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Eintracht Frankfurt : „Unsere Saison ist sensationell – aber nicht zu Ende“

Angstgegner Wolfsburg: Im Dezember-Duell siegten die Niedersachsen 2:1 in Frankfurt. Bild: Jan Huebner

Nach der magischen Europapokal-Nacht steht wieder die Bundesliga auf dem Spielplan. Für Frankfurt wird die Begegnung in Wolfsburg zu einem Schlüsselspiel – und die Bilanz spricht gegen die Eintracht.

          Solche Worte hört man selten von Adi Hütter. Doch als es darum ging, nach der magischen Nacht gegen Benfica den Europapokal für einen Moment zu vergessen und sich auf das „schwere Schlüsselspiel“ in Wolfsburg einzustimmen, sagte der Eintracht-Trainer voller Überzeugung und Selbstbewusstsein: „Unsere Saison ist sensationell. Aber sie ist noch nicht zu Ende.“ Zu Ende gehen soll sie Mitte Mai mit der Plazierung, die die zuletzt so furios aufspielende Frankfurter Fußballmannschaft schon jetzt inne hat: mit Platz vier. Es wäre gleichbedeutend mit der erstmaligen Qualifikation in der Vereinsgeschichte für die Champions League. Es wäre mehr als nur ein Meilenstein. Es wäre der Sprung in ungeahnte, nicht für möglich gehaltene Höhen.

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          Doch soweit ist es noch nicht. Fünf Klippen hat das Hütter-Team noch zu meistern. Vor heimischer Kulisse geht es noch gegen Hertha BSC Berlin und Mainz 05. Auswärts stehen die Prüfungen bei Bayer 04 Leverkusen, dem FC Bayern München – und zunächst an diesem Ostermontag beim VfL Wolfsburg an. Eine reizvolle und herausfordernde Aufgabe, denn in der Historie erstklassiger Fußballspiele zwischen dem VfL und der Eintracht hat der Tabellenvierte aus Frankfurt großen Nachholbedarf. Von den bisherigen 33 Begegnungen konnte die Eintracht lediglich sechs gewinnen – die letzte immerhin in der vergangenen Saison in der Wolfsburger Arena, als Sebastien Haller, Timothy Chandler und Luka Jovic die Tore zum 3:1-Erfolg erzielten.

          Wahr ist aber auch: Die Niedersachsen haben die Hessen schon 17 Mal bezwungen; zuletzt beim 2:1-Sieg im Dezember in Frankfurt. Zehn Mal trennten sich beide Klubs unentschieden. Zeit also, etwas an dieser Negativstatistik zu ändern. Hütter ist ja bekannt dafür, dass er mit alten Traditionen brechen kann. So gewann er in dieser Saison auswärts in Freiburg und Augsburg, legte zudem wettbewerbsübergreifend eine beeindruckende Serie von 15 Siegen hin – und schaffte im Frankfurter Sehnsuchtswettbewerb Europa League den Einzug in das Halbfinale, in dem am 2. und 9. Mai der englische Premier-League-Topklub FC Chelsea auf die Eintracht wartet.

          Zur Einstimmung auf den sportlichen Ausklang des Osterfestes hat der 49 Jahre alte Österreicher betont: „Meine Mannschaft hat oft genug bewiesen, dass sie hungrig ist und auch nach Niederlagen zurückschlagen kann. Wolfsburg wird ein Schlüsselspiel für uns, denn auch für den VfL geht es um viel.“ Die Mannschaft des zum Saisonende aus seinem Amt ausscheidenden Trainers Bruno Labbadia liegt als Tabellenneunter lediglich drei Punkte hinter dem Platz, der in der kommenden Saison zu Spielen in der Europa League berechtigt. Hütter weiß, dass Wolfsburg heimstark ist, „und wir benötigen wieder eine Top-Leistung, um bestehen zu können“.

          Wie sonst auch kann sich seine Mannschaft der Unterstützung von den Rängen sicher sein. Trotz des Feiertages und der ungünstigen Anstoßzeit abends um 20.30 Uhr (F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Eurosport) haben sich zumindest 2590 Eintracht-Fans dazu entschlossen, nach Wolfsburg zu fahren, um dort die Hütter-Elf anzufeuern. „Die Fans sind der zwölfte Mann“, sagte der Trainer nach dem Europa-League-Coup gegen Lissabon, bei dem der Anhang mit einer beeindruckenden Choreographie für „Gänsehautstimmung“ gesorgt hatte, wie dies der Frankfurter Fußballlehrer bezeichnete. „Unsere Fans haben ein feines Gespür dafür, in welchen Phasen des Spiels wir ihren Support besonders benötigen. Diese Einheit zwischen Mannschaft und Fans ist großartig.“ Auch innerhalb des Teams herrscht Einigkeit – trotz des großen Konkurrenzkampfs um die wenigen Startplätze.

          Hütter hat augenscheinlich das rechte Gespür dafür entwickelt, wie er seine unterschiedlichen Spieler anpacken, führen und motivieren muss. „In solch einer großen Gruppe sind nicht immer alle zufrieden.“ Hütter ist überzeugt: „Das funktioniert nur mit einer Kultur aus Respekt und Disziplin. Das Endprodukt haben wir im Spiel gegen Benfica Lissabon wieder anhand von Simon Falette gesehen, der zuvor lange nicht gespielt hat, aber auf den Punkt bereit war. Genau das zeichnet eine Mannschaft aus. Deswegen stehen wir dort, wo wir stehen.“ Auf Platz vier – nach bislang 29 absolvierten Runden. Wenn am 18. Mai Schluss ist und abgerechnet wird, soll sich bis dahin nichts geändert haben. Die Eintracht träumt nicht nur vom Finale der Europa League in Baku. Sie träumt auch von der Qualifikation für die Champions League. Dafür muss sie zunächst das Schlüsselspiel in Wolfsburg bestehen.

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