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Eintracht Frankfurt : Der Abstieg kostet 70 Millionen Euro

Wo spielt Eintracht Frankfurt in der neuen Saison? Bild: Picture-Alliance

Nürnberg oder Frankfurt – wer sichert sich in der Relegation den letzten Platz für die nächste Bundesliga-Saison? Für die Eintracht wäre ein Scheitern nicht nur ein sportlicher Tiefschlag.

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          Bleibt es bei vier Abstiegen in der 117-jährigen Vereinsgeschichte? Oder gibt es doch noch die fünfte Versetzung in die zweite Klasse? Im ersten von zwei Relegationsspielen hat es die Frankfurter Eintracht verpasst, schlagkräftige Argumente für einen Verbleib in der Bundesliga zu liefern. Zu schwach, zu unentschlossen, zu uninspiriert waren vor allem die offensiven Bestrebungen, mit denen der 1. FC Nürnberg eigentlich unter Druck gesetzt werden sollte. Am Ende hieß es zwischen dem Drittletzten der ersten Liga und dem Dritten der zweiten Liga 1:1 – und die Frage stand im Raum: Was bedeutet das?

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          „Alles ist offen, nichts ist entschieden.“ Eine Einschätzung des Ende Juni von seinem Amt scheidenden Vorstandsvorsitzenden der Eintracht, der ebenso wie Trainer Niko Kovac weiterhin fest daran glaubt, den drohenden Absturz im Rückspiel an diesem Montag (20.30 Uhr / Live in der ARD, bei Sky und im Bundesliga-Liveticker bei FAZ.NET) vermeiden zu können. Was sollte der 67 Jahre alte Heribert Bruchhagen auch sonst sagen?

          Das Nervenspiel Relegation geht in seine entscheidende Phase. Am Montagabend entscheidet sich im Frankenstadion in Nürnberg, ob die Eintracht ein folgenschweres wirtschaftliches Desaster erlebt und der „Club“ die Stelle mit dem hessischen Traditionsverein in der Bundesliga tauscht. Oder ob die mit großen Hoffnungen in diese Saison gestartete Mannschaft von Bundesliga-Trainerneuling Kovac - er hatte die Nachfolge des glücklosen Armin Veh Anfang März angetreten - doch noch mit einem blauen Auge davonkommt.

          Einer wie Johnny Klinke wird sich diese finale Partie am Fernseher anschauen. Am Donnerstag noch, beim ersten Vergleich zwischen Frankfurt und Nürnberg, war der Chef des Varietétheaters „Tigerpalast“ unter den 51.500 Zuschauern in der proppenvollen Arena im Frankfurter Stadtwald. Klinke und die Eintracht – das ist eine gewachsene Beziehung, die ein Stück weit auch für die Kultur in Frankfurt steht. „Frankfurt braucht den Fußball“, sagte Klinke im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Frankfurt braucht die Eintracht.“

          Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen verabschiedet sich nach dieser Saison.
          Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen verabschiedet sich nach dieser Saison. : Bild: dpa

          Klinke, der Künstler, der Conferencier, der Entrepreneur, ist Teil der Frankfurter Stadtgesellschaft, in der nicht nur über Politik, Wirtschaft und Kultur, sondern auch und immer wieder über den Sport gesprochen wird. Und Sport ist in Frankfurt vor allem die Eintracht, der erste Klub der Stadt, dem der demnächst in Rente gehende Bruchhagen zu einem neuen gesellschaftlichen Stellenwert verholfen hat.

          In der Stadt der Bankentürme vermag die Eintracht allerdings keinen großen wirtschaftlichen Nutzen aus der Anwesenheit vieler illustrer Unternehmen zu ziehen. Potente Geldgeber machen seit Jahren einen Bogen um die Eintracht. Dass der Klub es trotzdem geschafft hat, beim Umsatz die Marke von 100 Millionen Euro zu knacken, ist das Ergebnis langer und stetiger Aufbauarbeit. Durch einen möglichen Abstieg würde dieser Prozess Schaden nehmen.

          Unentschieden : Bundesliga-Relegation bleibt spannend

          Aus Vorstandskreisen der Eintracht AG war zuletzt immer wieder zu hören, dass ein neuerlicher Abstieg gut siebzig Millionen Euro kosten würde. Eine Zahl, die Klinke Angst und Bange macht. „Siebzig Millionen Euro. Das ist wahnsinnig viel.“ Klinke mag sich gar nicht vorstellen, dass die zukünftigen Gegner in der großen Arena demnächst nicht mehr aus Dortmund und Mönchengladbach, sondern aus Aue und Sandhausen kommen könnten. „Wir in der zweiten Liga? Das würde Jahre dauern, um da wieder rauszukommen.“

          Als Schöngeist ist Klinke ein Verfechter des schönen Fußballs. Insofern war es ein Glücksfall, „dass ich 1960 aus Berlin nach Frankfurt am Main gekommen bin und als Erstes ein Spiel der Eintracht gesehen habe“. Mit großen Augen und noch größeren Emotionen, denn Klinke war damals Zeuge jenes legendären Europapokalspiels zwischen der Frankfurter Eintracht und den Glasgow Rangers. „Zur Halbzeit stand es 1:1“, erinnert sich Klinke. „Und dann hat die Eintracht noch fünf Stück gemacht.“ 6:1 – ein fußballerisches Feuerwerk.

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          Frankfurter Feuerwerk gibt es aktuell nur noch auf den Rängen zu sehen, wo Unbelehrbare immer wieder Bengalos entzünden. Beim Risikospiel zwischen der Eintracht und dem 1. FC Nürnberg gab es etliche Durchsagen, diesen Unsinn in beiden Fanblöcken zu lassen.

          Im ersten Spiel der Relegation waren die Frankfurter „drückend überlegen“, wie Linksverteidiger Bastian Oczipka sagte. „Wir hatten die Chancen, Nürnberg keine einzige.“ Doch der Ertrag stimmte nicht. Das Unentschieden, zumal das erzielte Auswärtstor der Nürnberger, kann der Eintracht gefährlich werden. „Wir wussten, dass es zwei schwierige Spiele werden“, sagt Trainer Kovac. Dessen Optimismus bleibt ungebrochen. Der 44 Jahre alte Kroate geht davon aus, vertragstreu zu bleiben. Sein bis 2017 laufender Kontrakt gilt nur für die erste Liga.

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