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Höhenflug in Bundesliga : Hier ist die Eintracht jetzt schon Spitzenklasse

Garanten für den Frankfurter Höhenflug: André Silva (links) und Filip Kostic Bild: AFP

Die Frankfurter liegen in der Bundesliga auf Platz vier und dürfen von der Champions League träumen. Das liegt auch und vor allem an einem Trio, das nur noch von den Bayern übertroffen wird.

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          Am 20. haben sie die 60 geknackt. Damit ist die Eintracht erster Verfolger der Bayern. 60 Punkte für die Frankfurter Fußballprofis? Nein, 60 Scorerpunkte. Aktuell sind es 47 Punkte – und der ärgste Konkurrent um den Meistertitel heißt nach wie vor RB Leipzig. Doch weil bei der Eintracht das Gesamtgefüge stimmt, darf sich die Mannschaft von Trainer Adi Hütter weiterhin große Hoffnungen machen, vielleicht doch noch den größten Wurf der Vereinsgeschichte zu landen.

          Bundesliga
          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Noch liegt die Eintracht als Tabellenvierter auf Kurs, um das Traumziel Champions League tatsächlich zu erreichen. Neun Runden vor Ultimo war es mit dem größtenteils furiosen 5:2 gegen Union Berlin ein Halbzeit-Spektakel, mit dem die Hütter-Elf in der verwaisten Frankfurter Arena ein weiteres wichtiges Ausrufezeichen gesetzt hat. Vor allem aber dies: In der Kombination von Torvorbereitung und Torabschluss ist die Eintracht jetzt schon Spitzenklasse.

          Es sind eben nur die Bayern, die mit ihren drei besten Einzelkönnern Robert Lewandowski (43 Scorerpunkte), Thomas Müller (24) und Kingsley Coman (13) mit 80 Punkten vor der Eintracht liegen. Bei den Hessen sind es André Silva (28), Filip Kostic (16) und Daichi Kamada (16), die der Mannschaft in der Addition von Toren und Vorlagen (insgesamt 60) seit Wochen schon eine große Hilfe auf dem Weg nach Europa sind.

          15 Heimspiele ungeschlagen

          Auch gegen die Eisernen von Union hat das Trio am 20. März zugeschlagen. Für die Abteilung Torabschluss waren wieder einmal die in bestechender Form aufspielenden Silva und Kostic zuständig. Kamada empfahl sich ein weiteres Mal als trickreicher und gedankenschneller Vorbereiter. Fünf Tore gegen die vormals drittbeste Abwehr der Liga, dazu gleich drei Volltreffer gegen die Eisernen innerhalb von nur sechs mitreißenden Minuten: „Das hätte ich mir vorher nicht erträumt“, sagte Eintracht-Trainer Hütter, der sich vor dem Duell mit den Köpenickern höchst respektvoll über die starke Arbeit seines Trainerkollegen Urs Fischer geäußert hatte.

          Hütter wusste ja, „dass es bei Standards schwierig wird, weil uns die kopf- und zweikampfstarken Martin Hinteregger und Tuta gefehlt haben“. Bei seinem österreichischen Landsmann ist es „nicht mehr rechtzeitig ausgegangen“. Die muskulären Probleme, die Hinteregger schon in der Vorwoche daran gehindert hatten, beim 1:1 in Leipzig dabei zu sein, hinderten ihn auch daran, gegen die unbequemen Unioner am Ball zu sein.

          Auch ohne den Abwehrchef schaffte es die Eintracht, saisonübergreifend auch im 15. Heimspiel in Serie ungeschlagen geblieben zu sein. „Drei Punkte sind das, was zählt und mich freut“, sagte Hütter in seiner Spielnachbetrachtung, „in der es viel zu analysieren gab. Kompliment an Union, die uns das Leben sehr schwer gemacht haben.“

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          Wieder ein Torspektakel also. Fast so wie Mitte Januar, als die Eintracht die Bielefelder Alm im Sturm eroberte und mit dem 5:1 den höchsten Sieg dieser Bundesligasaison hinlegte. Damals wie heute schlug das Trio zu, auch Jovic erzielte ein Tor. Die Konstanz der Frankfurter Offensivabteilung ist einer der Schlüssel des monatelangen Erfolgs der Eintracht.

          Für Hütter ist es eine Wonne, dass es im Angriff ganz nach seinen Vorstellungen läuft. „Ich liebe offensiven und attraktiven Fußball“, sagte er nach dem 5:2 gegen Union, um nachzuschieben: „Wenn wir dabei wenig zulassen. Letzteres ist uns nicht gelungen.“ Dass im zweiten Spielabschnitt, in dem die unbeirrten Berliner weiterhin zielstrebig versuchten, nach dem zwischenzeitlichen 2:4 den Anschluss zu halten, die Eintracht nicht mehr in Gefahr geriet, lag an Kevin Trapp.

          Der Nationaltorhüter, abermals von Bundestrainer Joachim Löw für Spiele in Deutschlands erster Auswahl nominiert, war seiner Mannschaft auch gegen Union Berlin ein Fels in der Brandung. Trapp wird gestärkt an diesem Montag zur Nationalmannschaft fahren – wie auch sein trickreicher Mannschaftskollege Amin Younes, der gesperrt gegen Union fehlte. Zwei Frankfurter auf einen Schlag im Aufgebot der Nationalmannschaft: Das hatte es zuletzt vor 26 Jahren gegeben.

          Es ist Lohn und Anerkennung zugleich für das, was Hütter aus dieser Mannschaft gerade in dieser Spielzeit geformt hat. Ein Team, das es in der ersten Halbzeit gegen Union Berlin „souverän gemacht und sehr schön Fußball gespielt hat“, wie Kapitän Makoto Hasebe freudig sagte. „Nach der Pause waren wir ein bisschen zu passiv, aber wir sind ruhig geblieben. Es war ein verdienter Sieg“, urteilte der Japaner. Ein Sieg, der der Eintracht auf dem Weg zurück nach Europa weiterhin alle Optionen offenhält.

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