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Eintracht-Trainer Michael Skibbe : „Wer es nicht kapiert, ist nicht mehr dabei“

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Bald geht es los für ihn und seine Eintracht: Trainer Michael Skibbe. Bild: DPA

Eintracht-Trainer Michael Skibbe hat bei seinem neuen Arbeitgeber mit allerlei Startschwierigkeiten zu kämpften. Im Interview mit der Sonntagszeitung spricht er über Geduldsgrenzen, Aggressivität, Hoffnungsträger Caio - und Rauswurf.

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          Eintracht-Trainer Michael Skibbe hat bei seinem neuen Arbeitgeber mit allerlei Startschwierigkeiten zu kämpften. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht er über die Grenzen seiner Geduld, die Aggressivität des Teams, Hoffnungsträger Caio - und Rauswurf.

          Unter der Woche hat Ihre Mannschaft 0:3 gegen Osijek verloren und dabei eine ganz schwache Leistung gezeigt. Die Schlagzeilen am Tag darauf waren ziemlich heftig. Haben Sie schon so früh mit einer ersten kleinen Krise gerechnet?

          Natürlich nicht. Aber die Kritiken waren berechtigt. Ich war auch richtig sauer, denn so darf sich eine Bundesligamannschaft nicht präsentieren. Das habe ich den Spielern auch sehr deutlich gesagt. Mit ein paar Tagen Abstand bin ich aber auch ganz froh, dass so früh deutlich geworden ist, was alles nicht funktioniert. Genau deshalb habe ich mich ja auch entschieden, gegen starke Gegner zu testen.

          Sind die Spieler vielleicht nicht so gut, wie Sie es bei Ihrem Amtsantritt beschrieben haben? Sind Sie womöglich von Ihren Verhandlungspartnern bei der Eintracht in den Gesprächen nicht ganz ehrlich über die Spieler informiert worden?

          Nein, ganz sicher nicht. Heribert Bruchhagen hat mit mir in seiner trockenen Art genauso gesprochen, wie er es in der Öffentlichkeit tut. Er hat mir von Anfang an deutlich gemacht, dass keine großen finanziellen Mittel zur Verfügung stehen und dass er nicht erwartet, dass wir in die obere Tabellenhälfte einbrechen können. Wir haben auch ganz offen und ehrlich über die Möglichkeiten der Spieler gesprochen.

          Haben Sie es eigentlich schon bereut, eine Zweijahresvertrag bei der Eintracht unterschrieben zu haben?

          Nein, nein. Grundsätzlich darf man als Trainer sowieso zufrieden sein, wenn man einen von achtzehn Arbeitsplätzen in der Bundesliga hat. Und ich bin nach wie vor überzeugt, dass Potential in der Mannschaft steckt und dass wir natürlich mehr als 33 Punkte holen können und werden. Aber das Potential muss natürlich abrufbar sein. Deshalb ist es wichtig, dass Spieler wie Chris, Amanatidis oder Fenin auch zur Verfügung stehen. Und deshalb wurde ich nicht müde, einen weiteren Mittelfeldspieler zu fordern. Pirmin Schwegler wollten wir holen, da waren wir uns einig.

          Sie haben frechen und offensiveren Fußball versprochen. Neuzugang Selim Teber hat gesagt, diese Spielidee müsse erst in die Köpfe der Spieler. Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang der psychologische Aspekt?

          Selim hat recht, es ist sicher zur Hälfte eine Sache des Kopfes. Wenn Spieler fünf Jahre etwas anderes gespielt haben, dann dauert es, den Hebel umzulegen. Dazu gehört auch, dass ich den Spielern Fehler zugestehe. Aber diese Geduld ist endlich. Wenn einer es gar nicht kapiert, dann ist er nicht mehr dabei. Dann sage ich: Vielen Dank und gute Reise. Da bin ich ganz konsequent.

          Sie können also auch böse werden?

          Rund um ein Spiel bin ich ziemlich aggressiv. Die Spieler haben das unter der Woche gespürt, und auch gegenüber den Medien habe ich klare Worte gefunden. Und wenn Dinge passieren wie in dieser Woche, als die Jungs die Bälle nach dem Training in die Gegend kicken und sie nicht holen, kann ich schon mal eine klare Ansage machen.

          Wie hört sich diese dann an?

          Der Nächste, der das macht, läuft nach Hause.

          Beschreiben Sie doch einmal, wie die neue Spielart aussehen soll.

          Die Mannschaft soll den Mut aufbringen, offensiv zu verteidigen. Wir wollen den Gegner nicht kommen lassen, sondern wir wollen ihn früher attackieren. Dazu darf die Viererkette nicht auf einer Linie stehen. Die Initialzündung unseres Spiels muss aber aus dem Mittelfeld kommen. Da müssen wir stabil sein, sichere und präzise Pässe spielen. Schon dort müssen wir den Gegner aggressiv bekämpfen. Wir üben das im Training, aber es geht nicht von heute auf morgen. Am Ende können es nur die Spieler spielen, die es auch verstehen.

          Wird das ein 4-1-4-1-System sein oder doch eines mit zwei Stürmern?

          In der Vorbereitung haben wir mit einer Spitze gespielt, weil ich ja nicht viele Stürmer zur Verfügung habe. Aber ich denke, auf Dauer sind zwei Spitzen besser. Da sind einfach mehr Anspielstationen in der Mitte. Ich hoffe, dass wir bis zum Spiel in Kaiserslautern, spätestens aber zum Pokal in Offenbach, so auftreten können.

          Ganz besonders große Hoffnungen ruhen auf Caio. Aber auch er hat in den Testspielen noch nicht wirklich überzeugen können. Besonders seine Freistöße und Eckbälle sind nicht gut gekommen. Wie sieht Ihr Zwischenfazit über Caios Entwicklung aus?

          Ich denke, es hat sich gezeigt, dass er eher ein Mann für Freistöße ist als für Eckbälle. Da können wir ihn mit seiner Kopfballstärke ja auch in der Mitte gut gebrauchen. Mit seinem körperlichen Zustand bin ich zufrieden, er zieht sehr gut mit im Training. Wie übrigens die anderen auch. An der Einstellung der Mannschaft beim Training habe ich nichts auszusetzen.

          In ein paar Tagen müssen Sie die ersten Entscheidungen fällen und verkünden. Wer steht im Tor, wer wird Kapitän, wer hat wenig Chancen zu spielen? Wie schwer wird Ihnen das fallen?

          Ich freue mich nicht darauf, aber es gebietet die Ehrlichkeit gegenüber den Spielern, dass ich dann klare Worte unter vier Augen finde. Jeder Einzelne hat bis dahin die Chance gehabt, sich in Freundschaftsspielen und im Training zu zeigen. Bei 30 Spielern aus unserem Aufgebot können ja nur elf spielen und sieben auf der Bank sitzen. Zumindest jenen vier, fünf Spielern, die in meiner Beurteilung ganz hinten stehen, werde ich dies sagen. Sie können dann überlegen, ob ein Vereinswechsel nicht besser für sie ist. Natürlich kann der Spieler auch bleiben und weiter seine Chance suchen, wir sind selbstverständlich vertragstreu.


          Das Gespräch führte Josef Schmitt.

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