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Dortmund 5:3 in Augsburg : Die große Show des Erling Haaland

  • -Aktualisiert am

Erling Haaland erlebt einen sensationellen Einstand bei Borussia Dortmund. Bild: Reuters

Was für ein Spiel! Der BVB stellt sich in Augsburg erst dilettantisch an. Doch Dortmund kommt zurück und siegt am Ende noch – weil der junge Neuzugang Erling Haaland einen spektakulären Einstand zeigt.

          3 Min.

          Der Mann, der in Dortmund für die Vision von Titeln steht, kam in der 56. Minute. In der 59. ließ er die Fußball-Bundesliga seine Urgewalt, von der man sich erzählt, erstmals spüren. Erling Haaland, 19 Jahre alt, Norweger, für zwanzig Millionen Euro aus Salzburg verpflichtet, wuchtete den Ball aus vollem Lauf ins Tor des FC Augsburg, punktgenau neben den Pfosten. Und er rannte in unvermindertem Tempo weiter zur Kurve mit dem aus Dortmund angereisten Anhang. Das war seine Vorstellung! Einen spektakuläreren Einstand hätte Haaland nicht haben können.

          Bundesliga

          Fortan stand er im Zentrum des Dortmunder Spiels, und aus einem peinlichen 1:3-Rückstand wurde ein 5:3-Sieg, aus einer ratlosen Mannschaft eine entschlossene. Schon zwei Minuten nach dem 2:3 glich Dortmund zum 3:3 aus, Torschütze war Jadon Sancho, aber Haaland, der Energiequell, stand nicht weit von der Szene entfernt. Und schließlich das 4:3 für den BVB: Klassische Torjägerarbeit, Thorgan Hazard legte in die Mitte, Haaland schob ein, durch Videobeweis wurde die Rechtmäßigkeit des Treffers bestätigt (70.). Fehlte noch was bei Haalands beeindruckender Leistungsschau? Ein Alleingang, bei dem er seine Verfolger abschüttelte – bitte: So erzielte er in der 79. Minute das 5:3.

          Vor dem Mikrofon gab er sich anschließend jedoch ganz schüchtern. „Nett“ fand der 19-jährige Norweger seine Drei-Tore-Gala im Sky-Interview. Übersprudelnde Emotionen nach dem Traumdebüt? Fehlanzeige. „Ich bin sehr ruhig“, sagte der hochgelobte Winterzugang des BVB: „Ich weiß auch nicht warum.“ Kapitän Marco Reus erinnerte den Neuen derweil an eine wichtige Aufgabe: „Seinen Einstand hat er noch nicht gegeben. jetzt kommt er nicht mehr drumherum.“ Haaland selbst bekam nach dem den ersten Bundesliga-Minuten Lust auf mehr. Auf die Frage, ob er schon bereit für 90 Minuten sei, antwortete er ein wenig forscher: „Wie hat es denn ausgesehen?“

          Zur Halbzeit hatte der BVB durchaus Anlass, sich zu fragen, wie es denn stehen würde, spielte er mit einem Mittelstürmer. Sicher nicht 0:1 aus Dortmunder Sicht. Es war nämlich keineswegs so, dass die Borussen ihre Dominanz, die sich in der Statistik in 72 Prozent Ballbesitz äußerte, nicht in Torchancen umgesetzt hätten. Tatsächlich gelang es ihnen regelmäßig, dem Spieler, der sich auf eigentlich komfortabler Abschlussposition befand, so anzuspielen, dass dieser freie Schussbahn hatte.

          Doch speziell Marco Reus machte eben nichts aus den Vorlagen von Jadon Sancho (8.Minute) und Axel Witsel (29.). Entweder traf der Nationalspieler den Ball nicht richtig oder er spielte ihn zwar gegen die Laufrichtung des Augsburger Torhüters Tomas Koubek, doch eben auch an dessen Kasten vorbei. Auch Hazard und Sancho hatten ihre Momente, in denen ein Treffer möglich gewesen wäre, doch sie scheiterten – an Koubek oder an mangelnder Präzision im Abschluss.

          Der FC Augsburg wiederum hatte vor der Winterpause eine erstaunliche Effektivität in seinen Offensivaktionen entwickelt, und mit exakt der Aufstellung, die sich während des November-Dezember-Hochs eingespielt hatte, setzte er der Dortmunder Abwehr zu. Balleroberung, Pass auf den Flügel, Hereingabe zur Mitte, das ist das einfache Muster der bayerischen Schwaben. Es funktionierte in der 21. und in der 34. Minute. Das erste Tor – es wäre von Vargas auf Vorlage von Niederlechner gewesen – fand keine Anerkennung, der Vorbereiter hatte im Abseits gestanden. Doch das zweite Tor zählte. Die Rollen waren vertauscht: Nach einem Fehlpass von Thorgan Hazard zerlegte Vargas mit einem Solo über die linke Seite die Dortmunder Abwehr, Niederlechner vollendete mit seinem achten Saisontor.

          Im Moment des 1:0 setzte ein Schneeregensturm ein, er passte zur Situation des BVB. Bis Haaland ins Spiel kam, brachte der BVB wenig zustande. Abgesehen vom 1:2-Anschlusstreffer von Julian Brandt (49.), bei dem der Augsburger Torwart Koubek mit missglücktem Faustabwehrversuch assistierte. Jedoch war zuvor noch ein Tor gegen Dortmund gefallen: Marco Richter hielt zwanzig Sekunden nach Wiederanpfiff einfach drauf. Akanji hatte ihm den Ball vor die Füße geköpft, und Tormann Bürki stand im Nirgendwo. Das Augsburger 3:1 durch Niederlechner (55.) schien wie eine Entscheidung, doch dann zog Erling Haaland seine Warmlaufweste aus.

          Für den FC Augsburg war es eine bittere Wendung. Noch ganz anders als bei der 1:5-Niederlage zu Saisonbeginn in Dortmund agierte der FCA lange Zeit planvoll. Es war auch nicht so, dass das Team des Schweizer Trainers Martin Schmidt eingebrochen wäre nach der 3:1-Führung; es hatte einfach das Pech, einem historischen Bundesliga-Einstand auf der gegnerischen Seite beiwohnen zu müssen. Die Augsburger brachten auch noch ihren Winterzugang, den von Hertha BSC ausgeliehenen Mittelfeldspieler Eduard Löwen. Keiner der Kategorie Erling Haaland, aber das war von vornherein klar.

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