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5:1 gegen Köln : Die nächste Dortmunder Show mit Haaland

  • -Aktualisiert am

Erling Haaland trifft und trifft – nun auch vor der Südtribüne in Dortmund. Bild: Reuters

Die unglaubliche Geschichte geht weiter: Wieder kommt Erling Haaland spät ins Spiel, wieder trifft er fast nach Belieben. Beim Kantersieg über Köln zeigen aber auch andere Dortmunder ihr Können.

          3 Min.

          Die Dortmunder Anhänger mussten sich lange gedulden, bis sie ihren neuen Helden in voller Pracht zu sehen bekamen. Trainer Lucien Favre hatte sich vor dem relativ souveränen 5:1-Sieg des BVB gegen den 1. FC Köln entschieden, eine Startelf ohne den neuen Star aufzustellen. Also schlurfte Haaland bei seinem ersten Auftritt auf dem Rasen, auf dem er in den kommenden Jahren Wunderdinge vollbringen soll, unauffällig hinter der ersten Elf zum Aufwärmen. Mit den anderen Reservisten Mario Götze, Mahmoud Dahoud und Nico Schulz jonglierte er ein wenig mit einem Ball, der berühmten gelben Wand warf er allenfalls ein paar heimliche Blicke zu.

          Bundesliga

          Erst in der 64. Minute wurde der Norweger am Freitagabend dann eingewechselt, und 23 Minuten später hatte er nach seinen drei Treffern von Augsburg aus der Vorwoche auch vor heimischem Publikum seine ersten beiden Tore geschossen. „Das war ein guter Schritt nach vorne von uns“, sagte Marco Reus beim Streamingdienst DAZN und lobte Haaland: „Das ist natürlich wunderbar für ihn. Es gibt schlimmere Einstände. Dafür haben wir ihn verpflichtet.“ Auch sein Trainer war zufrieden: „Wir hätten noch mehr Tore schießen können, hatten viele gute Gelegenheiten“, sagte Favre. „Es war hochverdient. Erling Haaland hat heute sehr wichtige Tore gemacht. Das 4:1 hat quasi den Sieg für uns bedeutet. Er macht das sehr gut. Merci beaucoup.“

          Die unglaubliche Geschichte ging also weiter in einer Partie, die schon prächtig für den BVB begonnen hatte: Bereits nach 50 Sekunden traf Raphael Guerreiro nach einem schönen Angriff aus acht Metern zum 1:0. Mats Hummels hatte einen großartigen Spieleröffnungspass übers ganze Mittelfeld geschlagen, Reus und Jadon Sancho setzten den Spielzug fort, die Borussia führte früh. Allerdings hat diese Sorte Vorteil den Dortmundern im bisherigen Saisonverlauf nur selten zu nachhaltiger Stabilität verholfen.

          Und auch an diesem Abend dauerte es nicht lange, bis die schwarz-gelbe Defensive zum ersten Mal unsortiert wirkte. Nach einem einfachen Querpass aus dem Halbfeld hatte plötzlich Jan Uwe Thielmann viel Platz in einer guten Schussposition, traf den Ball aber nicht ganz sauber (4. Minute). Der Titelaspirant spielte zwar überlegen und hatte weitere Chancen, einen Kopfball von Mats Hummels an die Latte zum Beispiel (14.). Aber auch den Kölnern war während der Anfangsphase noch anzusehen, dass das Selbstvertrauen nach zuvor vier Siegen in Folge gestärkt war.

          Die Maßnahmen des im November eingestellten Trainer Markus Gisdol haben ja eine erstaunliche Verwandlung des FC bewirkt: Dynamik, physische Präsenz, und eine bedingungslose Bereitschaft zur Verteidigungsarbeit sind zu einem prägenden Wesenszug dieser zuvor so matten Mannschaft geworden. Aber in Dortmund waren die Rheinländer überfordert mit den langen Pässen von Mats Hummels. Ähnlich wie vor dem ersten Treffer flog in der 29. Minute ein 65-Meter-Ball des Innenverteidigers übers ganze Mittelfeld auf Reus, der diesmal selbst freie Bahn aufs Tor hatte, und den Kölner Torhüter Timo Horn zum 2:0 tunnelte.

          Damit schwand der kölsche Glaube, die Erfolgsserie auch im Revier fortsetzen zu können. Nach der Pause wurde die Überlegenheit des BVB für einige Minuten erdrückend. Verwirrt von einer Aneinanderreihung mehrerer Haken Sanchos verlor Rafael Czichos in der 48. Minute das Gleichgewicht, woraufhin der starke Engländer des BVB den Ball lässig unter die Latte schlenzte. Sancho (53.) und Reus (60.) hatten weitere gute Möglichkeiten, nun fehlte nur noch Haaland.

          Mancher Beobachter mag ja etwas überrascht gewesen sein, dass der Norweger über eine Stunde auf der Bank saß, aber die Entscheidung, dem jungen Stürmer in so einem intensiven Spiel keinen Einsatz von Beginn an zuzumuten, passt zur besonnenen Arbeitsweise des Lucien Favre. „Er hat im letzten Jahr nicht trainiert, er war verletzt. Wir müssen aufpassen“, hatte der Trainer vor der Partie gesagt. Haaland ärgerte sich im Dezember wochenlang mit Knieproblemen herum und konnte auch im neuen Jahr zunächst nicht voll trainieren. Sein Körper reagierte in den vergangenen Monaten immer wieder recht empfindlich auf die Belastungen so einer langen Saison.

          Erst nach 60 Minuten wurde er zur Bank gerufen, um sich für seinen ersten Einsatz im Westfalenstadion bereit zu machen. Womöglich ließ die Mannschaft sich ein wenig ablenken von der Unruhe, die dieses Signal auslöste, jedenfalls gelang dem Kölner Mark Uth inmitten der Vorbereitungen für den großen Moment nach einer Ecke aus spitzem Winkel das 3:1 (65.). Begeistert begrüßte das Publikum Haaland, der auch gleich einen gefährlichen Abschluss hatte, aber an Horn scheiterte (67.).

          Für einige Momente wurde nun eine latente Furcht vor einem weiteren Gegentreffer spürbar. Aber Haaland, der nach einem abgewehrten Schuss Guerreiros aus sechs Metern abstaubte, räumte alle Zweifel an diesem Sieg aus (77.). Mit einem Abstauber und einem hoch komplizierten zweiten Treffer aus extrem spitzem Winkel (87.). „Es ist sehr schade, dass er schon nachlässt. Drei Tore, zwei Tore – ich hoffe nicht, dass es im nächsten (Spiel) nur eins ist“, sagte Torwart Roman Bürki mit einem Augenzwinkern. In Dortmund hatten sie am Freitagabend jedenfalls prächtige Laune.

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