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Aufregung bei der Eintracht : Frankfurt und das unkalkulierbare Risiko mit Rebic

  • -Aktualisiert am

Auf Solotour? Wie lange Ante Rebic noch in Frankfurt bleibt, ist unklar. Bild: dpa

Ante Rebic und sein lustloser Auftritt in der Europa League sorgen für viel Ärger bei Eintracht Frankfurt. Und die Lage spitzt sich von Tag zu Tag zu – für beide Seiten. Für eine Lösung gibt es zwei Möglichkeiten.

          Aufschub duldete das aktuelle Frankfurter Reizthema Ante Rebic nicht. Am Freitagvormittag unterhielt sich Eintracht-Trainer Adi Hütter mit dem 25 Jahre alten Kroaten, eine gewiss nicht spannungsfreie Zusammenkunft in der WM-Arena, die der Fußballlehrer vorab in die Kategorie „Klartext sprechen“ eingeordnet hatte. Rebic, der nach den Abgängen von Luka Jovic (Real Madrid) und Sebastien Haller (West Ham United) der einzig verbliebene Stürmer-Star in Reihen der Hessen ist, hatte die harsche Reaktion des Sportchefs mit seinem in allen Belangen ungenügenden Auftritt am Donnerstag beim 0:1 in Straßburg provoziert. Zum Inhalt der Unterredung und etwa zu der Frage, ob sich Rebic wenigstens einsichtig gezeigt habe, wollte Hütter keine Angaben machen.

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          Nur auf die Nachfrage, ob der kroatische Nationalspieler in eigener Sache Klarheit über seine beruflichen Vorstellungen geschaffen habe, antwortete der Trainer auf der wöchentlichen Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel gegen Leipzig an diesem Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky): „Ich kenne mich aus. Und der Verein kennt sich auch aus.“ Die Worte von Hütter deuten darauf hin, dass Rebic weiter mit einem Wechsel zu einem namhaften europäischen Klub wie Inter Mailand liebäugeln könnte. Schon im Mai soll er diesen Wunsch intern artikuliert haben. Nur in Erfüllung gegangen ist dieser bis heute nicht. Nagt es an Rebic, dass sich nichts getan hat?

          Unstrittig ist: Ante Rebic in Bestform schafft einen großen Mehrwert für das Spiel der Eintracht. Mit seiner Wucht, Dynamik und Schussfertigkeit kann er an guten Tagen Spiele im Alleingang entscheiden. Das machte ihn beim Eintracht-Anhang so beliebt. Doch im Moment scheint sich der eigenwillige Eintracht-Profi eher auf dem Egotrip zu befinden. Und mit dieser Haltung wird Rebic in Reihen der Frankfurter zum unkalkulierbaren Risikofaktor. Vor jedem Spiel können die sportlich Verantwortlichen schwer abschätzen, welcher Rebic sich ihnen und dem Publikum präsentieren wird.

          Der Rebic, der sich mit vollem Einsatz einbringt und die Reihen des Gegners mit seinem unwiderstehlichen Drang durcheinanderwirbelt? Oder ganz im Gegenteil der Rebic, der nicht bei der Sache zu sein scheint und der mit seiner Körpersprache Signale der Lustlosigkeit aussendet? In Straßburg ließ sich das Hütter 45 Minuten lang bieten, bevor er dem schwachen Stürmer das Vertrauen entzog. Auch für das Mannschaftsgefüge ist Rebic mit seinen wechselnden Launen und seiner negativen Unberechenbarkeit Gift. Weil er im ersten Play-off-Spiel der Europa-League-Qualifikation nicht voll und ganz mitgezogen hatte, zog Rebic den Zorn der Kollegen auf sich. Torhüter Kevin Trapp nannte den Angreifer zwar nicht namentlich, aber jeder wusste, wen er mit seiner Kritik gemeint haben dürfte. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass sich die Geduld der Mitspieler im Umgang mit Rebic dem Ende zuneigt.

          Keiner kann in Rebic reinschauen. Provoziert er im Endspurt der Sommer-Transferperiode – die Wechselfrist endet am 2. September – seinen Abgang? Oder hat es ihm missfallen, dass ihn Hütter gegen Straßburg und Hoffenheim (1:0) jeweils als einzige Sturmspitze aufgeboten hatte? Diese Rolle behagt Rebic nicht. Und mit Rückschlägen im Spiel kann er nur schwer umgehen. Mit einer professionellen Einstellung hätte sich Rebic, der zusammen mit Trapp Spitzenverdiener bei der Eintracht ist, ein Spiel wie in Straßburg nicht erlauben dürfen. Seiner Vorbildfunktion ist der Weltmeisterschaftszweite zum wiederholten Mal nicht gerecht geworden.

          Dessen Vorgesetzter Hütter spürt, dass er sich von Rebic nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen kann. Die deutlichen Worte des österreichischen Fußballlehrers in der Öffentlichkeit waren ein deutlichen Signal an den Angreifer, seine Allüren endlich abzustellen. Im persönlichen Gespräch am Freitag wird Hütter ebenfalls ein Machtwort gesprochen und Rebic einen ordentlichen Rüffel erteilt haben. „Wir brauchen Ante in bester Verfassung. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen“ – das waren die Worte des Trainers auf der Pressekonferenz.

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          Rebic bleiben nun zwei Möglichkeiten: Entweder er stellt sich aus Überzeugung dauerhaft in den Dienst der Mannschaft und besinnt sich in Zukunft bei der Eintracht auf seine Stärken. Oder er sucht woanders eine neue Herausforderung – mit welcher Hoffnung auch immer, denn sein Stellenwert in Frankfurt war bislang sehr hoch. Nur sollen bisher lukrative Angebote für den Stürmer ausgeblieben sein, so die Rede der Eintracht gebetsmühlenartig in den vergangenen Wochen. Jetzt wird es spätestens bis zum Montag in einer Woche eine Entscheidung in der einen oder in der anderen Richtung geben. Einen Rebic in guter Verfassung können die Frankfurter im Rückspiel gegen Straßburg am kommenden Donnerstag eigentlich nicht entbehren. Zu dünn offenbart sich die Spielerdecke im Angriff, zumal der anvisierte Neuzugang von Sporting Lissabon, Bas Dost, auf keinen Fall mitspielen könnte.

          Aber für die Eintracht und Rebic drängt gleichermaßen die Zeit, die Situation auf dem Spielermarkt spitzt sich zu. Es wird von großer Bedeutung für die Planungen der Hessen sein, ob diese die in Frage kommende Ablösesumme für Rebic in Höhe von rund 40 Millionen Euro gegebenenfalls reinvestieren können. Im Augenblick erweckt es den Anschein, als würde die Eintracht auf der Suche nach Verstärkungen für den Angriff unglücklich agieren. Denn noch hat sie keinen hochwertigen Ersatz für ihre beiden Topstürmer Jovic und Haller gefunden – und das, obwohl sie genügend Zeit dafür hatte. Was aber noch immer für die Eintracht-Verantwortlichen spricht: Auf dem beschwerlichen Weg, die richtigen Topverstärkungen an Land zu ziehen, sind von ihnen wegweisende Personalentscheidungen oft erst auf den letzten Metern der Transferperiode getroffen worden. Vielleicht heißt es auch diesmal wieder: Das Beste kommt zum Schluss.

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