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Eintracht Frankfurt : Rotation für mehr Power

  • -Aktualisiert am

Zeit der Schonung: Auf Stürmer Andre Silva wird Trainer Adi Hütter bei Eintracht Frankfurt indes derzeit nur kurzzeitig verzichten wollen. Bild: dpa

Trainer Adi Hütter setzt auch in Leverkusen auf frische Frankfurter Profis. Ein Spieler wie Dominik Kohr drängt sich auf. In seiner Zeit als Eintracht-Ergänzungsspieler hat sein Selbstwertgefühl kaum gelitten.

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          Reue schützt vor Strafe nicht. Filip Kostic ist vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes für sein grobes Foul gegen Ömer Toprak im Pokal-Viertelfinalspiel gegen Werder Bremen mit einer Sperre von vier Spielen belegt worden. Der 27 Jahre alte Serbe entschuldigte sich sofort beim Bremer Trainer Florian Kohfeldt für seinen Tritt in die Wade des Werder-Verteidigers und später auch bei Toprak, der vom Spielfeld weg in ein Krankenhaus gebracht worden war. Doch der Einzelrichter beließ es nicht beim Mindeststrafmaß von zwei Spielen Sperre für den Tatbestand des „Rohen Spiels“, sondern setzte die doppelte Frist – wegen der Schwere des Tritts von hinten. Zur Erleichterung aller, einschließlich Kostics, bewahrheitete sich die erste Diagnose nicht: Der türkische Nationalspieler erlitt keinen Wadenbeinbruch, sondern zog sich lediglich eine Riss-Quetschwunde an der Wade zu.

          Bundesliga
          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Für den Verlauf der Bundesligasaison spielt die Strafe keine Rolle, sie gilt nur für den Wettbewerb, in dem das Delikt begangen worden ist. Und so wird Kostic zwar das Halbfinale und (womöglich) Endspiel im DFB-Pokal verpassen, er könnte jedoch an diesem Samstag in der Auseinandersetzung mit Bayer Leverkusen (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und Sky)  wie gewohnt in der Startelf stehen. Ob das so geschehen wird, ließ der Frankfurter Trainer Adi Hütter am Freitag noch offen. Er betonte jedoch wieder einmal, dass er in dieser Rückrunde verstärkt rotieren werde, um einen Einbruch wie zum Ende der Hinrunde zu vermeiden. „Wir tanzen noch auf allen drei Hochzeiten, wir wollen nicht schon Anfang März dort sein, dass uns hinten heraus vielleicht die Power fehlt“, sagte der 50 Jahre alte Österreicher und zählte die Spieler auf, die zuletzt weniger Einsatzminuten sammelten als das Stammpersonal, aber jetzt verstärkt auf Bewährungsproben hoffen dürfen: Goncalo Paciencia, Makoto Hasebe, Erik Durm, Dominik Kohr und – ja, tatsächlich – Bas Dost.

          Hütter rechnet mit der Rückkehr des 30 Jahre alten niederländischen Stürmers im Laufe der Länderspielpause. Dosts Zeit in Frankfurt ist von körperlichen Beschwerden überschattet. Erst kam er mit konditionellem Rückstand aus Lissabon an, dann behinderten ihn Schmerzen an der Hüfte und Leiste, später erwischte ihn eine Magen-Darm-Infektion, jetzt sind es die Adduktoren, die zwicken.

          Dynamik, Laufstärke, Robustheit

          Da kann sich Kohr schon viel besser auf seinen Körper verlassen. Der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler kam bisher verletzungsfrei durch die Saison. Er gehört seit September zwar nur sporadisch der Frankfurter Startformation an. Aber wenn Kohr aufs Feld geschickt wurde, dann brachte er seine Stärken zuverlässig ein: Dynamik, Laufstärke, Robustheit, Zerstörungslust. Weniger ausgeprägt waren Tugenden wie Übersicht und Esprit. Was aber nicht an mangelnden Fähigkeiten liegen muss, sondern mangelnder Spielpraxis geschuldet sein könnte. Trainer Hütter sieht jedenfalls in Kohr „mehr als einen reinen Zerstörer“. Und wie zum Beweis spielte der Sohn des früheren Bundesligatorjägers Harald Kohr gegen Hoffenheim einen Steilpass zum Zungenschnalzen, den Timothy Chandler mit einem wunderschönen Torschuss noch veredelte.

          In seiner Zeit als Eintracht-Ergänzungsspieler hat Kohrs Selbstwertgefühl kaum gelitten. In seiner Selbsteinschätzung hat er „Ich habe auch ein bisschen was von einem Spielmacher in mir“. Gerade in seiner Zeit bei Bayer Leverkusen habe er sich spielerisch weiterentwickelt. Natürlich freut sich Kohr auf ein Wiedersehen mit den alten Kollegen und hofft darauf, ihnen in der Startelf beweisen zu können, wie wohl er sich in Frankfurt fühlt. Falls es nichts damit wird, änderte das nichts an seiner Einstellung: „Ich kann nichts anderes tun als weiterarbeiten und mich im Training anbieten.“ Einen entmutigten Eindruck machte der teuerste Neueinkauf der Eintracht (neun Millionen Euro Ablöse) in dieser Woche ganz und gar nicht.

          Kohrs Stärken hat die Eintracht dringend nötig, um die Leverkusener Wunderoffensive zu bändigen. Die Werkself hat einen Lauf, setzte sich wie die Eintracht in der Europa League und im DFB-Pokal durch und erspielte sich die drittbeste Rückrundenbilanz aller Bundesligaklubs. Zudem zählt die Eintracht zu den Lieblingsgästen der Leverkusener. Die Rheinländer gewannen die letzten vier Heimspiele und produzierten eine Tordifferenz von 16:2. Das 1:6 im vergangenen Mai, das schon nach 36 Spielminuten feststand, bezeichnet Adi Hütter als „schlimmste Niederlage meiner Karriere als Trainer und Spieler“. So etwas will er nie mehr erleben. Welche Lehren er aus der Klatsche zog? „Dass man nicht automatisch gut verteidigt, wenn man viele Defensivspieler aufbietet.“

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