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Traum von Champions League : Eintracht Frankfurt versagt

Der einzige, der herausragte: André Silva Bild: dpa

Das 3:4 gegen den Absteiger FC Schalke war eine peinliche Vorstellung der Frankfurter im Bundesliga-Endspurt. Ein Profi spricht nun Klartext – auch über Trainer Adi Hütter.

          2 Min.

          Das Traumziel war zum Greifen nah. Als die Eintracht am 27. Spieltag auswärts Borussia Dortmund in einem furiosen Fußballspiel 2:1 besiegte, betrug der Vorsprung vor dem späteren Pokalsieger sieben Punkte. Frankfurt demnächst in der Champions League – der Weg schien vorgezeichnet. Daraus wird wohl nichts.

          Bundesliga
          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Und jetzt auch noch das Debakel beim Absteiger. 3:4 hieß es am Ende für die Mannschaft von Trainer Adi Hütter. Es war eine peinliche Vorstellung. Für den couragierten FC Schalke 04 war es eine Runde vor Ultimo erst der dritte Sieg in dieser an Pleiten und Pannen so reichen Bundesligasaison. Sebastian Rode war der Erste, der nach dem Tiefschlag „auf“ Schalke Klartext redete und seinem Frust freien Lauf ließ. „Die gesamte Mannschaft samt Trainer hat heute versagt“, sagte der Frankfurter Mittelfeldspieler. „Da gibt es auch keine Entschuldigung dafür. Wir hatten die einmalige Chance, in die Champions League zu kommen. Jetzt ist es so gut wie vorbei.“

          Die Chronologie des Spiels spricht Bände. 1:0, 1:1, 1:2, 2:2, 3:2, 4:2, 4:3. Die Eintracht hatte nach der einmaligen Führung zu Beginn der zweiten Halbzeit durch Evan Ndicka, dem der Schalker Salif Sané noch hilfreich zur Seite sprang, alle Trümpfe in der Hand, um das Minimalziel Auswärtssieg perfekt zu machen. Doch eklatante Abwehrschwächen in der entblößten Frankfurter Defensive ließen die Schalker in nur zwölf Minuten nach Belieben kreiseln und durch die Tore von Blendi Idrizi, Florian Flick und Matthew Hoppe entscheidend davonziehen.

          „Waren offen wie ein Scheunentor“

          „Wir waren offen wie ein Scheunentor“, bemühte der angeschlagene und hilflos wirkende Eintracht-Trainer Hütter eine altbekannte Fußballfloskel. Überhaupt: Auf der Suche nach Gründen für den Absturz der Eintracht ließ es der scheidende Frankfurter Coach an Format und Klarheit missen. „Teilweise haben wir überragenden Fußball gespielt, und am Ende werden wir Eintracht Frankfurt auf Platz fünf übergeben“, sagte der 51 Jahre alte Österreicher, der vom Sommer an im Mönchengladbacher Borussia-Park sein Glück sucht. „Wir dürfen enttäuscht sein, aber ich bin schon sehr stolz, was die Mannschaft das ganze Jahr gespielt hat“, versuchte Hütter von den aktuellen Problemen seiner am Boden liegenden Mannschaft abzulenken.

          Seitdem feststeht, dass Hütter das Vereinssakko wechseln wird, geht es mit der Eintracht bergab. Das 3:4 auf Schalke ist schon die dritte Niederlage im fünften Spiel nach der Bekanntgabe. Der einst stolze Vorsprung von sieben Punkten – längst perdu. Rode stellte klar, dass sehr wohl ein Zusammenhang besteht, „und jetzt haben wir es ja auch schwarz auf weiß“.

          Klare Worte: Sebastian Rode (links)
          Klare Worte: Sebastian Rode (links) : Bild: Picture-Alliance

          Hütter schlug nach dem Debakel von Schalke eine andere Strategie ein und sagte stattdessen: „Nach dem 12. Januar, als wir im Pokal gegen Bayer Leverkusen ausgeschieden sind, bin ich am nächsten Tag zur Mannschaft gegangen und habe gesagt, dass wir jetzt die Champions-League-Plätze angreifen. Da hätte niemand uns auch nur einen Funken Zuversicht gegeben, dass wir das erreichen können. Wir haben uns dann nach oben gearbeitet mit unglaublich tollen Spielen. Vielleicht war es auch gut, das Ziel so hoch anzusetzen. Fast schon unrealistisch, denn wir waren damals Neunter.“

          Doch Hütter sprach seiner Mannschaft auch ein Stück weit Qualität ab, denn „dass wir jetzt ein wenig ins Straucheln gekommen sind, hat auf der einen Seite mit der Konkurrenz zu tun, auf der anderen Seite haben wir natürlich schon ein sehr hohes Level gespielt.“

          Beim Spiel gegen Schalke war von einem hohen Level nichts mehr zu sehen. Der einzige, der aus einer schwachen und an sich selbst gescheiterten Mannschaft herausragte, war Stürmer André Silva. Er erzielte seine Saisontore Nummer 26 und 27 und überholte damit den bisherigen Frankfurter Bundesliga-Rekordtorschützen Bernd Hölzenbein, der in der Saison 1976/77 mit 26 Toren brilliert hatte.

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