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Torschütze Kevin-Prince Boateng (links) und Sebastien Haller: Jubel über den Treffer zum 2:1. Bild: dpa

2:1 gegen RB : Siegreiche Frankfurter Montagsdemo gegen Leipzig

Eintracht Frankfurt gewinnt ein wichtiges Duell unter Europapokalanwärtern. Erfolg wird von großen Fan-Protesten gegen die Ansetzung des Spiels an einem Montagabend begleitet.

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          Die Eintracht genießt Höhenluft. Für die Frankfurter Fußballspieler hat das ungeliebte Montagsspiel zum Ausklang der 23. Bundesligarunde einen traumhaften Ausgang genommen. Dank des 2:1 gegen RB Leipzig ist die Mannschaft von Trainer Niko Kovac Tabellendritter. Mit jetzt 39 Punkten hat die Eintracht vor Platz sieben, dem ersten Rang, der vom Sommer an nicht mehr automatisch für das europäische Geschäft berechtigt, sieben Zähler Vorsprung. Genau dies ist es gewesen, was sich der Eintracht-Coach vor dem Kräftemessen mit dem Tabellenfünften Leipzig gewünscht hatte. „Wir können zwischen Platz sechs und Platz sieben eine kleine Kluft schlagen.“

          Gelungen ist dies, weil Timothy Chandler (22.) und Kevin-Prince Boateng (26.) die zwischenzeitliche Leipziger Führung durch Jean-Kevin Augustin (13.) mit ihren Toren korrigierten und 45.100 Zuschauer glücklich machten. Für die Eintracht, die wettbewerbsübergreifend jetzt schon seit sechs Heimspielen ungeschlagen ist, war das 2:1 der erste Sieg überhaupt gegen den vorjährigen Meisterschaftszweiten RB.

          „Wir haben gekämpft und uns reingehauen“, sagte Siegtorschütze Boateng. „Nach vorne haben wir auch noch probiert, Fußball zu spielen.“ Zufrieden war auch sein Trainer. „Das ist harte Arbeit“, sagte Kovac und ergänzte: „Ich hoffe, dass wir weiterhin so arbeiten und nicht einbrechen wie im letzten Jahr.“ Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl sah seine Mannschaft als verdienten Verlierer: „Der Gegner war besser und hatte mehr im Tank. Wir müssen das akzeptieren.“

          Bundesliga

          Dass die Begegnung am ungeliebten Spieltag Montag mit einer Verzögerung starten würde, hatte sich abgezeichnet. „Wir pfeifen auf das Montagsspiel – hier bestimmen wir den Ton.“ Mit diesem Spruchband brachten die Frankfurter Fans in der Nordwestkurve ihren Unmut zum Ausdruck. Mehr noch: Schiedsrichter Felix Zwayer musste genau fünf Minuten warten, ehe er das Spitzenspiel zwischen der Eintracht und RB anpfeifen konnte. Denn die Fans verließen friedlich ihren Block, besetzten den Innenraum hinter dem Tor und an der Seitenlinie an der Gegentribüne, um nochmals zu protestieren. „Die Straße holt sich den Fußball  zurück – Eintrachtfans gegen Montagsspiele.“ Und: „Wörter sind wie der Wind und laut sprechen die Taten.“

          Als es endlich losging in der Arena, in der eine merkwürdige Atmosphäre herrschte, waren es von Beginn an die Leipziger, die mit gefälligem Fußball überzeugten. Der schnelle Lohn: In der 13. Minute brachte Augustin die Sachsen 1:0 in Führung. Der Vorsprung war verdient, doch die Eintracht ließ sich davon keinesfalls beeindrucken. Immer wieder versuchten es die Frankfurter, die Leipziger Abwehr über die Flügel kommend auszuhebeln.

          Und tatsächlich: Der abermals fleißige Außenverteidiger Chandler schaffte den 1:1-Ausgleich (22.). Jubel blieb aus, weil die Frankfurter Fans an diesem besonderen Fußballabend bewusst darauf verzichten und lieber zumeist lautstark pfiffen. Dabei hätten sie kurze Zeit später abermals Grund gehabt, sich über die Darbietung der Kovac-Elf zu freuen. Ante Rebic setzte sich auf links durch, spielte mit links zurück in Richtung Strafraumgrenze – und dort war Boateng so frei, gleichfalls mit links auf 2:1 zu erhöhen (26.). Eine starke Aktion, ein starkes Tor.

          Diskussionswürdig war die Szene vier Minuten später, als der Leipziger Marcel Sabitzer, aus dem Abseits kommend, von Rebic im Strafraum gefoult wurde. Referee Zwayer entschied sofort auf Strafstoß für RB, wurde aber eines Besseren belehrt. Videoassistent Frank Willenborg nahm die Entscheidung zurück. Und kurz vor der Pause war es abermals Rebic, dem sich eine gute Einschlussmöglichkeit bot, doch er verfehlte sein Ziel.

          Die Proteste der Eintracht-Fans vor dem Anpfiff. Bilderstrecke

          Auch der Beginn der zweiten Halbzeit verlief nicht wie sonst. Von den Rängen flogen mehrmals hunderte Tennisbälle auf den Rasen. Fleißige Helfer kümmerten sich umgehend darum, das Spielfeld zu säubern. Diese zweite konzertierte Aktion der Fans dauerte gleichfalls fünf Minuten.

          Als der Fußball wieder rollte und das Pfeifkonzert neuerlich begann, nahmen auch die vielen kleinen Fouls zu, die den Spielfluss immer wieder stoppten. Die Eintracht, immer noch 2:1 in Führung liegend, ließ sich weder von den Pfiffen noch von den Leipzigern aus der Ruhe bringen. Angesichts der Begleitumstände bekamen die Zuschauer ein starkes Stück Fußball geboten -  Bundesliga-Spitzenklasse, die Danny da Costa mit einem weiteren Treffer hätte würzen konnte, doch sein Schuss ging über das Tor (56.).

          Als Boateng zehn Minuten später nach einem Foul gegen Stefan Ilsanker Gelb sah, konnte sich der Frankfurter Führungsspieler glücklich schätzen. Die Rote Karte wäre in dieser Szene nicht falsch gewesen. Kovac handelte prompt und nahm Boateng aus dem Spiel. Pech hatte die Eintracht, als der am Montag 26 Jahre alt gewordene Simon Falette mit einem Kopfball verpasste (67.).

          In der 80. Minute gab es stehend dargebrachte Ovationen. Es war der Moment, als der famose Rebic, völlig ausgelaugt, für Luka Jovic Platz machte. Zehn Minuten lang plus die vierminütige Nachspielzeit mussten sich die Frankfurter noch der Leipziger Angriffe erwehren – dann war Schluss: Die Eintracht ist Tabellendritter.

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