hannis Flanke leitete in der 65. Minute den Ausgleich ein, Lukasz Teodorczyk vollendete aus fünf Metern per Kopfball. Der RSC begnügte sich anschließend mit dem einen Punkt, der zur Verteidigung der Tabellenführung genügte. Was der Punkt für die mit fünf Zählern punktgleich mit Anderlecht und auch dem gegen das abgeschlagene aserbaidschanischen Team des FK Qäbälä mit 1:0-siegreichen AS Saint-Étienne auf Rang zwei plazierten Mainzer wert ist, wird sich in der Rückrunde der Gruppe C erweisen: Dann tritt Mainz 05 bei den beiden härtesten und Konkurrenten Anderlecht und Saint-Etienne (ebenfalls fünf Punkte) auswärts an, in Mainz gastiert nur noch das abgeschlagene aserbaidschanische Team FK Qäbälä. „Wir werden uns die zwei Punkte, die wir heute nicht geholt haben, auswärts zurückholen“, sagte Trainer Martin Schmidt. „Auswärts sind wir bislang ja um einiges stärker.“

          Stärke der falschen Art wollten vor dem Spiel belgische Hooligans demonstrieren: Am späten Nachmittag kam es in der Mainzer Innenstadt zu Ausschreitungen. Gruppen von Hooligans seien in der Innenstadt unterwegs gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstagabend. Die Männer hätten mit Quarzsand gefüllte Handschuhe getragen, Pyrotechnik gezündet und Böller auf Polizisten geworfen. Die Polizei nahm rund 80 Männer in Gewahrsam. Sieben Beamte erlitten durch die Böller ein Knalltrauma, eine Polizistin kam mit Verletzungen ins Krankenhaus. Die Polizei war offensichtlich gut vorbereitet auf die Aktion der Gewalttäter und konnte ein offenbar geplantes Aufeinandertreffen mit gewaltbereiten Deutschen weitgehend frühzeitig stoppen. Dennoch kam es auch am Hauptbahnhof zu einer Gewalteskalation, die auch im Zusammenhang mit Fußballfans stand. Bis zum Anpfiff mühte sich die Polizei, Mainzer Gewaltsuchende von den Belgiern zu separieren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Fall Maddie McCann : An der Tür hängt kein Schild mehr

          Steckt der Deutsche Christian B. hinter dem Verschwinden von Madeleine McCann? Und hat er gar noch weitere Opfer? Eine Spurensuche an der Algarve, in England und in Deutschland.
          Bessere Sicht durch Abstand: Begegnung in einem Museum in Mailand

          Lob der Distanz : Bleiben Sie bitte auf Abstand

          Viele leiden darunter, gerade auf die Nähe zu ihren Mitmenschen verzichten zu müssen. Es kann aber auch neue Perspektiven öffnen. Über die Vorteile der Distanz.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.