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Eintracht-Pleite in München : „Das hat keinen Spaß gemacht“

Allein unter Münchnern: Eintracht-Torwart Kevin Trapp kam sich in manchen Momenten von seiner Abwehr ziemlich verlassen vor. Bild: Christian Kolbert/kolbert-press/

Das 0:5 bei den Bayern in der Fußball-Bundesliga tut der Eintracht zwar schmerzlich weh. Dennoch hängen die Köpfe nicht bei allen Beteiligten: Ein Frankfurter sieht auch positive Ansätze.

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          Die Eintracht hätte es durchaus besser machen können. Sagte nicht nur der unmittelbar beteiligte Stürmer Bas Dost, sondern auch der auf der Bank mitfiebernde Sportdirektor Bruno Hübner. „Jeder weiß, dass es hier schwer ist. Wie die Bayern aktuell drauf sind, das ist einfach Weltklasse“, sagte Dost, der nach dem 0:5 beim Meister in München fand, „dass wir es in der ersten Halbzeit gut gemacht, unsere Kontermöglichkeiten aber nicht gut ausgespielt haben“. Eine Einschätzung, die auch der einstige Stürmer Hübner teilte. „Im letzten Drittel vor dem Tor hätten wir in den ersten 20 Minuten cleverer spielen müssen.“ Gleichwohl aber musste auch der Sportdirektor die große Überlegenheit der famosen Bayern, angeführt vor allem vom dreifachen Torschützen Robert Lewandowski (10., 26. und 60. Spielminute), anerkennen. „Das war eine deutliche Niederlage. Das 0:5 tut schmerzlich weh.“

          Bundesliga

          Für die Eintracht war es im fünften Saisonspiel die erste Niederlage. Eine allseits erwartete, schließlich sehnt sich der Klub in der Fußball-Bundesliga seit zwei Jahrzehnten danach, die Spielstätte der Bayern mal wieder als Sieger zu verlassen. Der Ehrgeiz, es endlich besser zu machen, war da. Allein: Die Klasse des Champions-League-Siegers war einfach zu groß. „Für uns hat das heute keinen Spaß gemacht“, sagte stellvertretend für seine Mannschaftskollegen Angreifer Dost. „Die Bayern haben das einfach souverän zu Ende gespielt.“ Auch Leroy Sané (72.) sowie Jamal Musiala (90.) trafen noch für den in allen Belangen überlegenen Rekordmeister. Auch Eintracht-Trainer Adi Hütter war von der spielerischen Klasse des Gegners angetan, den er schon vor dem Anpfiff „als beste Mannschaft der Welt“ in der klaren Favoritenrolle sah. „Wenn wir allein das fünfte Tor der Bayern betrachten, als sie auf engstem Raum den Ball durchsteckten, hat das mit Qualität zu tun“, sagte der österreichische Fußballlehrer in seiner Analyse. „Das hat mich bei uns heute gestört. Wir müssen uns vorwerfen, dass wir in solchen Momenten nicht gut genug waren.“

          Sebastian Rode, der einst selbst zwei Jahre lang von 2014 bis 2016 für die Bayern am Ball gewesen ist, brachte den Auftritt der Eintracht an alter Wirkungsstätte auf den Punkt. „Wir haben einen auf den Sack bekommen. Aber: Lieber einmal hoch verlieren, als fünfmal 0:1“, sagte der 30 Jahre alte Mittelfeldspieler, der sich wieder einmal aufrieb und nach Kräften bemühte, als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive wertvolle Dienste zu leisten. Auch Rode lobte die „enorme Qualität“ der Bayern, der die Eintracht kaum etwas entgegenzusetzen hatte. „Du brauchst hier einen Sahnetag, um zu bestehen – den hatten wir nicht.“

          Stets war Hütter während der Partie bemüht, seiner Mannschaft neue Impulse zu vermitteln. So nutzte der Trainer das vollständige Wechselkontingent aus und brachte nach und nach fünf frische Profis in das Spiel. Gerade nach dem Seitenwechsel, als es noch 0:2 stand, erhoffte sich Hütter durch die Hereinnahme von Dribbler Amin Younes und Dauerläufer Timothy Chandler neuen Schwung. „Ich habe versucht, in der zweiten Halbzeit noch einmal neue Kräfte zu bringen“, erklärte Hütter. Doch die Impulse gegen die wie entfesselt aufspielenden Bayern blieben aus. „Es war ein verdienter Sieg, da brauchen wir nicht drüber diskutieren“, sagte Hütter. „Was mich ein bisschen gestört hat, war, dass wir in der ersten Halbzeit ein sehr ordentliches Spiel gemacht haben und dann trotzdem 0:2 hinten waren.“ Am Ende war er aber froh, dass es beim 0:5 geblieben ist. „Wir hätten am Schluss auch höher verlieren können“, räumte der Frankfurter Fußballlehrer ein.

          Dass es nicht einmal reichte, wenigstens ein Tor gegen die Bayern zu erzielen, lag auch an der matten Frankfurter Offensivabteilung. Daichi Kamada war weit von alter Höchstform entfernt, und auch Dost und sein stürmischer Partner André Silva vermochten sich im Verbund nicht gegen das stabile Bayern-Bollwerk durchzusetzen. Dass es Dost und Silva mit Unterstützung von Kamada können, haben sie schon bewiesen. Da kamen die Gegner aber nicht aus München, sondern aus Hoffenheim und Berlin. Der nächste kommt aus Bremen, auf den Eintracht-Torhüter Kevin Trapp und Angreifer Dost sofort den Fokus legten. Dost sagte in den Katakomben der verwaisten Münchner Arena, in der wegen der hohen Corona-Fallzahlen keine Zuschauer zugelassen waren: „Wir müssen das Spiel schnell abhaken, an unsere guten Leistungen anknüpfen und gegen Bremen punkten.“ Unterstützung von den Rängen wird es für die Frankfurter Fußballprofis dann wieder nicht geben. Die Begegnung gegen Werder am letzten Oktobertag ist ein weiteres „Geisterspiel“.

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