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5:1-Sieg von Borussia Dortmund : Freude am Kicken und Aufregung um Haaland

  • -Aktualisiert am

Erling Haaland (rechts) trifft zwei Mal und gibt danach ein Interview. Bild: AP

Mit neuer Leichtigkeit gewinnt Dortmund 5:1 gegen Freiburg. Doch ganz ohne Störungen geht es nicht beim BVB. Zwei Spieler sind verletzt. Und dann ist da noch ein Interview von Erling Haaland.

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          Irgendwann, Mitternacht war nicht mehr fern, da lächelte Marco Rose in sich hinein und dachte gründlich nach, was er nun anfangen sollte mit dieser Frage, die viele Bundesliga-Beobachter nach dem eindrucksvollen 5:1-Sieg von Borussia Dortmund über den SC Freiburg beschäftigte.

          Bundesliga

          Ob diese Demonstration der Stärke „auch eine Kampfansage in Richtung München“ sei, wollte ein Reporter wissen, nachdem der Rückstand des BVB in der Tabelle auf Rang eins innerhalb einer Woche von neun auf drei Punkte geschrumpft war. Zumindest bis zum Spiel des FC Bayern in Köln am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky).

          Rose schnaubte, zuckte mit den Schultern und erinnerte daran, dass die Bundesliga noch vor wenigen Tagen von den meisten Kommentatoren und an Stammtischen „schon wieder als megalangweilig“ beschrieben worden sei, „mit großer Kritik an uns“. Rose sagte aber auch, dass sein Klub sehr wohl „den Anspruch hat, irgendwann mal wieder die Meisterschale in Dortmund zu haben“.

          Für so einen Coup sei allerdings eine „Konstanz“ nötig, die in der ersten Saisonhälfte fehlte. Die ständig zwischen irgendwelchen Extremen schwankenden Bewertungen des Titelkampfes nerven Rose offenkundig. Sichtbar ist aber auch, dass sie schon noch vom Meistertitel 2022 träumen beim BVB.

          Stürmer Haaland trifft auch wieder

          Zumal dieser Sieg über die Freiburger den Eindruck stärkte, dass die Borussia sich grundlegend weiterentwickelt haben könnte. Die große Schwäche, der Umgang mit Standardsituationen, war plötzlich zu einer Stärke geworden: Thomas Meunier köpfte früh zwei Ecken von Julian Brandt zu einer 2:0-Führung ins Tor (14. und 29. Minute), und die Defensive verteidigte die ruhenden Bälle des SC souverän. Zudem habe sein Team „gut auf Ballverluste reagiert“ und „gute Ballgewinne gehabt“, erklärte Rose.

          Den Gesichtern auf dem Platz war eine Freude am Kicken anzusehen, die im Dezember fehlte, zwischenzeitlich lag ein Gefühl großer Leichtigkeit in den Aktionen der Dortmunder. „Spirit, Energie untereinander, das war ein wichtiges Thema, das wir nach dem Weihnachtsurlaub aufgenommen haben“, sagte Rose, und genau an dieser Stelle habe seine Mannschaft „einen guten Schritt gemacht.“

          Erling Haaland, der zuvor in zwei Partien nicht getroffen hatte, schoss auch zwei Tore (45. und 76.), bevor der starke Mahmoud Dahoud einen fünften Treffer folgen ließ (86.). Nachdem in der Vorrunde permanent wichtige Spieler ausfielen, waren zudem fast alle Profis einsatzbereit, aber auch die Freiburger leisteten ihren Beitrag zu diesem einseitigen Fußballabend.

          „Das war einfach ein schlechtes Spiel von uns“, sagte Trainer Christian Streich, dessen Mannschaft zuvor das in der Bundesliga-Geschichte des SC einmalige Kunststück vollbracht hatte, 18 Spiele nacheinander mindestens sehr ordentlich und meist sogar richtig gut gespielt zu haben. Diese Serie endete nun, und der Trend ist bedenklich.

          Meunier und Can bei BVB verletzt

          Von den jüngsten neun Partien haben die Freiburger nur zwei gewonnen, das ist nicht die Bilanz eines Europapokal-Teilnehmers. „Gefühlt waren wir auf dem Platz in Unterzahl“, sagte Kapitän Christian Günter, was einerseits als Kritik am Verhalten des eigenen Teams verstanden werden musste, zugleich aber ein Lob für die Dortmunder war.

          Wobei sich auch die Sieger später am Abend noch mit einigen weniger erfreulichen Themen herumplagen mussten. Mit dem starken Meunier und mit Emre Can haben sich wieder zwei Spieler verletzt. Und nach der Partie schmückte Haaland diesen ereignisreichen Fußballabend noch mit ein paar sehr deutlichen Aussagen, die der Dortmunder Klubführung kaum gefallen können.

          In einem Gespräch mit einem norwegischen TV-Sender erwiderte er auf die Frage nach seinen Zukunftsplänen: Trotz aller Spekulationen zu diesem Thema habe er „das letzte halbe Jahr aus Respekt vor Dortmund nichts gesagt. (…) Ich habe alle anderen auf der ganzen Welt reden lassen. Aber der Klub setzt mich unter Druck, dass ich mich entscheide“, erklärte Haaland. Dieses Thema erschwere seine Arbeit für die Mannschaft. „Ich will an nichts anderes denken als an Fußball, weil es schwierig wird, wenn ich andere Dinge im Kopf habe“, sagte er, „aber jetzt drängeln sie schon so lange, dass ich die Dinge in Gang setzen werde.“

          Verständlicherweise möchten die Dortmunder möglichst früh wissen, ob sie auch künftig mit Haaland planen können. Oder ob sie sich auf die Suche nach einem neuen Stürmer begeben müssen, für den sie Teile der rund 75 Millionen Euro investieren könnten, die ein Vereinswechsel des Norwegers einbringen würde. Aber einen Konflikt mit Haaland wollen sie unter allen Umständen vermeiden.

          „Wir können nicht bis Mai warten“

          „Wir setzen Erling überhaupt nicht unter Druck“, erklärte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke noch in der Nacht gegenüber der „WAZ“, „es gibt aktuell weder Gespräche noch Termine, daher kann ich das nicht nachvollziehen.“ Watzke sagte aber auch: „Wir können nicht bis Mai warten, das wird ihm auch einleuchten. Dass man irgendwann mal über die Zukunft spricht, muss er als Profi auch verstehen.“

          Eine Rückrunde ganz ohne Störungen wird es also nicht geben für die Dortmunder, die Chancen auf ein spannendes Titelrennen sind hingegen tatsächlich wieder etwas gestiegen nach den ersten beiden Partien des BVB im neuen Jahr.

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