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Europa League : Dortmund im Pech

  • -Aktualisiert am

Fernando Navarro blockt einen Schuss von Dortmunds Torjäger Lucas Barrios Bild: dapd

Streng sanktioniert vom Schiedsrichter, ständig gereizt von einem provozierend kaltblütigen Gegner und auch noch vom Glück verlassen: Aus dieser schwarzen Mischung gibt es für Borussia Dortmund kein Entrinnen. Sevilla siegt 1:0.

          Sie kämpften, sie spielten, sie zauberten, aber sie hatten kein Glück. Und deshalb hat Borussia Dortmund am Donnerstagabend nach dem 4:3-Erfolg bei Karpaty Lwiw (Lemberg) zum Auftakt der Europa-League-Saison die zweite Partie daheim gegen den renommierten FC Sevilla verloren. Cigarinis Treffer in der Nachspielzeit der ersten Hälfte entschied dieses Spiel der Gruppe J für den Siebten der Primera División. Erschwerend für den Zweiten der Bundesliga hinzu kam dann noch die Gelb-Rote Karte für Verteidiger Schmelzer (49.), eine allzu harte Entscheidung des strengen englischen Schiedsrichters Dean. „Es war ein spektakulärer Fußball-Abend und ein großartiges Spiel meiner Mannschaft. Es hat uns das Glück gefehlt. Wir müssen das so akzeptieren“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp.

          Am 21. Oktober steht der Borussia die dritte europäische Prüfung bevor - dann gegen den Gruppenersten Paris St-Germain. Doch zunächst können die Westfalen das Pech vom Donnerstag schnell wieder vergessen machen - in der Bundesliga, sollte das Team den Schlager des siebten Spieltages im eigenen Stadion gegen Meister Bayern München gewinnen und damit seine Spitzenposition festigen.

          Zur Feier des ersten großen Dortmunder Europapokalabends seit Jahren hatte sich Klopp wie schon zum Europa-League-Auftakt in Lwiw (Lemberg) fein herausgeputzt. Im grauen Anzug durchstand der Coach die erste Hälfte mit vergleichsweise sparsamer Gestik. Einen Anlass zum Jubeln gaben die ersten 45 Minuten auch nicht her. Die junge Borussia machte zwar engagiert das Spiel, setzte durch Kagawa auch ein paar leuchtende Signale, rannte aber immer wieder gegen die tiefgestaffelte Abwehr eines international erfahrenen Gegners an.

          Sevillas Didier Zokora (rechts) macht schmerzhafte Bekanntschaft mit Shinji Kagawa

          Gefahr für den ausgezeichneten Torhüter Palop beschwor nur die eine oder andere Flanke von rechts oder links hervor. Doch der Sevillaner Torsteher hielt, was zu halten war - so auch Barrios' Kopfball nach Blaszczykowskis genauer Vorlage (26.). Ein zweites Mal hatte der Nationalstürmer Paraguays das Führungstor auf dem Fuß, doch der Angreifer konnte von Alexis' Aussetzer (42.) nicht profitieren, weil Palop abermals glänzend reagierte.

          Gelb-Rot nach „Schwalbe“

          Als die Westfalen wie die Andalusier schon auf ein 0:0 zur Pause fixiert schienen, leistete sich Schmelzer in der Nachspielzeit ein Foul der gröberen Sorte an Dabo, sah dafür die Gelbe Karte und musste nach dem anschließenden Freistoß für den Uefa-Pokal-Gewinner von 2006 und 2007 entsetzt mit anschauen, wie Cigarini ein Durcheinander im Dortmunder Strafraum gedankenschnell mit einem Rechtsschuss zum 1:0 für die glücklichere Mannschaft nutzte. Und plötzlich herrschte, wo zuvor Gesang und Begeisterung unter den 49.000 Zuschauern die Szenerie überlagert hatte, eine nahezu unwirkliche Stille. Sevilla, angeleitet vom Anfang der Woche neu verpflichteten Trainer Gregorio Manzano, hatte den einen Moment der Unachtsamkeit beim Bundesliga-Zweiten resolut genutzt. So etwas nennt man abgebrüht.

          Mit einem Halbzeitrückstand mussten sich die in neun der vorangegangenen zehn Partien siegreichen Borussen nur zum Bundesliga-Auftakt auseinandersetzen, als sie anschließend daheim 0:2 gegen Bayer Leverkusen verloren. Ein schlechtes Omen? Spätestens nach 49 Minuten sah es ganz danach aus. Als Schmelzer in einem Zweikampf mit Dabo zu Boden ging, bewertete der englische Schiedsrichter Dean das als „Schwalbe“, zeigte dem Dortmunder die Gelb-Rote Karte und war fortan der Buhmann des Abends in dieser zunehmend harten und atmosphärisch aufgeladenen Begegnung. „Die Entscheidung mit der Gelb-Roten Karte gegen Schmelzer hat uns durchgeschüttelt. Wie man auf die Idee kommt, ihn vom Platz zu stellen, ist absolut wahnsinnig“, sagte Trainer Klopp.

          Die Spanier packten nun all die Tricks aus, mit der sich auch starke Teams auswärts unbeliebt machen: Nickligkeiten, Zeitschinderei und schauspielerische Einlagen. Der BVB kämpfte in Unterzahl unverdrossen weiter, zeigte sich aber beeindruckt von den für ihn unglücklichen Umständen an diesem Donnerstag, der längst nicht mehr nach einem Feier-Abend ausschaute.

          Passend zum Gesamtbild, traf Kagawa, exzellent freigespielt von Barrios, dann noch den Pfosten mit seinem Flachschuss (70.). Und natürlich klärte auch Escudé noch einen Kopfball von Hummels (89.) kurz vor der Torlinie. Die Dortmunder, streng sanktioniert vom Unparteiischen, ständig gereizt von einem provozierend kaltblütigen Gegner und auch noch vom Glück verlassen: Aus dieser schwarzen Mischung gab es für die Schwarz-Gelben kein Entrinnen. Dennoch muss der Mannschaft vor dem Bundesliga-Hit am Sonntagabend gegen den FC Bayern München nicht bang sein. Die Borussen verloren zwar ein Spiel, aber nicht ihre derzeit starke Form. Mit etwas mehr Fortüne hätten sie vielleicht gewonnen, doch im Fußball geht es nun mal nicht immer gerecht zu.

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