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Eintracht Frankfurt : Wem die Stunde schlägt

Einen Punkt im leeren Stadion geholt: Torschütze Andre Silva (M) jubelt mit Amin Younes (l) über das 1:1. Bild: dpa

Keine Zuschauer in der Frankfurter Arena: Das Spiel gegen Bremen gibt einen Vorgeschmack auf den Fußball in pandemischen Zeiten. Immerhin kommen Younes und Barkok zum richtigen Zeitpunkt.

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          Eine Stunde Bankdrücken war genug. Eintracht-Trainer Adi Hütter nahm die dringend erforderlichen Korrekturen an seiner Mannschaft vor – und er hat mit der Hereinnahme von Amin Younes und Aymen Barkok alles richtig gemacht. Die beiden Flügelflitzer – Younes links, Barkok rechts – sorgten nach ihrer Einwechslung nach exakt 60 Minuten sofort für den dringend benötigten Frankfurter Schub. Erst durch das stimulierende Mitwirken der beiden frischen Frankfurter Profis bekam das Spiel der Eintracht die Elemente, die im erschreckend schwachen ersten Abschnitt gänzlich fehlten und das spätere 1:1 gegen Bremen noch möglich machten.

          Spiele gegen Werder sind besonders für Barkok eine lohnende Sache. Vor ziemlich genau vier Jahren, am 20. November 2016, gab der damals 18 Jahre alte Deutschmarokkaner sein Bundesligadebüt im Bremer Weserstadion. Trainer Niko Kovac vertraute dem jungen Frankfurter, der kurz nach seiner Einwechslung mit einem wunderschönen Tor den 2:1-Siegtreffer erzielte.

          Vier Jahre später, beim abermaligen Aufeinandertreffen mit Werder, war Barkok zwar kein Tor vergönnt. Doch dank seines beherzten Einsatzes war es der Eintracht überhaupt möglich, durch André Silva noch zum 1:1 zu kommen (65. Spielminute). Statt sich zumindest über dieses Remis zu freuen, ärgerte sich Barkok: „Ich bin schon etwas sauer, weil wir zwei Punkte mehr auf dem Konto hätten haben können“, sagte er in den Katakomben der verwaisten Frankfurter Arena und berichtete stolz: „Vor dem Ausgleich bin ich energisch am Mann geblieben und habe auf einen Fehler spekuliert. Danach habe ich auf Daichi gespielt, der das perfekte Auge für André Silva gehabt hat.“

          Bundesliga

          Barkok, ein begabter, aber zu Wankelmut neigender Fußballprofi, braucht Führung und Fürsprache. Von seinem Trainer Hütter bekommt er beides. Den Sprung in die Stammelf hat der in Frankfurt geborene Barkok noch nicht geschafft. Und vielleicht ist es ja auch so, dass seine Rolle als Einwechselspieler für die Mannschaft von höherem Wert ist. „Aymen hat für frischen Wind gesorgt“, sagte Hütter und schloss in seine Zufriedenheit ausdrücklich auch Younes mit ein. Barkok, der sich als Mittelfeldspieler eigentlich zentral am wohlsten fühlt, wurde von Hütter auf die rechte Seite beordert, „weil er noch mal ein anderes Element auf dieser Position einbringt als die anderen Außenbahnspieler. Es freut mich, dass er gezeigt hat, was für ein toller Spieler er ist.“ Das ist Younes auch. Jener kleine wuselige Dribbler, der mit seiner sehr guten Ballbehandlung Werder deutlich mehr unter Druck setzte und in Verlegenheit brachte als bis zu seiner Auswechslung Steven Zuber. Younes ist effektiv in seiner aktuellen Rolle als Joker. Gleichwohl gilt er auch als Kandidat für einen Platz in der Startelf. „Schade, dass ich, seit ich hier bin, noch kein Spiel gewonnen habe“, sagte der aus Neapel nach Frankfurt gekommene 27-Jährige. „Aber ich denke, wir müssen einfach weiterarbeiten, dann kommt das schon.“

          Es war gut für die Eintracht, dass sie dank Hütters Einwechslungen noch die Kurve bekommen hat. Und es war schlecht, was sie im ersten Spielabschnitt zu bieten hatte. „Wir haben zu ideenlos, kompliziert und behäbig gespielt und haben die zweiten Bälle nicht behauptet, außerdem zu langsam von der einen auf die andere Seite gespielt“, kritisierte Hütter den laschen Auftritt seiner Mannschaft. „Die zweite Halbzeit war schon eher Eintracht-like. Der Ertrag fällt am Ende aber zu gering aus.“

          Keine Zuschauer in der Frankfurter Arena: Das Remis gegen Bremen hat einen Vorgeschmack auf das gegeben, was auch im November Bestand haben wird. In pandemischen Zeiten sind Zuschauer im Profifußball unerwünscht. „Das tut schon weh“, sagte Mittelfeldspieler Sebastian Rode. „Gerade wenn man sieht, welchen Unterschied selbst 8000 wie im Heimspiel zuvor ausmachen können.“

          Die Eintracht hat ein schlüssiges Hygienekonzept vorgelegt und in den zurückliegenden Heimspielen gegen Bielefeld und Hoffenheim alle Anforderungen erfüllt. Das nun gegen Bremen vorgelegte Einwechselkonzept hat gleichfalls gefruchtet. Younes und Barkok beflügelten die Mannschaft. Hütter hat erkannt, wem die Stunde schlägt – und spät, aber nicht zu spät die beiden richtigen Kreativspieler ins Spiel gebracht, die die Eintracht so dringend benötigte.

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