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Transfer-Coup des BVB : Darum ist Can so wichtig für Dortmund

  • -Aktualisiert am

Die neue Nummer 27 beim BVB 09: Emre Can Bild: dpa

Nach dem Kauf von Wunderstürmer Erling Haaland gelingt dem BVB ein weiterer erstaunlicher Transfer auf dem Wintermarkt. Emre Can kommt. Der Nationalspieler ist das letzte noch fehlende Teil für das Kaderpuzzle.

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          Michael Zorc hat sich ein paar Tage Erholung verdient, nachdem er mal wieder seine erstaunlichen Fähigkeiten im Navigieren durch die verworrenen Pfade des internationalen Transfermarkts für Fußballprofis unter Beweis gestellt hat. Mit Emre Can präsentierten die Dortmunder am Freitagnachmittag kurz vor dem Ende der Transferperiode um 18 Uhr das letzte noch fehlende Teil für das Kaderpuzzle der laufenden Saison, in der das offizielle Saisonziel ja immer noch der Gewinn der Meisterschaft ist. Es ist Zorcs zweiter bemerkenswerter Schlag auf dem Wintermarkt, nachdem er bereits mit der Verpflichtung des Wunderstürmers Erling Haaland einen großen Coup abgeschlossen hatte.

          Bundesliga

          Zunächst wird Can bis zum Saisonende ausgeliehen. Sofern vereinbarte Parameter erfüllt seien, gehe die Leihe anschließend in einen festen Transfer über, teilte der BVB mit. Mehrere Medien hatten für diesen Fall zuvor einem Vertrag bis Mitte 2024 ins Spiel gebracht. Dann würde der BVB rund 25 Millionen Euro nach Turin überweisen. Bis zuletzt gefeilscht wurde dem Vernehmen nach über das Gehalt. Es wird spekuliert, dass der 26 Jahre Defensiv-Allrounder acht Millionen Euro pro Jahr verdienen soll – deutlich weniger als zuvor in Italien. Aber die Aussicht auf viel Spielzeit und die Hoffnung, anschließend für die EM im kommenden Sommer nominiert zu werden, sind für Can offenbar interessanter als finanzielle Details. Für den erstaunlichen Transfermarktkünstler Zorc ist damit mal wieder alles aufgegangen.

          Am Donnerstag hatte er schon den verletzungsanfälligen und von Heimweh geplagten Paco Alcácer, dessen Verhältnis zu Trainer Lucien Favre zuletzt immer weiter abgekühlt sein soll, zum FC Villarreal verkauft. „Spielertypen wie Alcácer haben wir noch weitere im Kader – wie Hazard oder Sancho“, hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dieser Tage erklärt. Für den Spanier, der in 37 Bundesligapartien 23 Treffer erzielte, flossen mehr als 20 Millionen Euro an den BVB. Angeblich kann diese Summe bei entsprechenden Erfolgen sogar auf 30 Millionen Euro ansteigen. Und weil der Verkauf von Julian Weigl an Benfica Lissabon weitere 20 Millionen in die Kasse spülte, sind Haaland (20 Millionen) und Emre Can praktisch gegenfinanziert.

          Haaland füllt die Lücke im Angriff und hat seine besondere Qualität mit seinen fünf Toren in zwei Spielen bereits eindrucksvoll angedeutet. Ein Spielertyp wie Can wird ähnlich dringend gebraucht. Mit Axel Witsel und dem derzeit verletzten Thomas Delaney gab es nach der Trennung von Weigl nur noch zwei defensive Mittelfeldspieler, die eine klassische Doppelsechs in Lucien Favres Lieblingssystem bilden können, im 4-2-3-1. Hier könnte Can gerade in den großen Schlachten in der Champions League oder gegen die Topteams der Bundesliga für jene Stabilität sorgen, die in der Hinserie oft fehlte.

          Außerdem ist Can in der Lage, den zuletzt oftmals fehlerhaft spielenden Manuel Akanji in der Innenverteidigung zu ersetzen. Und auf der Position des Rechtsverteidigers, wo Achraf Hakimi und Lukasz Piszczek sich während der Hinrunde häufig überlaufen ließen, ist Can ebenfalls schon zum Einsatz gekommen. Vor dem Hintergrund der bekannten Kaderschwächen des BVB ist der gebürtige Frankfurter eine Art Idealbesetzung. Zumal er das junge Team auch durch eine ordentliche Portion Erfahrung mit verschiedenen Großklubs bereichert. Zorc ließ sich mit Verweis auf Cans vielfältige Einsatzmöglichkeiten zitieren – und anfügen, man habe nun „einen Spieler, der neben seiner Technik auch seine Physis einbringt und über einen ausgeprägten Siegeswillen verfügt“.

          Im Alter von 15 Jahren wechselte Can von Eintracht Frankfurt in die Jugend des FC Bayern, wo er anschließend viermal in der Bundesliga zum Einsatz kam und 2013 weiter zu Bayer Leverkusen zog. Dort schaffte er seinen Durchbruch und ging 2014 zum FC Liverpool, wo er vier Jahre blieb. Am Ende war Can Stammspieler unter Jürgen Klopp, um sich dann ablösefrei Juventus Turin anzuschließen. Nach einem guten Jahr kam er in der laufenden Saison in Italien zuletzt aber nur noch selten zum Einsatz, angeblich gab es Differenzen mit dem neuen Trainer Maurizio Sarri.

          Dortmund ist für Can also eine Art Neustart, und der BVB hat mal wieder seinen Ruf als vielleicht umtriebigster Bundesligaverein auf dem Transfermarkt untermauert. In der laufenden Saison haben die Dortmunder schon wieder rund 110 Millionen Euro eingenommen (für Weigl, Diallo, Philipp, Isak, Rode, Kagawa, Alcácer). Hinzu kommen acht Millionen Euro Leihgebühr für Toljan, Toprak, Wolf und Schürrle. Dem gegenüber standen laut „transfermarkt.de“ etwa 100 Millionen Euro an Transferausgaben (für Hummels, Brand, Hazard, Schulz und Alcácer), zu denen nun im Winter 20 Millionen für Haaland hinzukommen, sowie möglicherweise die 23 Millionen für Can, wenn der Profi über den kommenden Sommer hinaus in Dortmund bleibt.

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