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Spektakel gegen Hoffenheim : Haaland ist der neue Klopp in Dortmund

„BACK. ON. TRACK!“ Erling Haaland jubelt wie von Sinnen. Bild: Reuters

Der Schatten von Jürgen Klopp in Dortmund ist groß. Jahrelang sehnte der Klub sich zurück. Nun gibt es wieder Spektakel und Emotionen – dank Erling Haaland, der nicht nur als Torjäger glänzt.

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          Am Ende eines aufregenden Abends machte Erling Haaland einen Fan noch glücklicher als der sowieso schon war. Auf der Westtribüne im Dortmunder Stadion stand ein Junge mit einem Pappschild. Auf Norwegisch bat er um das Trikot Haalands – und bekam es. Die Mühe, den Stürmer der Borussia in seiner Muttersprache zu fragen, lohnte sich. Neben dem jungen Fan waren aber auch alle anderen, die es mit dem BVB halten, am Freitag wie elektrisiert. Der 3:2-Sieg im Bundesligaspiel über die TSG Hoffenheim war kein alltäglicher Erfolg. Er erinnerte an alte Zeiten – unter Jürgen Klopp.

          Bundesliga
          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Der Schatten des Dortmunder Übertrainers ist lang. Seit seinem Abschied 2015 nach sieben wilden wie erfolgreichen Jahren beim BVB sehnten sie sich nach Klopp, vor allem immer dann, wenn es mal nicht so lief. Auch unter dem heutigen Trainer des FC Liverpool, mit dem die Borussia zwei Meisterschaften und einen Pokalsieg gewann und bis ins Finale der Champions League kam, lief nicht immer alles rund. Aber dieses Gefühl, dass da einer ist, der so emotional reagiert und einfach in diese ganz besondere Fußballregion zu diesem besonderen Verein passt, machte die Zeit besonders.

          Thomas Tuchel, Peter Bosz, Peter Stöger und Lucien Favre wurden immer mit diesen Parametern mit Klopp verglichen und für zu klein empfunden. Edin Terzic kam Klopp schon näher. Er ist aus der Region und hat seit jeher ein Dortmunder Herz. Doch trotz des DFB-Pokalsiegs durfte er nicht lange als Trainer bleiben; nun ist er Technischer Direktor. Sein Nachfolger Marco Rose sollte nun den alten Geist zurückzubringen. Da traf es sich gut, dass er seit Mainzer Tagen gut befreundet ist mit Klopp. Der schrieb seinem Kumpel erst zuletzt, dass der bitte gut auf seine Ex aufpassen möge.

          „Ein sehr wildes Spiel“

          Und wer Rose nach dem Siegtreffer von Haaland gegen Hoffenheim am Freitagabend jubeln sah, der fühlte sich unweigerlich erinnert an Klopp. An der Seitenlinie gab es kein Halten mehr, als das 3:2 in der Nachspielzeit fiel, nachdem die TSG erst in letzter Minute der regulären Spielzeit durch Munas Dabbur ausgeglichen hatte und nach dem 1:2 von Freiburg aus der Vorwoche eine weitere Dortmunder Enttäuschung drohte. Zuvor trafen die erst 18 Jahre alten Giovanni Reyna (49. Minute) und Jude Bellingham (69.) für Dortmund, Christoph Baumgartner hatte für Hoffenheim zum 1:1 ausgeglichen (61.).

          „Hintenraus war es ein sehr wildes Spiel. Ich freue mich sehr, dass die Jungs für ihre Leidenschaft belohnt wurden. Wenn man solch ein Spiel 3:2 gewinnt, gibt einem das Ruhe und Zeit“, sagte Rose bei DAZN, nachdem sich die Lage im Stadion, das mit 25.000 Zuschauern „ausverkauft“ war, wieder etwas beruhigt hatte. „Das ist wichtig vor der Länderspielpause.“ Ein weiterer Misserfolg vor der zweiwöchigen Unterbrechung der Bundesligasaison hätte die Begeisterung, die der 5:2-Heimsieg über Eintracht Frankfurt zum Start der Saison ausgelöst hatte, vollends zunichtegemacht.

          Dass es nicht so kam, lag vor allem an Haaland. Die meisten Profis hätten in der Szene, die zum 3:2 führte, wohl schon abgeschaltet. Der Ball und die Spieler sprangen wild hin und her im Hoffenheimer Strafraum. Doch Haaland, der hinter der Grundlinie stand, schaute sich das Spektakel nicht etwa fasziniert und paralysiert an, er sprintete zurück aus seiner Abseitsposition vor das Tor. Als ihm der Ball vor die Füße fiel, knallte er ihn durch die kleine Lücke, die sich ergab, hoch ins Netz des gegnerischen Tores – und lief danach wie wild vor der Dortmunder Südtribüne entlang, mit der vollen Ladung Emotionen.

          Die Rückkehr der Fans ins Stadion und spektakuläre Tore wie am Freitag verstärken den Eindruck: Eigentlich ist es nicht ein Trainer, der das Klopp-Gefühl aufleben lässt, sondern der erst 21 Jahre alte Stürmer, der mit seiner Art alle mitreißt. „BACK. ON. TRACK!“, twitterte er: Der BVB ist zurück in der Spur. „Am Ende ist es Erling mit seiner Wucht und Power, der dann das Ding reinmacht“, sagte Rose, der Haaland schon aus seiner Zeit in Salzburg kennt. „Wir wissen alle, dass Erling ein sehr wichtiger Spieler für uns ist. Aber ich glaube, dass es hintenraus eine gesamte Willensleistung vom Team war.“

          Ob der BVB wirklich wieder in der Spur ist, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Denn bei aller Begeisterung um Haaland deckte Hoffenheim die Dortmunder Probleme auf. Wie gegen Frankfurt und in Freiburg gab es zwei Gegentore. Zudem plagen Verletzungssorgen den BVB. Mats Hummels fällt schon wieder aus. Dan-Axel Zagadou fehlt ebenso, auch Emre Can musste passen, auch Außenverteidiger Nico Schulz fehlte. So hilft derzeit Mittelfeldmann Axel Witsel hinten aus. Auch Offensivspieler Thorgan Hazard fehlte gegen Hoffenheim.

          Doch da war ja Haaland. Nachdem er dem Jungen sein Trikot geschenkt hatte, lief er Richtung Kabine und war sichtlich aufgekratzt. Er animierte die nicht minder begeisterten Zuschauer im Stadion nochmal zum Jubel. Diesen Antrieb wird der BVB benötigen, um in der Spur zu bleiben. An Haaland soll es nicht scheitern. Schon beim verlorenen Supercup gegen den FC Bayern feuerte er die Fans an. Das brachte sogar Gegner Leon Goretzka zum Lachen. Mal sehen, wer zuletzt lacht. Und am Ende der Saison jubelt wie einst Jürgen Klopp in Dortmund.

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