https://www.faz.net/-gtm-ac02s

Zwist bei Eintracht Frankfurt : Angemessene Versöhnung

  • -Aktualisiert am

Künftig verantwortlich in Berlin: Fredi Bobic verlässt die Eintracht Bild: dpa

Vor dem Abschied von Bobic und Hütter knistert es bei der Eintracht noch einmal richtig. Nun beschwichtigt der Vorstand – und alle Beteiligten können weiter wachsen. Nur das Menscheln müssen manche noch lernen.

          2 Min.

          Die Zeit heilt alle Wunden. Im Fußballgeschäft, das für seine Schnelllebigkeit berüchtigt ist, vernarben Wunden manchmal schneller, als sie entstehen. Im Fall der Frankfurter Eintracht lag nur eine Woche zwischen tiefer Verzweiflung und unbeschwerter Freude. Timothy Chandlers ausgelassene Foto-Safari nach dem Schlusspfiff kam einigen Fans unangemessen vor, weil für sie ein unbedeutendes 3:1 gegen Freiburg im Saisonfinale das niederschmetternde 3:4 auf Schalke nicht relativiert. Aber offensichtlich beschäftigt es die Fans länger, dass sich die Champions League als Wolkenkuckucksheim herausstellte und nicht als realisiertes Traumziel.

          Dank an Touré und Ache. Ohne ihre beiden Tore in der Schlussphase wäre ihre Mannschaft aus dem Stadion geschlichen, und ihre hängenden Köpfe hätten wie Küsse auf das Vereinswappen den Mythos echter Vereinsverbundenheit bedient. Es wäre nicht so deutlich geworden, dass es nur eine romantische Vorstellung ist, dass Berufsspieler mit ihrem Verein so viel Herzblut verbindet wie die Anhängerschar. Es mag ein paar ganz wenige Ausnahmen geben, für die solche Gesten eine tiefe Bedeutung besitzen. Aber im Grunde geht die Beziehung zwischen einem Fußballprofi und seinem Verein nicht weiter als zwischen einem Piloten und einer Fluggesellschaft.

          Bobic und Hütter verstanden das nicht

          Dass dies im Profifußball mittlerweile auch für Sportvorstände und Trainer gilt, haben wir in dieser Saison gelernt. So wird Fredi Bobics harsche und Adi Hütters leicht beleidigte Reaktion verständlich, nachdem sie von Vorstandssprecher Axel Hellmann dafür gerügt wurden, das Schalker Desaster schön geredet zu haben. Wie sie nicht verstanden, dass nach dem Erwachen aus dem Traum keiner hören wollte, dass doch alles gut ist, so verstanden sie nicht, dass es geradezu Hellmanns Pflicht war, die Gefühle aller gebrochenen Eintracht-Herzen gegenüber den mitleidlosen Aussagen seiner leitenden Angestellten zu verteidigen. Bobics Vorwurf, er lasse sich die Erfolge nicht kaputtreden, bewies nur abermals seinen Mangel an Einfühlungsvermögen.

          Da ist die Eintracht-Führung weiter. Hellmann verabschiedete Bobic und Hütter am Pfingstsonntag mit einer Lobeshymne: „Sie haben den Klub besser gemacht, wir sind ihnen zu großem Dank verpflichtet. Wer so erfolgreich arbeitet, geht bei der Eintracht durch das große Tor und nicht durch die Hintertür.“ Das mögen manche Fans anders sehen, ist aber nur eine angemessene Beurteilung. Dass die für alle Seiten fruchtbare Zusammenarbeit mit einer Versöhnung endet, ist nur angemessen und richtig, jede Einschränkung würde den gemeinsamen Aufstieg nur beflecken.

          Wie die Eintracht wuchs, so sind auch Bobic und Hütter gewachsen. Und wenn sie zu ihrem großen fachlichen Knowhow noch beim Menscheln hinzulernen, dann wird das ihre Karrieren nur weiter befördern. Wenn Bobic mit Berlin und Hütter mit Gladbach demnächst europäisch spielten, käme das angesichts ihrer Fähigkeiten nicht überraschend. Bis dahin können sie zuschauen, wie sich ihre Eintracht in Europa schlägt.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Weitere Themen

          Mit Tee ans Ziel der Träume

          Eintracht Frankfurt : Mit Tee ans Ziel der Träume

          Makoto Hasebe und Djibril Sow wollen mit dem Fußball-Bundesligaklub Eintracht Frankfurt in die Champions League. Der Schweizer hat sich dafür einiges vom Japaner abgeschaut.

          Topmeldungen

          Hochwasser im Ahrtal : Déjà-vu der Katastrophe

          War die Flutkatastrophe im Ahrtal ein bislang einmaliges Ereignis und schon der Vorbote des Klimawandels? Zwei Bonner Geoforscher sind skeptisch – und liefern neue Erkenntnisse.

          Erhöhung des Rundfunkbeitrags : Haseloff sieht ein „Demokratieproblem“

          Der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, den Rundfunkbeitrag zu erhöhen, erfährt in der Politik viel Zustimmung. Der bei der Klage unterlegene Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) akzeptiert das Urteil, hat aber einen gewichtigen Einwand.
          Die Abgeordnete Doktor Angela Merkel am 22. November 2005 in Berlin nach ihrer ersten Wahl zur Kanzlerin

          Feminismus im Kanzleramt : Angela Merkel und die Frauen

          Angela Merkel hat sich nie zur Feministin erklärt. Was sagt das über sie? Und was hat sich in den sechzehn Jahren ihrer Amtszeit für Frauen in Deutschland verändert?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.