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0:2-Pleite in Berlin : Frankfurt steckt tief im Schlamassel

Was nun, Eintracht? Frankfurt liegt am Boden. Bild: AFP

Die Lage für Frankfurt wird immer bedrohlicher. Nach dem 0:2 in Berlin rutscht die Eintracht in der Tabelle ab. Ein Sonntagsschuss am Mittwoch leitet die Niederlage ein.

          3 Min.

          Die Lage spitzt sich zu. Was lange nach der siebten Nullnummer der Saison aussah, entwickelte sich in letzter Konsequenz zu einer bitteren Niederlage. Es war eine Art Sonntagsschuss am kalten Mittwochabend, mit dem Mitchell Weiser nicht nur zum 1:0 für die Hertha, sondern auch in das Herz der Eintracht traf. Die Situation der Frankfurter wird nun, zehn Spieltage vor Ultimo, immer bedrohlicher, zumal Salomon Kalou für die Berliner noch auf 2:0 erhöhte (78.) und letztlich für klare Verhältnisse in der Hauptstadt sorgte.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Die Abstände zu den Abstiegsplätzen sind damit geschrumpft. Werder Bremen, der Gegner am letzten Spieltag, ist dank des überraschenden 4:1-Auswärtssieges bei Bayer Leverkusen schon an der Eintracht vorbeigezogen. Jetzt ist es die Mannschaft von Trainer Armin Veh, die mit 23 Punkten auf Platz 16 steht. Auf dem Relegationsrang also, der in der Endabrechnung zu zwei Spielen gegen den Dritten der Zweiten Fußball-Bundesliga führen würde. Und der Eintracht im Nacken sitzt auch schon die gegen Augsburg siegreiche TSG Hoffenheim mit 21 Punkten.

          Von den Eintracht-Spielern war unmittelbar nach dem Tiefschlag von Berlin niemand bereit, sich zu äußern. Dann stellte sich Verteidiger Marco Russ bei der ARD: „Die Angst geht um. Nicht nur bei den Fans, sondern im ganzen Verein und bei uns Spielern auch.“ Und weiter: „Es bringt jetzt nichts, auf die Mannschaft einzuhämmern. Wir müssen jetzt kämpfen und die Punkte erzwingen. Wir müssen jetzt einfach punkten.“

          Den bekommt Eintracht-Torwart Hradecky nicht mehr. Bilderstrecke
          Den bekommt Eintracht-Torwart Hradecky nicht mehr. :

          Auch Sportdirektor Bruno Hübner bezog kurz Stellung. „Es kommt alles zusammen. Dem ersten Tor ging eine Abseitsposition voraus, aber das haben wir auch schlecht verteidigt“, sagte der Manager. „Und die Szene in der fünften Minute war eine klare Rote Karte.“ Hübner verriet kein Geheimnis, als er nach dem 0:2 schlussfolgerte: „Es ist wichtig, dass wir jetzt gegen Ingolstadt gewinnen.“

          Stefan Aigner für Alexander Meier: Als am Dienstag feststand, dass der Kapitän der Eintracht wegen eines schmerzhaften Einrisses im Hoffa’schen Fettkörper bei der unangenehmen Auswärtsprüfung in Berlin fehlen würde, rückte erwartungsgemäß der junge Familienvater in die Startelf. Aigner spulte am kalten Mittwochabend ein gewohnt intensives Laufpensum ab. Torchancen aber boten sich ihm keine. Es waren überhaupt nur zwei Aktionen im ersten Spielabschnitt, als der Ball ruhte und Szabolcs Huszti versuchte, mit Freistößen Hertha-Keeper Rune Jarstein zu überlisten. Zwei Versuche, die kläglich in der Mauer stecken blieben. Überhaupt: Die Zuschauer im spärlich besetzten Olympiastadion mussten viel Geduld und Nachsicht üben.

          Die Darbietungen hüben wie drüben waren von mäßiger Qualität. Vedad Ibisevic hatte erst in der 40. Minute die Gelegenheit, auf das Frankfurter Tor zu schießen, in dem Lukas Hradecky gewohnt souverän agierte. Der Eintracht bot sich früh die Gelegenheit, für eine Überraschung zu sorgen. Doch der alleine auf das Berliner Tor zustürmende Marco Fabian wurde von Vladimir Darida zu Boden gerissen. Die Gelbe Karte als Strafe war schmeichelhaft und hätte die Farbe Rot haben müssen.

          Auch nach dem Seitenwechsel tat sich der Tabellenfünfzehnte schwer, für Schwung und Gefahr in der Offensive zu sorgen. Meiers Fehlen war an allen Ecken und Enden zu spüren. Wer sonst sollte denn für die Frankfurter ein Tor erzielen? Das ist zuletzt zumeist Chefsache gewesen, erzielte der verletzte Kapitän doch zwölf der 27 Saisontore – und sogar fünf der sechs Rückrundentreffer. Erschwerend kam hinzu, dass bei der Eintracht von der linken Seite kaum Impulse ausgingen. Nahezu jeder Angriff lief über rechts.

          Vehs Hoffnung, dass seine Spieler „ihren Rucksack loswürden“, den sie seit Wochen schon mit sich herumschleppen, erfüllte sich nur zögerlich. Immerhin: In der 50. Minute war es der agile Fabian, der auf links in Szene gesetzt wurde, mit einem Flachschuss Maß nahm – und seinen Meister in Jarstein fand. Auf Gegenseite versuchte es Niklas Stark mit dem Kopf, für die Hertha erfolgreich zu sein. Doch auch er musste die Klasse Hradeckys anerkennen (61.).

          Zwei Minuten später jedoch war der Finne machtlos. Der Linksschuss von Mitchell Weiser war schlichtweg unhaltbar. Der Ball, von der Strafraumgrenze aus mit Wucht getreten, schlug ziemlich genau im linken Winkel des Frankfurter Tores ein. Die Antwort der Eintracht? Veh nahm Huszti aus der Partie, brachte Sonny Kittel – und musste von der Seitenlinie aus mit ansehen, wie der Rückkehrer mit einem Kopfball unmittelbar nach seiner Einwechslung Pech hatte (72.). Besser machte es die Hertha, als Kalou zwölf Minuten vor dem Ende für klare Verhältnisse sorgte – und sich die Eintracht endgültig tief im Schlamassel wiederfand.

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