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Auftakt in der Europa League : „Sie werden sich nicht nervös machen lassen“

„Ich hatte die Situation noch nie und hoffe auch, sie nie wieder zu haben“: Glasner darf seiner Mannschaft nur von der Tribüne aus zuschauen. Bild: dpa

Ein Highlight ohne Trainer: Die Eintracht rechnet gegen Fenerbahce Istanbul mit einem Kampf – und Mesut Özil. Oliver Glasner fehlt gesperrt.

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          Europa League bedeutet im Geschäftsbetrieb von Eintracht Frankfurt: Vollgas geben. Die Frankfurter hätten oft gezeigt, dass sie im Europapokal „noch mal einen Gang hochschalten können“, sagt Oliver Glasner. Der Eintracht-Trainer aber wird von der Disziplinarkommission der UEFA an diesem Donnerstag ausgebremst, wenn die Hessen von 21 Uhr an in der WM-Arena zum Start der Europa League auf Fenerbahce Istanbul treffen (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei TVNOW)  – und das ausgerechnet bei der internationalen Premiere von Glasner als Frankfurter Chefcoach.

          Europa League
          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Weil der 47 Jahre alte Österreicher zu Wolfsburger Zeiten seine damalige Mannschaft nach Auffassung der UEFA insgesamt dreimal zu spät nach der Halbzeitpause aufs Feld zurückbeordert hatte, ist er für ein Spiel gesperrt worden. Glasner wird seine Strafe deshalb im Stadion in einer Loge absitzen und darf erst wieder eine Viertelstunde nach Spielschluss zu seinem Team. Ihn vertreten werden seine beiden Assistenztrainer Michael Angerschmid und Ronald Brunmayr.

          „Ich bin selbst gespannt, wie es mir ergeht. Ich hatte die Situation noch nie und hoffe auch, sie nie wieder zu haben“, sagte Glasner am Mittwoch. Er ließ durchklingen, dass er sich gewünscht hätte, dass die Wolfsburger damals Einspruch gegen die Entscheidung der UEFA einlegen. So müsse er das jetzt bei seinem neuen Arbeitgeber „ausbaden. Darüber bin ich natürlich nicht happy.“ Der Trainer, der mit der Mannschaft im Bus in die WM-Arena fahren darf, bevor sich die Wege trennen, findet es schade, dass er das „absolute Highlight“ gegen Fenerbahce nur in ungewohnten Rolle verfolgen darf.

          „Ich sehe mich schon direkt dabei“

          Ausgegrenzt fühlt er sich dennoch nicht, „ich sehe mich schon direkt dabei“, sagte Glasner. Er betonte, „volles Vertrauen“ in seine beiden Assistenztrainer zu haben. „Ich übergebe ruhigen Gewissens das Zepter.“ Aus Sicht von Kevin Trapp ändert sich ohnehin „nicht viel. Denn der Matchplan steht vor dem Spiel. Ich sehe das definitiv nicht als Problem an“, teilte der Torhüter mit.

          Für seinen Vorgesetzten Glasner sind die Istanbuler, in deren Reihen der ehemalige deutsche Nationalspieler Mesut Özil steht, eine „abgezockte Truppe“, die „sehr, sehr erfahren“ und es gewohnt sei, „viel Ballbesitz“ zu haben. „Sie werden sich nicht nervös machen lassen“, sagte Glasner. Ihre ersten fünf Pflichtspiele in der Heimat hatten die Türken gewonnen, bevor sie sich in der zurückliegenden Runde in der „Süper Lig“ 1:1 von Sivaspor trennten.

          In dieser Begegnung kam Özil 59 Minuten zum Einsatz. Özil, den Trapp von früher von der Nationalmannschaft kennt, sei ein „sehr angenehmer und ruhiger Typ, der nicht wirklich viel redet. Er ist ein Fußballstar, der viel erreicht hat.“ Der Torhüter geht nicht davon aus, dass Özil „viel von seiner Qualität verloren“ hat. Trapps Mannschaftskollege Djibril Sow wies in dieser Woche darauf hin, dass der Altersdurchschnitt der Istanbuler bei 29 Jahren liege, „sie haben viele gute Spieler“, die in Europa schon in guten Ligen am Ball gewesen seien, sagte der Schweizer Nationalspieler.

          „Er ist ein klassischer Sechser“

          Gleichwohl glaubt Sow eine Schwäche der Türken zu kennen, die neben Besiktas und Galatasaray der einzige Klub sind, der noch nie aus der höchsten Spielklasse abgestiegen ist: „Die Intensität, wie sie in der Bundesliga vorkommt, mögen sie nicht so.“ Diese soll auch Özil, zu dessen Teamkollegen der ehemalige Bayern-Profi Luiz Gustavo zählt, zu spüren bekommen, wenn er auf dem Platz auf den defensiven Frankfurter Mittelfeldspieler Sow trifft. „Wir müssen Fenerbahce mit unserer Dynamik ein Spieltempo und einen Rhythmus auferlegen, dem sie nicht jede Woche ausgesetzt sind“, sagte Glasner, der hofft, dass den Istanbulern so der eine oder andere „Fehler“ unterlaufen wird.

          An der Seite von Sow könnte Neuzugang Kristijan Jakic stehen, der mit seiner aggressiven Gangart den Typ hartnäckiger Vorkämpfer bestens verkörpert. „Er ist ein klassischer Sechser, sehr zweikampfbetont“, sagt Sow über seinen neuen Mitspieler aus Kroatien. „Es ist wichtig für mich, wenn mir einer den Rücken freihält.“ Zwar habe auch das Zusammenspiel mit Ajdin Hrustic „gut funktioniert“, sagte der Schweizer. „Ajdins Bewegungsradius ist jedoch viel größer. Da muss ich noch mehr aufpassen als mit einem klaren Sechser.“ Der australische Nationalspieler Hrustic ist auf der Sechserposition eher offensiv orientiert.

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          Nach den internen Querelen wegen Filip Kostic und Amin Younes müssen sich die Frankfurter, bei denen Linksverteidiger Christopher Lenz aktuell muskuläre Probleme plagen, wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Für die neuen Spieler sei es „nicht ideal, wenn Unruhe herrscht. Für uns, die länger da sind, ist es nicht so das Problem, weil wir wissen, dass es in Frankfurt mal ein bisschen unruhiger werden kann.“

          Deshalb sei es jetzt die Aufgabe der Führungsspieler, „die Neuen anzuleiten“, sagte Sow. Die Frankfurter Aufstellung gegen Fenerbahce wollte Glasner am Mittwoch nicht verraten. Für ihn ist das Aufeinandertreffen mit den „gelben Kanarienvögeln“ aus Istanbul „ein Geschenk für den Klub, die Fans und die ganze Region“. Das Präsent hätte er nur gerne in vollen Zügen auf der Trainerbank genossen. So müssen die Spieler in bester Frankfurter Europa-League-Manier das Gaspedal ohne seine unmittelbare Anleitung von außen durchdrücken.

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