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Erfolgreicher SC Freiburg : Bloß nicht auf die Tabelle schauen!

  • -Aktualisiert am

Breisgauer Gallier: „Nur gemeinsam sind wir stark.“ Bild: dpa

Der SC Freiburg ist das gallische Dorf der Bundesliga: ohne Zaubertrank, aber mit viel Gemeinschaftssinn. „Nur zusammen sind wir stark, das müssen wir unbedingt bewahren“, sagt Trainer Streich.

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          So richtig weiß Christian Streich noch nicht, was er mit der aktuellen Situation anfangen soll. Vier Spiele hat sein SC Freiburg in dieser noch jungen Bundesliga-Saison bestritten, drei davon gewonnen. Das bedeutet: Tabellenplatz drei – also sogar noch vor dem großen FC Bayern München. Seine Spieler, sagt der Trainer der Breisgauer, seien ja häufiger in der Stadt unterwegs. Und da wisse man eben nie genau, wer dort wie angesprochen werde. Zumindest sich selbst sieht Streich ungefährdet, was direkte Lobhudelei von der Fanseite betrifft. „Ich bin nicht so oft unterwegs in der Stadt“, erklärt er. Auch vor dem Spiel gegen den FC Augsburg nicht. Lediglich die Haare werde er sich vielleicht schneiden lassen: „Aber die Friseurin redet mit mir zum Glück nicht über Fußball.“ Für alle Fälle hat sich Streich einen persönlichen Selbstschutz verpasst. Die Tabelle, versichert er, schaue er nicht an. Sie interessiere ihn nicht. „Ich weiß, dass wir nach vier Spielen neun Punkte haben und am Samstag gegen Augsburg spielen.“

          Über die Euphorie-Resistenz seiner Spieler macht sich der Freiburger Fußball-Lehrer nicht allzu viele Gedanken. Zumal er in dieser Trainingswoche keinerlei Hinweise bekommen hat, die Anlass zur Sorge geben. Im Gegenteil. „Wir haben Elf gegen Elf gespielt, und da ging’s richtig ab“, berichtet Streich. „Hinterher habe ich nicht gewusst, ob jetzt der oder der besser war.“ Die Konkurrenzsituation im 29 Mann starken Kader ist schließlich groß – so groß wie lange nicht. Die daraus resultierende Leistungsdichte stellt den sportlichen Vordenker zufrieden. Andererseits ist sie in seinen Augen die womöglich größte Herausforderung für sein Trainerteam und ihn.

          Luca Waldschmidt, gerade erst von seiner ersten Berufung in den A-Nationalmannschaftskader zurückgekehrt, saß zuletzt beim überzeugenden 3:0-Auswärtssieg in Hoffenheim zunächst nur auf der Bank. Vincenzo Grifo – gerade für sieben Millionen Euro Ablöse abermals von den Kraichgauern zum Sportclub zurückgekehrt – durfte aufgrund der ausgehandelten Wechselmodalitäten da noch nicht mitwirken. Es sind also zwei hochkarätige Alternativen, die Streich in seine Startelf integrieren muss. Oder eben auch nicht. „Natürlich bereitet mir das Kopfzerbrechen“, räumt der SC-Coach ein. „Aber ich hatte schon anderes Kopfzerbrechen, das zu Kopfschmerzen geführt hat.“

          In vergangenen Spielzeiten hatten die Freiburger nicht nur Abgänge von wichtigen Spielern zu verkraften. Verletzungsmiseren waren zudem eher die Regel denn die Ausnahme. Streich, der seinen Job so nah an sich heranlässt, hat darunter gelitten. Davon kann aktuell keine Rede sein, wenngleich er sich auch jetzt schwertut. „Ich will versuchen, so gerecht wie möglich zu sein, obwohl ich weiß, dass ich es nicht bin“, sagt er. Auf einzelne fußballerische Schicksalsschläge könne er keine Rücksicht nehmen. Es klingt hart und gleichzeitig wie eine Entschuldigung an diejenigen seiner Profis, die auch gegen Augsburg trotz guter Trainingsleistungen nicht mal im Kader stehen werden. Mit Gesprächen versucht Streich, möglichen Frustreaktionen aus der zweiten oder dritten Reihe entgegenzuwirken. „Der eine oder andere muss einen längeren Atem haben“, rät er, „dann wird er auf jeden Fall belohnt.“

          Empathisch und zugleich richtungsweisend: Christian Streich

          Streich ist empathisch genug, die Lage jedes einzelnen seiner Akteure zu verstehen. Vor allem aber geht es ihm darum, die Stärke des Kollektivs zu erhalten. Dieses besondere Zusammengehörigkeitsgefühl der SC-Profis untereinander ist in seinen Augen das höchste Freiburger Gut. Es dürfte wohl kaum einen anderen Bundesligaklub geben, deren Spieler in großer Zahl auch privat derart miteinander verbandelt sind wie jene beim Sportclub. Und nirgendwo anders als in der Breisgau-Metropole hat wohl auch auf dem Platz der Satz „Nur gemeinsam sind wir stark“ eine größere Bedeutung. „Das“, betont Streich, „müssen wir unbedingt bewahren.“

          In der momentanen Situation, dessen ist er sich bewusst, ist diese Herausforderung noch zu bewältigen. Die Saison ist zu jung, der bisherige Erfolg zu angenehm, um Unzufriedenheit aufkeimen zu lassen. Schwierig, weiß Streich, werde es erst in vier, acht oder zwölf Wochen. Dann, wenn man mal fünf, sechs, sieben Spiele nicht gewonnen habe. „Und das kommt meistens bei uns“, sagt Streich, „ich hab da eine gewisse Erfahrung.“

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