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Erste Runde im DFB-Pokal : 4:3 - Klinsmanns Bayern gewinnen packenden Krimi in Erfurt

  • -Aktualisiert am

Lukas Podolski (r.) und Miroslav Klose legten die Basis, Toni Kroos machte den Sieg perfekt Bild: AP

Das war ein echter Pokal-Fight - und am Ende siegte der FC Bayern. Im Erstrundenspiel in Erfurt gingen die Münchner dreimal in Führung, dreimal fiel der Ausgleich. Dann machte Toni Kroos den Sieg bei Klinsmanns Debüt perfekt.

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          Besser als am Sonntagabend hätte der Deutsche Fußball-Bund nicht für seinen Pokalwettbewerb werben können. Der Drittligaverein Rot-Weiß Erfurt forderte im heimischen Steigerwaldstadion dem Titelverteidiger und deutschen Meister Bayern München alles ab, ehe der Favorit dann doch soeben 4:3 gewann.

          Lahm (8. Minute), Podolski (24.), Klose (57.) und Kroos (81.) schossen die Treffer zum glücklichen Sieg; für die begeistert gefeierten, gleichwertigen Verlierer trafen Cannizarro (22.) und Bunjaku (47. und 67.). Fünf Tage vor der Bundesliga-Premiere mit dem Heimspiel gegen den Hamburger SV gefiel an den Bayern allein ihr Widerstandsgeist, auch Rückschläge wegzustecken.

          22.500 Zuschauer feierten einen Fußballabend

          Die Abwehr der Münchner aber offenbarte gegen die bis zum Abpfiff äußerst couragierten Thüringer bedenkliche Schwächen. Heraus kam ein Spiel, auf welches die eigentlich abgenutzte Wendung vom offenen Schlagabtausch exakt passte. Und deshalb feierten 22.500 Zuschauer einen begeisternden Fußballabend mit allem, was zu einem richtigen Pokalkampf gehört.

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          Erste Runde im DFB-Pokal : 4:3 - Klinsmanns Bayern gewinnen packenden Krimi in Erfurt

          Reglos verfolgte allein der Münchner Trainer Jürgen Klinsmann seine Pflichtspielpremiere bei den Bayern. Ihm bleibt noch sehr viel Arbeit, will er die Bayern auf Kurs bringen. Gewarnt immerhin waren die ersatzgeschwächten Münchner schon aus der Erfahrung des Vorjahrs, als sie die erste Pokalhürde beim damaligen Regionalligaverein Wacker Burghausen erst im Elfmeterschießen nehmen konnten.

          Es wurde ein Krimi - auch ohne Elfmeterschießen

          „Jetzt werden wir an Resultaten gemessen“, sagte der Realist und Reformer Klinsmann vor dem Anpfiff im Steigerwaldstadion. Und: „Wir wollen vermeiden, dass es wieder so ein Krimi wird wie in Burghausen.“ Es wurde ein Krimi auch ohne Elfmeterschießen - und was für einer. Vorbereitet auf den weitgehend unbekannten Gegner hatte sich der vierzehnmalige Pokalsieger per Ansicht einer DVD mit der bei Klinsmann üblichen Akribie.

          Doch was dann folgte, konnte man nicht einstudieren. Und so dürfte schon die erste Halbzeit von Erfurt nicht nach dem Geschmack des früheren Klassestürmers verlaufen sein, mochte auch der Favorit zur Pause 2:1 vorn liegen. Offensiv hatten die Münchner ein paar sehenswerte Szenen, an denen ihr jüngster und bis dahin bester Spieler fast immer beteiligt war: Das Glanzstück des 18 Jahre alten Toni Kroos war sein Lupfer über die Erfurter Deckung hinweg, den der durchgestartete Verteidiger Philipp Lahm schon nach sechs Minuten als passende Vorlage zum 1:0 verstand.

          Der Außenseiter beeindruckt mit vielen Tugenden

          Auch Hamit Altintop gehörte am Sonntagabend zu den auffälligen Bayern-Aktivisten. Er bereitete mit feinem Pass das 2:1 durch Podolski (24.) vor. Der Stürmer stand, nachdem Cannizarro eben der Ausgleich geglückt war (23.), so frei wie zuvor Lahm. Klose griff, im passiven Abseits verharrend, nicht ein, so dass der Treffer galt - mochte auch Schiedsrichter Meyers Assistent Anklam aus Versehen die Fahne gehoben und damit den lautstarken Unmut des Erfurter Publikums geweckt haben.

          Der Außenseiter beeindruckte auf der anderen Seite mit seiner Aggressivität, seinem mutigen Pressing und seinem offensiven Schwung die Münchner Abwehr so sehr, dass dort eine ständige Unruhe, phasenweise sogar Panik herrschte. Weder Lucio noch Lell noch Rensing, der Nachfolger von Oliver Kahn im Tor, strahlten so etwas wie Ruhe und Sicherheit aus. In der Kunst der Selbstverteidigung müssen sich die Bayern in den nächsten Tagen noch stark verbessern, soll am Freitag der Bundesligaauftakt daheim gegen den Hamburger SV gelingen.

          Ausgerechnet der lange verletzte Bunjaku trifft

          Zum Glück für den Pokalverteidiger wackelte auch die Erfurter Innenverteidigung allzu oft bedenklich, wenn die Bayern ab durch die Mitte attackierten. Das zweite Comeback in dieser mitreißenden Partie unter längst beinahe Gleichen feierten die Erfurter gleich nach dem Wechsel. Nach der Pause gekommen für Semmer, feierte ihr monatelang an der Schulter verletzter bester Stürmer Bunjaku seinen Wiedereinstand sogleich mit dem Ausgleichstreffer, als er van Buyten entschlossen überlief und per Flachschuss das 2:2 erzielte (47.).

          Auf der Münchner Bank zeigte Klinsmann wie auch bei den Treffern der Bayer zuvor keinerlei Regung. Was für den Rekordmeister sprach: Er ließ sich den Abend nicht vollends verderben und schlug wenig später aufs Neue zurück, als der umtriebige Lahm die Vorarbeit leistete, Zé Roberto köpfte und Klose den Abpraller von Torhüter Orlishausen zum 3:2 aus kurzer Distanz verwertete (57.).

          Der letzte Knalleffekt des Spiel gehört Toni Kroos

          Das war natürlich noch nicht alles. Als nächstes war wieder Erfurt, war wieder Bunjaku (67.) in diesem spektakulären Fight an der Reihe. Der Erfurter Superjoker zwirbelte den Ball an Rensing vorbei zum 3:3, und wieder war die Münchner Abwehr, voran Daniel van Buyten, von den Rot-Weißen entzaubert worden.

          Was kam dann? Der letzte Knalleffekt des Spiels, gesetzt vom besten Münchner, Kroos, gehörte den Bayern. Der Jungstar hatte die Szene selbst eingeleitet, die er mit einem wuchtigen Schuss abschloss (81.). Das Tor passte zum Spiel, das von Anfang ein echter Pokalkracher war.

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