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Eintracht ohne Schaaf : Lauter Verlierer

  • -Aktualisiert am

Der Zwietracht entronnen: Thomas Schaaf Bild: Reuters

Die Kritik am Eintracht-Trainer war unfein. Aber das Management der Krise war unterirdisch. Nun haben die Schaaf-Gegner ihr Opfer zwar nicht erlegt, aber vertrieben. Und der ganze Verein steht schlecht da.

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          Der Rücktritt von Thomas Schaaf wirft ein schlechtes Licht auf die Frankfurter Eintracht. In der Branche wird vor allem wahrgenommen, dass ein verdienter und geschätzter Trainer derart demontiert wurde, dass er das Weite suchen musste, um seine Ehre zu bewahren. Die Kritik, mit der einige Eintracht-Funktionäre und Spieler anonym an die Öffentlichkeit traten, war unfein. Aber das Management der Krise, die daraus folgte, war unterirdisch.

          Sportdirektor Bruno Hübner äußert sich ja nie zu Themen, die über sein Tagesgeschäft hinausragen. Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen unterschätzte das Thema total, verweigerte ein Bekenntnis zum Trainer aus prinzipiellen Gründen. Vielen anderen war es recht, dass Schaaf schutzlos blieb, weil sie ihn beschädigen wollten. Noch nicht mal nach den letzten Siegen der Eintracht, die schließlich zu Platz neun in der Abschlusstabelle führten, sind alle zu Schaaf-Freunden geworden. Sie hatten nur keine Argumente mehr, weil die Ergebnisse keine Entlassung rechtfertigen, was Schaafs Fehler und Schwächen ohnehin nicht getan hätten.

          Aber er hat sie. Schaafs Mannschaftsführung ist nicht modern zu nennen, und seine Kommunikationsformen sind es auch nicht. Für Bruchhagen und viele andere Fahrensmänner der Bundesliga ist so etwas dritt- oder viertrangig. Für seinen jüngeren Vorstandskollegen Axel Hellmann wichtiger und für einige dynamische Mitglieder des Aufsichtsrates, die gerne im operativen Geschäft tätig wären, noch bedeutsamer.

          Opfer nicht erlegt, aber vertrieben

          Diese unterschiedlichen Bewertungen sind nichts Verwerfliches. Aber dass sie in die Öffentlichkeit gelangen und damit Politik betrieben wird, schon. Dass Bruchhagen dies nicht unterbinden oder zumindest eindämmen konnte, zeigt, dass er ein Jahr vor seinem Ausscheiden zu einer „lame duck“ geworden ist. Einen Rücktritt schloss er an diesem Dienstag ungefragt aus. Dazu liebe er den Fußball zu sehr. Lieber angeschlagen durch den Ring taumeln als das Handtuch werfen.

          Wie schlecht die Eintracht nun in der Öffentlichkeit dasteht, sollte aber auch den forschen Schaaf-Heckenschützen zu denken geben, die ihr Opfer nicht erlegt, aber vertrieben haben. In der Ära Bruchhagen ist die Eintracht wieder zu einem seriösen Mitglied der Bundesliga geworden. Ein Gut, das oft unterschätzt wird und das gerade leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird.

          Peter Heß
          (peh.), Sport

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