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Frankfurter Fan-Gewalt : Das Problem der Eintracht

Es gibt nicht nur diese schönen Bilder, die Frankfurter Fans produzieren. Bild: Picture-Alliance

Spieler, Trainer und Vorstände der Eintracht feiern ihre Fans für die Unterstützung. Andererseits verfestigt sich der Eindruck, dass sie zu einem unkontrollierbaren Machtfaktor im Klub geworden sind.

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          Eintracht Frankfurt hat ein Fan-Problem. Das ist nichts Neues, und gerade deshalb ist die Situation besorgniserregend. Abgefeuerte Leuchtraketen, initiierte Platzstürme, Sachbeschädigung – das sind nur einige der Vergehen aus den vergangenen Jahren. Mehrere Hunderttausend Euro musste der Fußball-Bundesligaverein aufgrund des Verhaltens seiner Anhänger bereits an Strafen zahlen.

          In den vergangenen Monaten schien Ruhe eingekehrt zu sein, doch dieser Eindruck war trügerisch. Er lag vor allem darin begründet, dass aufgrund der Pandemie keine oder nur wenige Zuschauer ins Stadion gelassen worden sind. Denn ein plötzlicher Sinneswandel einiger Fans ist bisher nicht auszumachen.

          Wie die Gewaltbereiten unter ihnen noch immer ticken, wurde in der vergangenen Woche beim Europa-League-Spiel in Antwerpen deutlich. Etwa 300 Fans der Eintracht, teils vermummt, warfen schon vor dem Anpfiff in der Innenstadt mit Stühlen, Steinen Mülltonnen und Böllern um sich, die belgische Polizei rückte mit einem Großaufgebot an. Eine angemessene Reaktion der Vereinsverantwortlichen blieb danach aus.

          Klub und Anhänger – das ist schon seit Jahren eine spezielle Beziehung. Einerseits feiern Spieler, Trainer und Vorstände ihre Fans immer wieder für ihre stimm- und bildgewaltige Unterstützung. Andererseits verfestigt sich der Eindruck, dass Teile der Fans längst ein Eigenleben führen und zu einem unkontrollierbaren Machtfaktor innerhalb des Vereins geworden sind.

          Im Vergleich mit anderen Bundesligaklubs tut sich die Eintracht gerade schwer damit, eine 2-G-Regelung im Stadion einzuführen, weil sie die Härtesten auf den Stehplätzen nicht verärgern wollen. Die mögen generell keine Kon­trolle – weder in Bezug auf den Impfstatus noch auf andere personenbezogene Daten.

          Als es um die Abgrenzung nach rechts außen ging, hat die Eintracht in den vergangenen Jahren Maßstäbe gesetzt. Kaum ein Funktionär in der Fußball-Republik hat sich so deutlich und vehement gegen die AfD ausgesprochen wie Peter Fischer, der Präsident der Eintracht. Dafür wurde er zu Recht gelobt.

          Aber auch Fischer fällt seit Jahren durch eine eher unreflektierte Fannähe und -liebe auf. Sie ist ein Grund für seine Jahrzehnte andauernde Machtperiode. Aber auch ein Faktor für das, was außer Kontrolle geraten ist. Dabei ist es ganz einfach: Gewalt bleibt Gewalt – ganz egal, in wessen Namen sie ausgeübt wird. Die Eintracht wäre gut beraten, dies vor der Rückkehr der Ultras in die Kurve zu erkennen. Und dagegen anzukämpfen. Auch wenn es schmerzt.

          Michael Wittershagen
          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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