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Eintracht Frankfurt : Erschütterter Glaube

  • -Aktualisiert am

Der Frust ist offensichtlich: Die Frankfurter um Luka Jovic waren in Mönchengladbach chancenlos. Bild: dpa

Beim 0:4 gegen Mönchengladbach war die Frankfurter Eintracht aus dieser Saison nicht wiederzuerkennen. Die Mannschaft wirkte gelähmt – daran hat Hütters Entscheidung sicher einen Anteil.

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          Niemand wird jemals nachweisen können, dass oder inwieweit Hütters Abschiedsentscheidung in die deftige Niederlage der Frankfurter Eintracht bei Borussia Mönchengladbach hineinspielte oder ob sie sogar der Hauptgrund dafür war. Für jede Annahme gibt es gute Argumente, die im Einzelnen zu erörtern Seiten füllen würde. In aller Kürze lässt sich feststellen, ohne großen Widerspruch hervorzurufen: Je besser die Rahmenbedingungen, desto höher die Chancen auf Erfolg. Das gilt für die wichtigsten Stellschrauben finanzielle Ausstattung und somit sportliche Substanz genauso wie für die weicheren Faktoren: strategisches Geschick und Harmonie innerhalb der Vereinsführung, eine besonders gute Chemie zwischen Trainer und Mannschaft sowie den Grad der Unterstützung und Anerkennung durch die gesamte Region.

          An den meisten Parametern hat sich durch Hütters Entscheidung gegen die Eintracht nichts geändert, aber am Vertrauensverhältnis schon. Wieso überraschen die Frankfurter Fußballprofis seit drei Jahren (bis auf wenige Phasen) dadurch, dass sie zuverlässig bessere Leistungen bringen, als es das Potential (und der Wert) ihres Kaders erwarten lässt? Weil Klubführung und Trainer durch viele gute Entscheidungen und sinnvolles Handeln überzeugend dies vermitteln: Wir sind die Guten, wir sind die Starken, wir sind die Harten, wir sind gemeinsam auf dem Weg nach oben.

          Bundesliga

          Dieser Glaube an die sportliche Führung ist durch die Demission Bobics und Hütters erschüttert worden. Die Eintracht-Profis können nur noch an sich selbst glauben. Das kann reichen, um die Champions League zu sichern, muss aber nicht. Natürlich spielt jeder Berufsspieler für sich selbst und sein Fortkommen. Das Ziel, Teil der Königsklasse zu sein, macht Beine. Und Profis wie Trapp, Rode, Hasebe, Ilsanker und Younes, die ihre Zukunft in Frankfurt sehen, werden keinen Millimeter nachlassen und jede Hürde dreimal anlaufen, um die Champions League „zu sichern“. Aber ob sich Silva, Jovic, Kostic, Ndicka und Tuta mit derselben Hartnäckigkeit gegen drohende Niederlagen auflehnen werden wie bisher? Sie besitzen schon beste Perspektiven, in der nächsten Saison woanders die Champions-League-Hymne zu hören. Zweifel müssen erlaubt sein.

          Bundesliga verliert an Glaubwürdigkeit

          Kein Frankfurter will die Königsklasse noch verspielen, Hütter wird so akribisch und verbissen weiterarbeiten wie bisher: Aber die Chancen auf Erfolg sind nicht mehr so überragend groß wie nach dem 4:3 gegen Wolfsburg. Der Begegnung mit Augsburg kommt nun eine riesige Bedeutung zu. Ein Sieg käme einer Schutzimpfung gegen das Virus gleich, das zwar in den Eintracht-Körper eingedrungen ist, aber bislang nicht lähmend wirkt.

          Einen Schaden hat dennoch nicht nur der Frankfurter Profifußball, sondern die Bundesliga insgesamt durch Hütter und Bobic erlitten. Wieder verliert sie an Glaubwürdigkeit. „Es geht nicht um mich, es geht um den Verein.“ Dieser von vielen Trainern und Funktionären in den Mund genommene Satz ist von Hütter und Bobic als hohle Phrase entlarvt worden. Sie mögen persönliche Gründe und Argumente haben, die Eintracht im Erfolg zu verlassen, trotz bestehender Verträge. Aber für die Fans bricht ihre ohnehin durch die Überkommerzialisierung des Fußballs aus den Fugen geratene Welt auseinander.

          Das gilt nicht für Kunden, die ihr Interesse aus der Hochglanzverpackung ableiten. Aber für die Fußball-Liebhaber, die eine Herzensverbindung zu diesem Sport, zu einem Klub oder zu einem Spieler aufgebaut haben. Sie speist sich häufig aus eigenen Fußball-Erfahrungen oder aus persönlichen Erlebnissen abseits des Spielfeldes. Dieser Satz ist nicht moralisierend gemeint und nicht in der Hoffnung geschrieben, dass er irgendetwas verändern könnte. Aber die kühle Feststellung heißt: Entscheidungen, wie sie Hütter und Bobic getroffen haben, graben dem Fußball das Wasser ab, weil sie die Seelenbindung zu vielen Zuschauern bedrohen oder gar zerstören.

          Peter Heß
          (peh.), Sport

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