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Eintracht-Torwart Rönnow : „Es geht nicht nur ums Sportliche“

  • -Aktualisiert am

Torwart Rönnow: „Realistischerweise muss ich darauf hoffen, nach den Sommerferien woanders die Nummer 1 zu sein.“ Bild: dpa

Frederik Rönnow fühlt sich wohl in Frankfurt, will aber die Eintracht verlassen: Der Torwart vermisst eine faire Chance im Duell mit Kevin Trapp. Ein Gespräch über Stärken, Schwächen und die Loyalität unter Torhütern.

          5 Min.

          Bekommen Sie an diesem Samstag zum letzten Saisonspiel gegen Paderborn einen Blumenstrauß und einen Abschiedshändedruck?

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Das glaube ich nicht. Denn die Eintracht und ich wissen nicht, wie sich die Situation über den Sommer entwickelt.

          Wir dachten, die Situation wäre geklärt: Sie wollen weg, weil Sie unbedingt mehr Einsatzzeiten haben wollen, und die Eintracht respektiert Ihren Wunsch. Oder nicht?

          Eigentlich ja.

          Dann sorgen das Corona-Virus und der dadurch veränderte Transfermarkt für die Unsicherheit?

          Bundesliga

          Ja. Niemand weiß, ob es eine zweite Welle geben wird, niemand weiß, wie sich die Pandemie in anderen europäischen Ländern entwickeln wird, niemand weiß, wie sich das auf den Transfermarkt auswirkt. Ich muss nicht unbedingt weg, ich habe Vertrag bis 2022. Mir gefällt es in Frankfurt und im Klub wirklich sehr gut. Aber ich kam vor zwei Jahren hierher, um zu spielen. Ich fühle mich wirklich in guter Form, ich fühle, dass ich auf Bundesliga-Niveau spielen kann. Aber ich weiß, dass ich mit Kevin Trapp einen sehr starken Konkurrenten habe und dass es sehr, sehr schwierig werden würde, an ihm vorbeizukommen. Wenn ich es mir aussuchen könnte, wäre ich am liebsten die Nummer 1 in Frankfurt. Aber realistischerweise muss ich darauf hoffen, nach den Sommerferien woanders die Nummer 1 zu sein.

          Weil Trapp nicht nur Nationaltorhüter, sondern auch eines der Gesichter der Eintracht ist, einer der absoluten Führungsspieler?

          Ja, das ist für mich in den zwei Jahren ziemlich offensichtlich geworden. Das ist es, was der Verein und der Trainer möchten, dass Kevin die klare Nummer eins ist. Für mich ist das eine sehr schwierige Situation, weil es mehr als um das rein Sportliche geht.

          Akzeptieren Sie, dass Trapp der talentiertere und bessere Torwart ist, oder fühlen Sie sich auf einem Level?

          Es geht nicht um ein Duell Kevin gegen mich. Ich schaue nur auf mich selbst, auf meine Entwicklung. Ich hatte einen schlechten Start hier, das erste halbe Jahr war schwer. Aber ich habe die Sache gedreht. Ich habe die negativen Emotionen in ein hartes Training, in harte Arbeit geleitet und habe nun das Gefühl, dass ich mich sehr gut entwickelt habe. Und ich denke, wenn ich mehr gespielt hätte, hätte ich ein noch höheres Level erreichen können. Aber das ist nicht geschehen. Ich möchte nicht meine und Kevins Fähigkeiten vergleichen. Er spielt und ich nicht. Fertig. Aber Kevin ist mit Sicherheit ein sehr, sehr guter Torwart. Er gehört zum Kreis der deutschen Nationalmannschaft, das sagt alles.

          In dieser Saison bestritten Sie immerhin 15 Pflichtspiele: Könnten Sie mit so einer Quote auch in Zukunft leben, oder wäre das Ihnen immer noch zu wenig?

          Ich habe nur wegen Kevins Verletzungspech so oft gespielt. Ich habe meine Chancen genutzt, mich auf einem guten Level zu präsentieren. Und wenn das gelingt, dann möchte man immer mehr.

          Wäre es denkbar, dass Sie blieben, wenn Ihnen eine gewisse Anzahl an Mindesteinsätzen garantiert würde? Gibt es solche Lösungen im Profifußball?

          Ich denke nicht, dass solch eine Vereinbarung getroffen werden könnte. Am Ende geht es an jedem Spieltag ums Gewinnen. Und der Trainer muss das beste Team und auch den besten Torwart stellen, um die beste Gewinnchance zu haben. Und wenn er meint, Trapp ist der Beste, dann würde er nicht Rönnow bringen, nur weil es eine Vereinbarung gibt, das wäre nicht sinnvoll. Kein Trainer wechselt gerne den Torhüter, wenn er Leistung bringt. Vielleicht würde es sich ergeben, dass ich vier- oder fünfmal in der Saison eingesetzt werde. Aber da habe ich höhere Ziele.

          Sie erwähnten Ihre Verbesserungen. Nennen Sie bitte Details.

          Ich kam schon als guter Torhüter hierher. Aber mein schlechter Start, der viel mit meiner Verletzung im ersten Training zu tun hatte, hat mich zu lange negativ beeinflusst. Mir fehlte über eine lange Zeit ein Erfolgserlebnis. Selbstvertrauen ist sehr wichtig im Fußball, und ich hatte es nicht. Nach einem halben Jahr ging es aufwärts. Ein wichtiger Schritt war meine verbesserte Physis. Ich bin immer noch kein Modellathlet, aber ich habe mir die körperlichen Voraussetzungen angeeignet, um in einer größeren Liga als der dänischen zu bestehen, aus der ich kam. In der Bundesliga benötigt man einfach mehr Stärke und Agilität.

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