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1:3 gegen Mönchengladbach : Eintracht unterwegs in die falsche Richtung

  • -Aktualisiert am

Keine Chance für Kevin Trapp (links): Der Frankfurter Schlussmann konnte das zwischenzeitliche 1:0 der Borussen nicht verhindern. Bild: dpa

Die Frankfurter rutschen durch das 1:3 in Mönchengladbach auf Platz 15 ab. Adi Hütter und sein Team haben immer noch keinen verlässlichen Weg gefunden.

          Es war ein vergleichsweise bescheidenes Ziel, mit dem die Eintracht in diese Saison gestartet ist. Nach einem Fußballjahr, in dem sie bis dahin mit Pokal-Triumph, Trainerwechsel und Qualifikation für die Europa League viele aufregende Momente erlebt hatte, wurde die Ausrichtung des Klubs im Sommer mit der Maßgabe vorangetrieben, in erster Linie nichts mit dem Kampf gegen den Abstieg in der Bundesliga zu tun zu bekommen. Nachdem nun drei Monate der Zusammenarbeit mit Adi Hütter in allen Wettbewerben absolviert sind, zeigt sich, dass der neue Coach als Nachfolger von Niko Kovac keine einfache Aufgabe übernommen hat, er und das Team noch keinen verlässlichen Weg gefunden haben, der sie langsam, aber sicher in die gewünschte Richtung voran bringt.

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          Durch das 1:3 beim Gastspiel in Mönchengladbach, zum Abschluss des fünften Liga-Spieltags, verschlechterte sich die Position der Frankfurter als Fünfzehnter im hinteren Mittelfeld der Tabelle. Aufgrund der Niederlage im Borussia-Park stagniert ihre Ausbeute bei mickrigen vier Punkten. Die Eintracht bekommt es in ihrer zweiten Englischen Woche in Serie nun an diesem Sonntag daheim mit dem bisher ebenfalls als wenig konstant aufgetretenen Konkurrenten Hannover 96 zu tun – ein weiterer Misserfolg würde die Perspektiven endgültig eintrüben.

          „Es fehlt uns die Konzentration in manchen Situationen, das haben wir teuer bezahlen müssen. So wird es schwer zu punkten“, sagte Frankfurts Kapitän David Abraham. Borussias Mittelfeldspieler Florian Neuhaus blickte optimistisch nach vorne: „Jetzt wollen wir natürlich in Wolfsburg so weitermachen.“ Der Schlüssel zum Erfolg war, so Neuhaus, „dass wir nach Berlin unser Zweikampfverhalten ändern wollten. Und heute haben wir gut verdichtet.“

          Auch die Fans der Borussia beteiligten sich am Mittwoch am Stimmungsboykott, mit dem in allen Stadien gegen die Deutsche Fußball Liga und den Deutschen Fußball-Bund demonstriert werden sollte. „Ihr werdet von uns hören, oder auch nicht!“, lautete die Botschaft des Plakats, das hinter dem Zaun von Gladbach-Keeper Yann Sommer hing. Die Supporter verzichteten in den ersten zwanzig Minuten auf Anfeuerungsrufe und machten stattdessen mit Trillerpfeifen Lärm. Die Eintracht nahm in dem Getöse eine abwartende Haltung ein, um aus einer kompakten Abwehr darauf zu reagieren, was der Gegner ausgeheckt hatte. Mit der Aufstellung setzte Hütter ein Statement: Im variablen 4-2-3-1-System besetzte er die Flügel zwar mit Filip Kostic (links) und Nicolai Müller (rechts), wobei sich der Kroate aber immer wieder nach hinten zu orientieren hatte, um neben Gelson Fernandes und Makoto Hasebe das defensive Schaltzentrum vor der Viererkette zu stärken.

          Die beste Möglichkeit der Anfangsphase erarbeiteten sich die Gladbacher durch Alassane Plea. Der Franzose, der die Frankfurter mit seinem schnellen Antritt auch im weiteren Verlauf noch ordentlich beschäftigte, zog aus elf Metern ab – Kevin Trapp klärte mit beiden Fäusten (18.). Pleas Sturm-Pendant auf Seiten der Hessen, Sébastien Haller, riss nach 35 Minuten bereits beide Hände zum Jubeln in die Luft und drehte im sicheren Glauben ab, mit dem Kopf soeben sein viertes Liga-Tor erzielt zu haben. Doch der Goalgetter hatte sich zu früh gefreut: Referee Sven Jablonski entschied bei der Aktion auf Abseits. Trapp wiederum war auch zur Stelle, als es Thorgan Hazard aus der Distanz versuchte (41.).

          Auch im zweiten Abschnitt tat die Borussia mehr, um sich Vorteile zu verschaffen, während die Eintracht ihre Taktik der Nadelstiche im Angriff fortsetzte und ansonsten erst mal das Hauptaugenmerk darauf legte, Gefahr abzuwenden. Das klappte leidlich, auch weil sich im Umgang mit der Kugel Ungenauigkeiten einschlichen. Ein Patzer von Danny da Costa konnte Hasebe nur zu Lasten eines Freistoßes klären, den Hazard an der Mauer vorbei schlenzte, doch nur das Außennetz traf (51.). Aber Gladbach hielt den Druck hoch, wobei Plea ein Kunststück gelang, um die Führung zu erzielen: Er zog aus spitzem Winkel ab und ließ sich dabei auch nicht durch die Rettungsversuche von Abraham und Trapp aufhalten (56.). In den anhaltenden Jubel der Gladbach-Fans unter den 51.000 Zuschauern hinein hätte der Frankfurter Kapitän fast postwendend den Ausgleich folgen lassen, sein Kopfball flog am Pfosten vorbei (58.).

          Mit der Hereinnahme von Ante Rebic für Müller wollte Hütter nach rund einer Stunde ein mutiges Zeichen der Attacke im Schlussspurt setzen. Die Hoffnung ging zunächst nicht auf. Der kroatische Pokal- und WM-Heroe stand kaum auf dem Platz, da legte die Borussia nach: Hazard nutzte ein Missverständnis zwischen Da Costa und Abraham zum 2:0 (65.). Doch ein Treffer in typischer Rebic-Manier brachte der Eintracht die Hoffnung zurück: Der 25-Jährige setzte seinen Körper mit Wucht ein und ließ sich im Strafraum weder von den Gladbacher Aufpassern noch von dem vor ihm auftauchenden Sommer bremsen: 2:1 – damit war in der 74. Minute die Spannung in einem Spiel, in dem es nun immer abwechslungsreicher hin und her ging. Nico Elevedi setzte dabei mit dem 3:1 den Schlusspunkt zum verdienten Gladbacher Sieg (85.). „Drei Punkte, ein Sieg, das ist gut für den Kopf nach der Niederlage bei Hertha“, sagte Torschütze Hazard. „Es war verdient. Wir haben das Spiel kontrolliert.“

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