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Stadion-Pfarrer Eckert : „Es gibt keinen Fußball-Gott - nicht mal Alex Meier“

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Alexander Meier und die Eintracht-Fans. Die sakrale Aura eines Fußball-Gottes? Bild: Wonge Bergmann

Alex Meier wird von Eintracht-Fans derzeit vergöttert. Eugen Eckert, Stadion-Pfarrer der Frankfurter Arena, weiß, dass der Fußball für viele eine Art Religion ist. An einen Fußball-Gott glaubt er im F.A.Z.-Interview aber nicht.

          Sie sind Pfarrer einer Kapelle in einem Fußball-Stadion. Glauben Sie an einen Fußball-Gott?

          Nein, das wäre absurd. Für Christen gibt es nur einen einzigen Gott. Von ihm sagen wir, dass er uns und die Welt erschaffen hat und uns menschlich in der Gestalt von Jesus Christus begegnet ist. Ich glaube aber an einen Gott, der uns mit unseren Leidenschaften, Macken und Kanten liebt. Das Fußballspiel ist für viele Menschen ein ganz wichtiger Teil ihres Lebens. Der Mensch verwirklicht sich im Spiel. Er lernt durch das Spiel Dinge, die weit über das Spiel hinausgehen: Zusammenhalt. Regeln. Kommunikation. Ich glaube, dass diese Dinge, die wir im Spielerischen tun und wozu der Fußball auch zählt, Teile unserer Geschöpflichkeit sind und damit wieder ganz eng mit uns und Gott zu tun haben.

          Was halten Sie als Pfarrer davon, wenn Alexander Meier oder auch Bastian Schweinsteiger von Zehntausenden Menschen als „Gott“ bezeichnet werden?

          Man darf nicht vergessen, dass der Mensch nur einen ganz begrenzten Wortschatz hat. Wir versuchen, uns aus ihm heraus über Bilder und Vergleiche auszudrücken. Der Begriff „Gott“ ist das höchste Gut, das wir in unserer Sprache haben. Es gibt nichts Höheres als „Gott“. Um den Ausdruck des Fußball-Gottes richtig einordnen zu können, muss man wissen, was Gott für uns Christen bedeutet. Die Bibel erzählt: Gott befreit aus der Sklaverei. Menschen, die überhaupt nicht damit rechnen, können über Wasser und Meere in die Freiheit zu entkommen. Gott ist mit Wundern verbunden, und Gott ist allgegenwärtig. Kommen wir zu Alex Meier: Die Eintracht hat über Monate hinweg in ihrer Spielkultur gelitten. Meier war ein halbes Jahr lang verletzt, steht gegen Köln in der Startaufstellung - und macht drei Tore. Das war eine Befreiung für viele Eintracht-Fans. Endlich gibt es wieder einen Mittelstürmer der Eintracht, der drei Tore in einem Spiel schießen kann (lacht). Das ist doch wunderbar. Aber: Alex Meier würde für sich nie den Anspruch formulieren, Gott zu sein. Ich sehe fast täglich, wie hart er auch nach den Trainings noch arbeitet, um das dann zeigen zu können, was wir samstags sehen. Er ist ein begnadeter Fußballer. Aber er erarbeitet sich auch vieles.

          Warum könnte Meier aber auch aus kirchlicher Sicht göttlich sein?

          Der Begriff „Gott“ ist auf Dauer angelegt: Von der Wiege bis zur Bahre, von der Taufe bis zur Beerdigung. Es gibt keinen kurzzeitigen Gott (lacht). Nun hält Meier der Eintracht seit elf Jahren die Treue. Das kommt heute nur noch ganz selten vor. Auch deswegen gibt es diese Form der Verehrung für ihn. Ich kann gut verstehen, dass die Fans nach einem umfassenden Wort für Meier gesucht haben, das das Alles umschreibt. Und das ist nun einmal der Begriff „Gott“. Aber natürlich gibt es keinen „Fußball-Gott“ im religiösen Sinne.

          Kam es schon vor, dass Fans Sie gebeten haben, Meier oder andere Spieler in Ihre Gebete mit einzubeziehen?

          Das gibt es tatsächlich. In unterschiedlichen Formen. Bei Taufen werden Kinder beispielsweise auf Vornamen von Fußballern getauft. Eines meiner ersten Kinder, das ich getauft habe, hieß Maik. Mit „ai“. So wie Maik Franz, der zum damaligen Zeitpunkt bei der Eintracht gespielt hat. Und Alex oder Alexander wird natürlich auch gerne als Taufname ausgewählt. Es ist auch nicht schlimm, wenn ich einen Spieler, der vielleicht durch eine schwere Verletzung aus der Blüte seiner Karriere gerissen wurde, in meine Gebete miteinbeziehe. Gott gibt denen, die krank sind, Hoffnung auf einen guten Heilprozess. Und Hoffnung schenkt er natürlich auch einem Spieler der Eintracht.

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