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Japaner Makoto Hasebe : Herz und Hirn der Eintracht

Famose Verteidiger: Ndicka trifft, Hasebe dirigiert. Bild: AFP

Fußballprofi Makoto Hasebe spielt stark wie nie. Der Frankfurter Erfolg ist eng mit seinem Spiel verknüpft. Doch für seine Zukunft sind noch einige wichtige Fragen ungeklärt.

          3 Min.

          Der Mann ist eine Wucht. Ein Vorbild durch und durch. Gespräche mit Makoto Hasebe sind wohltuend, erfrischend, belebend. So wie es auch Spaß macht, dem Treiben des Japaners auf dem Fußballplatz zuzuschauen. Das immer wieder aufkommende Gerede vom Alter eines Profis – bei Hasebe kann man sich dies sparen. Der in Kürze 38 Jahre alt werdende Eintracht-Profi bringt Woche für Woche, Spiel für Spiel, seine Leistung. Nur das sollte zählen.

          Bundesliga
          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Augenscheinlich hat Oliver Glasner dies verstanden, denn der Trainer der Frankfurter Eintracht macht genau das, was geboten ist: Er setzt auf Hasebe als Stammspieler. Auch in den vergangenen drei Pflichtspielen binnen einer Woche hat Glasner auf Hasebes Dienste gesetzt – und ist nicht enttäuscht worden. Im Gegenteil: Jedes Mal gehörte der Libero mit dem peripheren Blick für den freien Mann und dem Potential für schnelles, direktes Aufbauspiel zu den Besten. „Ich will unbedingt das Vertrauen des Trainers zurückgeben“, sagte Hasebe am Mittwoch in der ihm bescheidenen Art.

          Hasebe nahm sich ausführlich Zeit, um nach der ersten Trainingseinheit der Woche – Glasner hatte seine Mannschaft nach dem ersten saisonalen Bundesliga-Heimsieg gegen Union Berlin mit zwei freien Tagen am Stück belohnt – das Gespräch mit den Reportern zu suchen. Einer stellte die Frage nach der Kraft, Hasebe antwortete schlagfertig: „Ich habe drei Spiele in acht Tagen absolviert. Ich habe es also geschafft.“ Probleme? Nein, gibt es nicht. „Ich fühle mich sehr gut“, sagte Hasebe und lächelte.

          Lehrgang beim DFB

          Viele sehen in dem langjährigen Kapitän der japanischen Nationalmannschaft schon den Frankfurter Spielertrainer. Eine Wertschätzung, die Hasebe schmeichelt und durchaus gefällt. Doch er selbst sieht sich noch nicht als spielenden Fußballlehrer, obgleich er derzeit einen entsprechenden Lehrgang beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) besucht. „Ich bin mehr Spieler als Trainer“, sagte er und nannte das bisher beim DFB absolvierte Pensum als „sehr interessant. Ich habe viel gelernt.“

          Seine Mitspieler können viel von Hasebe lernen. Ruhe, Umsicht, Spielintelligenz, Aufbau, strategischer Weitblick: Es ist ein Füllhorn feinster Fähigkeiten und Fertigkeiten, mit denen Hasebe überzeugt und der Eintracht eine große, unverzichtbare Hilfe ist. Hasebe ist stolz, dass er seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz Woche für Woche auf dem Platz zeigen darf. „Ich will bescheiden bleiben. Aber vielleicht kann ich ja noch länger spielen.“

          Wissen war nie wertvoller

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          Bislang nämlich sieht es so aus, dass Hasebe nach dem Ende dieser Bundesligasaison seine Fußballschuhe an den Nagel hängt und sich um die ihm zugedachte Rolle als Markenbotschafter, vielleicht auch als Trainer, widmet. Aktuell jedoch wäre es fahrlässig, einen Hasebe in der Form, in der er sich aktuell präsentiert, aufs Altenteil zu schicken. Gespräche über seine Zukunft als Spieler im Dress der Eintracht hat es noch nicht gegeben. Hasebe selbst sieht die Zeit dafür noch nicht gekommen – aber im Frühjahr. „März oder April, ich bin gespannt“, sagte er, auf eine Unterredung mit den Verantwortlichen um Sportvorstand Markus Krösche hoffend.

          Hasebe ist Herz und Hirn der Dreierkette, die in den vergangenen Wochen deutlich an Wucht und Stabilität hinzugewonnen hat. Nicht nur Hasebe überzeugt durch starke Leistungen, auch seine beiden jungen rechten und linken Nebenleute Tuta und Evan Ndicka spielen stark wie nie. Eine Garantie, dass das auch zukünftig so ist, ist dies aber nicht. Schon am Samstag, im Sinsheimer Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga sowie bei Sky), könnte Hasebe aus der Startelf fallen.

          „Hinti kann wieder spielen“, sagte Hasebe über den einsatzbereiten Martin Hinteregger. „Er ist unser bester Verteidiger. Und auch Ilse wartet auf seine Chance.“ Stefan Ilsanker, Hintereggers österreichischer Landsmann. Angetan ist Hasebe auch von der Entwicklung des zweiten Japaners der Eintracht. „Daichi zeigt seit zwei Jahren sein Potential. Mit 25 Jahren hat er noch alle Möglichkeiten.“ Hasebes Rat an Kamada: „Er muss torgefährlicher werden und Tore schießen.“ An diesem Samstag beim ambitionierten und seit Wochen stark aufspielenden Tabellenfünften?

          Höchstens 15.000 Zuschauer dürfen nach der Entscheidung der Bund-Länder-Konferenz von Donnerstag dabei sein. Oder wird es doch ein Geisterspiel ohne Zuschauer sein? Baden-Württemberg hatte eine entsprechende Regelung wie Bayern angekündigt – Hasebe würde es bedauern. „Keine Stimmung, keine Atmosphäre – das ist eine Katastrophe. Wir brauchen die Fußballfans.“ Und die Eintracht braucht einen Könner wie Hasebe.

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