https://www.faz.net/-gtm-9reym

Eintracht-Profi Bas Dost : Klartext in den Katakomben

Immer ein wenig hintendran: Bas Dost im Zweikampf mit Arsenal-Abwehrspieler Shkodran Mustafi. Bild: AFP

0:3 gegen Arsenal und seine Leistungen verärgern Bas Dost. Der Stürmer muss konditionell zulegen, wenn er der Eintracht helfen will. Am Sonntag gegen den BVB kann er sich beweisen.

          3 Min.

          Klare Kante zeigen – in guten wie in schlechten Tagen. Adi Hütter hält viel von diesem Verhalten, und als er sich anschickte, die Erlebnisse der 0:3-Niederlage gegen den FC Arsenal öffentlich zu verarbeiten, brach der Trainer der Frankfurter Eintracht eine Lanze für seine Spieler. Für einen ganz besonders: Djibril Sow. Der Schweizer Rekordeinkauf, der schon beim 1:2 im Bundesligageschäft beim FC Augsburg einen schwachen Tag erwischt hatte, offenbarte auch im ersten Gruppenspiel der Europa League gegen die Engländer Defizite. Sow unterliefen in der ersten Halbzeit zwei Schnitzer. Nach der Pause steigerte er sich – und konnte sich davor wie auch danach der Rückendeckung seines einstigen Berner Meistertrainers sicher sein. „Ich werde ihm jetzt noch mehr helfen und ihm die Hände reichen“, sagte Hütter, der sich sicher ist: „Wir werden mit ihm noch viel Freude haben.“

          Mit Bas Dost gab es erste freudige Momente schon bei dessen Premiere gegen Düsseldorf, als der großgewachsene Niederländer mit dem Kopf sein erstes Tor für die Eintracht erzielte. Gegen Arsenal mühte sich der 30-Jährige vergebens – und sprach nach Spielschluss Klartext in eigener Sache. Dost schloss in seine Spielkritik auch und vor allem sich selbst ein, denn er sagte, dass er noch Zeit brauche, um endlich im Vollbesitz seiner Kräfte zu sein. „Ich mache zwar Fortschritte, aber ich bin noch nicht da, wo ich sein möchte. Ich muss realistisch sein.“ Aus dem sonnigen Südwesten Europas in die Mitte Deutschlands gekommen, bemängelte der zuvor bei Sporting Lissabon mit großem Erfolg seiner torgefährlichen Arbeit nachgehende Dost, dass es ihm zudem auch noch an der nötigen Spritzigkeit fehle. „Das nervt mich“, sagte er, hoffend und versprechend, „dass die bald zurückkommen wird“. Es gibt nicht allzu viele Eintracht-Profis, die bis heute in derart schonungsloser Offenheit über persönliche Defizite sprachen. Warum Dost diesen Weg wählte? „Ich bin schon sehr beschäftigt mit mir“, sagte er. „Körperlich bin ich richtig müde. Das tut etwas mit dir. Ich spüre es nach jedem Training, dass das hier eine andere Herausforderung ist. Man braucht viel Ausdauer.“ Das sieht Hütter genauso. „Ihm fehlt noch einiges“, sagte der Eintracht-Trainer am Tag danach, als er sich über von Dost zuvor absolvierte Tests „erstaunt“ zeigte. „In den Trainingseinheiten muss er hart an den Grundlagen arbeiten und auf ein anderes Niveau kommen. Dabei will ich ihm helfen.“

          Einsicht des Torjägers

          Dost hatte wochenlang Zeit, sich auf die Unterschiede des Fußballs in Portugal zum Fußball in der deutschen Bundesliga vorzubereiten und umzustellen. Aus seiner vormaligen Wolfsburger Zeit musste er wissen, das man konditionell voll auf der Höhe sein muss. Gegen Arsenal, das erst nach der Hinausstellung von Eintracht-Mittelfeldspieler Dominik Kohr von der 80. Minute an die weiteren Treffer durch Bukayo Saka (85.) und Pierre-Emerick Aubameyang (87.) zum finalen 3:0 erzielte – das Führungstor schoss Joe Willock (38.) –, war Startelf-Spieler Dost 66 Minuten lang am Ball. Mit der von ihm gezeigten Leistung war der Niederländer „zufrieden“. Vor allem behagte es ihm, dass er von Beginn an mit André Silva gemeinsame Sache machen durfte. Dost fand lobende Worte für den Nebenmann aus der vormaligen sportlichen Heimat Portugal, dem es gleichfalls vergönnt blieb, Arsenal mit einem Tor zu ärgern. „André hat es super gemacht“, sagte Dost. „Er hat eine gute Leistung gebracht.“

          Der Niederländer fügte an, bei seiner besten Aktion vor dem Seitenwechsel nach einem Eckball von Daichi Kamada in der 37. Minute nicht sein ganzes Potential ausgeschöpft zu haben. „Mein Kopfball muss aufs Tor“, sagte Dost. „Das kann ich besser. Aber ich bin noch nicht da, wo ich sein muss“, räumte er selbstkritisch ein.

          Wo Dost und seine Mitstreiter an diesem Sonntagabend sein werden, ist unstrittig: schon wieder in der Arena, dann aber im Kerngeschäft Bundesliga gegen den selbsterklärten Meisterschaftsaspiranten Borussia Dortmund. Auf einen Kämpfer muss die Eintracht zum Wochenausklang weiterhin verzichten: Sebastian Rode. Am Tag nach dem 0:3 gegen Arsenal berichtete Trainer Hütter von Rodes Konsultationen bei dessen Operateur. Der Mediziner schaute sich gemeinsam mit Rode das rechte Knie an, in dem sich der Mittelfeldspieler im Mai während des Halbfinalspiels in der Europa League bei Chelsea London einen Knorpelschaden zugezogen hatte.

          Hütter sagte am Freitag über Rodes Trainingszusammenstoß mit Sow: „Der Knorpel hat gehalten. Wenn nicht, wäre es fatal gewesen.“ Hütters Hoffnungen ruhen nun darauf, dass Rode vielleicht beim nächsten anspruchsvollen Auswärtsspiel am 27. September bei Aufsteiger Unio Berlin wieder einsatzfähig sein könnte. Beim Wiedersehen mit Rodes alten Dortmunder Kameraden müssen es die anderen Frankfurter richten.

          Weitere Themen

          Bestens vorbereitet

          Eintracht Frankfurt : Bestens vorbereitet

          Wenn die Eintracht gegen Leverkusen antritt, wird das Team in ganz anderer Verfassung sein als bei der Partie vor einem halben Jahr – auch dank Hütters Trainingssteuerung.

          Topmeldungen

          EU-Unterhändler Michel Barnier

          Europäische Union : Hoffnung auf Gipfel-Deal zum Brexit

          Die EU und Großbritannien sind deutlich vorangekommen – und trotzdem ist ein neuer Brexit-Vertrag beim Treffen der Staats- und Regierungschefs in Brüssel noch keine ausgemachte Sache. Es steht ein schwieriger Gipfel bevor.
          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
          Unser Sprinter-Autor: Felix Hooß

          F.A.Z.-Sprinter : Britische Zwickmühle

          Ist heute der Tag der Einigung? Alles sieht danach aus, als würden Brüssel und Großbritannien doch noch zusammenfinden. Außerdem: VW versucht die betrogenen Kunden mit Vergleichen zufrieden zu stellen. Was heute sonst noch wichtig wird, der F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.