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Mainz 05 : Es läuft auch mit weniger Laufen

Kaum zu bremsen: Die Mainzer wollen laufen - aber im richtigen Moment Bild: BABANI/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Jahrelang gehörte Mainz 05 zu den laufstärksten Teams der Bundesliga. Die Statistik weist vor dem Spiel in Mönchengladbach aus, dass die Rheinhessen nun weniger rennen. Der Ertrag ist aber ähnlich.

          Jahrelang galt in Mainz ein Credo: Ein Fußball-Bundesligaspiel kann der Klub nur gewinnen, wenn er in der Statistik eines Spiels in zwei erfassten Grundkategorien besser ist als der Gegner: Bei Zweikampf- und Laufwerten musste Mainz 05 in der Regel besser sein, um eine Chance zu haben. Mit Ausnahmen, die die Regel bestätigen, hatte dieser Glaubenssatz bis zu dieser Spielzeit bei fast jedem Erfolg des Teams Gültigkeit schon zu Zeiten von Jürgen Klopp und erst recht bei Thomas Tuchel und Martin Schmidt. Bei Tuchel war der Sieg in der „Laufwertung“ beispielsweise ein Handlungsziel, an dem sich sein Team unabhängig vom Ergebnis messen lassen musste.

          Verkürzt gesagt war eine Niederlage gegen Bayern München dann akzeptabel, wenn die Mainzer mehr gerannt waren als der Serienmeister. Der zahlenbesessene Schweizer Schmidt führte Tuchels Ansatz weiter, indem er sich immer mehr in Statistiken vertiefte. Und die Mainzer „Pressingmonster“ rannten entsprechend stets mehr als fast jedes andere Team der Liga, ein Teamwert von unter 120 Kilometern pro Spiel galt als bedenklich.

          In dieser Saison ist nun alles anders: Mainz 05 findet sich vor dem Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) in entsprechenden Rankings mit Laufwerten meist weit entfernt von der 120er-Marke im Tabellenkeller wieder, obwohl der Tabellendreizehnte bei 11 Punkten aus zehn Spielen nicht signifikant weniger erfolgreich ist und zudem mit der Berufung des Ur-Mainzers Sandro Schwarz als Trainer ein Bekenntnis zum typischen 05-Fußball mit aggressivem Pressing und hoher Laufbereitschaft abgelegt wurde. Schwarz entdeckt denn auch gar keinen Widerspruch. „115, 120 oder 125 Kilometer ist nicht so entscheidend. Wir schauen uns das Zahlenmaterial stattdessen detaillierter an als es öffentlich zugänglich ist“, sagt er. „Für den Fußball, den wir spielen wollen, sind die Sprints und die Laufdistanzen in Spielrichtung entscheidend. Und da sind wir gut mit Potential nach oben.“

          Ab in die Tiefe: Der Mainzer Trainer Sandro Schwarz will bestimmte Läufe

          Schwarz will von seinen Spielern noch ein paar mehr Tiefenläufe im letzten Drittel sehen, die mehr Torgefahr hervorrufen könnten. Zudem schaut er besonders auf die Außenbahnspieler wie den flinken Levin Öztunali oder den dribbelstarken Pablo de Blasis und die zentralen Umschaltspieler im Mittelfeld, die positionsgegeben mehr Distanzen bewältigen müssen. Die Meter, die zu früheren Laufwerten fehlten, spare sich sein Team derweil beim defensiven Hinterherlaufen ohne Ball. Anders ausgedrückt: Die Mainzer versuchen, so geordnet zu verteidigen, dass weniger intensive Läufe nötig sind, um Löcher zu stopfen. Der gelegentliche Einsatz von drei Innenverteidigern, die positionsbedingt weniger Laufkilometer abspulen als andere Spieler verstärkt diese Tendenz.

          Das Auswärtsspiel im Borussen-Park könnte für den neuen Ansatz eine spannende Probe werden. Gegen Mönchengladbach haben die seit Februar in der Fremde sieglosen Rheinhessen in den vergangenen Jahren manch bittere Niederlage erlitten trotz vieler Kilometer Vorsprung in der Laufstatistik. Die „Fohlen“ hatten stets aus einer tief stehenden Abwehr heraus auf Konter gelauert. Wenn sie dann mal weite Wege gingen, wurde es meist mit großer Effizienz gefährlich. So gesehen würden die Mainzer am Samstag vermutlich sehr gerne wieder die Laufwertung verlieren - um das Spiel womöglich zu gewinnen.

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