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BVB vor Bundesliga-Topspiel : Haaland und der Schluck vom Zaubertrank

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Kurz nach seiner Einwechslung trifft Erling Haaland schon wieder für den BVB. Bild: Reuters

Borussia Dortmund zeigt sich beim 3:1 in Wolfsburg als Meister der Verdrängung. Der genesene Erling Haaland sorgt nicht nur wegen seines Treffers für einen Extra-Schub – die Bayern können kommen.

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          Nur drei Tage nach ihrem Fiasko klang schon wieder alles so mutig. „Uns muss allen bewusst sein“, sagte Emre Can, „wie wichtig dieses Spiel für uns ist.“ Teamkollege Julian Brandt versicherte, dass „wir mit einer breiten Brust in das Spiel gehen“. Bevor die Profis von Borussia Dortmund am kommenden Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) wieder einmal am Fußball-Thron des FC Bayern München rütteln, betätigen sie sich als Meister im Verdrängen.

          Bundesliga

          Ihrem frühen Scheitern in der Champions League durch ein 1:3 bei Sporting Lissabon ist in der Bundesliga ein 3:1-Erfolg beim VfL Wolfsburg gefolgt. Es muss an den Umständen dieses Sieges gelegen haben, dass Dortmund gleich wieder in vollem Umfang an sich zu glauben scheint. Der Auswärtssieg war durch ein Tor von Erling Haaland gekrönt worden. Allein dessen Rückkehr scheint die Wirkung eines Zaubertranks zu besitzen.

          Nach diesem wichtigen Auswärtssieg am 13. Spieltag hätten viele Profis des BVB ein Lob verdient gehabt. Can etwa war im Dortmunder Mittelfeld ein wuchtiger Antreiber. Sein Elfmetertor zum 1:1 in der 35. Minute gab allen Hoffnung. Der Führungstreffer zum 2:1 (55.) durch Angreifer Donyell Malen war einer Energieleistung zu verdanken.

          Fehlen wegen Muskelverletzung

          Aber all das ging unter im Getöse um Haalands Rückkehr. Wochenlang hatte der Norweger wegen einer Muskelverletzung gefehlt. Dass ihm in der Schlussphase zehn Minuten nach seiner Einwechslung gleich wieder ein Tor gelang, war mit einem besonderen Energieschub verbunden. Eine Flanke von Brandt verwertete Haaland mit einer Art Kampfsportschusstechnik direkt. „Erling gibt uns eine Menge Energie, wenn er da ist. Er ist ein Unterschiedsspieler, den man auf Dauer nicht ersetzen kann“, gestand Dortmunds Cheftrainer Marco Rose.

          Es lässt sich nur erahnen, wie viel Schwung und Energie der genesene Haaland dem FC Bayern schon wieder entgegensetzen kann. Aber sein Auftritt in Wolfsburg besaß schon wieder eine Dynamik der besonderen Art. Sekunden vor seinem umjubelten Treffer hatte Haaland mit Maximilian Arnold einen eigentlich robusten Berufskollegen aus dem Gleichgewicht gebracht.

          Keine Furcht

          Sein beherzter Körpereinsatz ließ den gerade zum Nationalspieler aufgestiegenen Wolfsburger einfach mal so zur Seite purzeln. Als Arnold nach der Partie auf die Zweikampfszene angesprochen wurde, reagierte er extrem gereizt. Was den VfL-Spieler so richtig nervt, gibt ganz Fußball-Deutschland wieder neue Hoffnung auf einen spannenden Titelkampf. Denn Haaland scheint nichts und niemanden zu fürchten. Vielleicht kommen die routinierten Abwehrspieler des FC Bayern tatsächlich darüber ins Grübeln, ob dieser hünenhafte Angreifer am Samstag im heimischen Stadion schon wieder von Beginn an mitwirken könnte.

          Ohne Haaland auf dem Platz hatte der tapfere VfL Wolfsburg lange Zeit glauben dürfen, dass er Dortmund den nächsten Nackenschlag verpassen könnte. Einem frühen Führungstor der Niedersachsen durch Wout Weghorst nach nur zwei Spielminuten waren viele verbissene Zweikämpfe gefolgt. Das Duell der Güteklasse A hatte viel mehr zu bieten als eine Schlussphase mit Knalleffekt durch Haaland.

          „Der entscheidende Faktor waren Marco Reus und Julian Brandt. Die waren nicht zu greifen“, erklärte Wolfsburgs Cheftrainer Florian Kohfeldt. Und was sagte er zum eingewechselten Haaland? „Ich freue mich wirklich, dass er wieder da ist. Er ist eine Attraktion der Liga. Aber wir hatten eine Menge mehr Probleme zu lösen als Erling Haaland“, sagte Kohfeldt. Er verzichtete bewusst auf einen tiefen Knicks vor einem außergewöhnlichen Stürmer, sondern lobte lieber das wieder erstarkte BVB-Team.

          Es bleibt in der Tat verblüffend, wie es der Mannschaft von Borussia Dortmund in Wolfsburg gelungen ist, ihr Scheitern in der Champions League innerhalb von nur drei Tagen hinter sich zu lassen. Immer wieder fielen Begriffe wie Konsequenz und Durchsetzungsfähigkeit, als Cheftrainer Rose versuchte, den Erfolg im Niedersächsischen zu deuten.

          Dass Haaland es geschafft hatte, auf dem Weg zu seinem Treffer Arnold wie einen lästigen Kegel aus dem Weg zu räumen, diente als wuchtiges Symbol für eine Aufbruchstimmung. Selbst der Trainer scheute sich nicht, die Stimmung für das Spitzenspiel am Samstag anzuheizen. „Ich glaube schon“, sagt BVB-Vordenker Rose, „dass wir uns verbessern müssen, um auf Dauer im Mai ganz oben dabei zu sein.“ Der Trainer und seine Mannschaft trauen sich ausdrücklich, das große Gipfeltreffen in Dortmund nicht einfach nur als Ehre, sondern als echte Chance auf den Meistertitel wahrzunehmen.

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