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1:1 gegen Nürnberg : Für die Eintracht ist noch nichts verloren

  • -Aktualisiert am

Gestolpert, nicht gestürzt: Frankfurts Russ fällt über Nürnbergs Behrens Bild: dpa

Nach seiner Krebsdiagnose läuft Eintracht-Kapitän Russ in der Relegation trotzdem gegen Nürnberg auf – und erzielt ein Eigentor. Weil Gacinovic aber den Ausgleich erzielt, darf Frankfurt weiter auf den Klassenverbleib hoffen.

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          Das Zittern der Frankfurter Eintracht geht weiter. Nach dem 1:1 im ersten Relegationsspiel gegen den 1. FC Nürnberg ist es noch ein bisschen stärker geworden. Denn das Ergebnis bedeutet, dass die Mannschaft von Trainer Niko Kovac am nächsten Montag (20.30 Uhr / Live in der ARD, bei Sky und im Bundesliga-Ticker auf FAZ.NET) wegen der Auswärtstorregel einen Treffer erzielen muss, um in der Bundesliga zu bleiben. Ein 0:0 würde dem Zweitligadritten aus Franken zum Aufstieg genügen.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Das Toreschießen fällt der Eintracht jedoch unendlich schwer, wie sich wieder Mal am Donnerstagabend vor 51.500 in der ausverkauften Frankfurter WM-Arena zeigte. Außer Gacinovics Ausgleichstreffer in der 65. Minute, vermochte sich die Eintracht nur noch zwei, drei kleinere Torgelegenheiten heraus zu arbeiten. Es herrschte eine erschreckende spielerische Armut. Die Nürnberger waren keinen Deut besser und hatten das Glück, dass der Frankfurter Marco Russ in der 42. Minute nach einem Freistoß den Ball ins eigene Tor lenkte.

          Der erlösende Ausgleich: Gacinovic erzielt das 1:1 für die Eintracht Bilderstrecke
          Der erlösende Ausgleich: Gacinovic erzielt das 1:1 für die Eintracht :

          Der Frankfurter Innenverteidiger sah indes später im Spiel die zehnte Gelbe Karte und ist damit im Rückspiel gesperrt. Jedoch stand das erste Relegationsspiel ganz im Zeichen von Russ, dessen „Fall“ die Frankfurter in den Stunden vor dem Anpfiff in Atem gehalten hatte. Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen zählte den Mittwoch und Donnerstag zu den „aufregendsten Tagen, seit ich bei der Eintracht bin.“ Das sind fast 13 Jahre. Für Bruchhagen steht fest, dass durch die positive Doping-Probe von Marco Russ nach dem Derby gegen Darmstadt 98 kein Schaden für die Eintracht entstanden sei.

          Es sei nachgewiesen, dass es sich um keinen Doping-Fall handele, sondern der Innenverteidiger schwer erkrankt sei. Dies hätten Tast- und Ultraschalluntersuchungen sowie die Blutwerte des Spielers ergeben. Dr. Gabriel habe die Ergebnisse sowie den Befund eines Tumors eidesstattlich versichert. Insgesamt lägen vier Blutwerte vor. Die Dopingprobe von Darmstadt, eine Dopingkontrolle an Christi Himmelfahrt, eine weitere nach dem Spiel in Bremen und nun die der Untersuchung vom Mittwoch. „Sie weisen eine lineare Steigerung des hCG-Hormons aus“, erklärte Bruchhagen eine Stunde vor dem Anpfiff.

          Deshalb äußerte er sich verwundert über die Intensität der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen am Donnerstag mit Durchsuchungen im Mannschaftshotel, im Spind des Spielers sowie seines Hauses. „Sie können sich vorstellen, welche Aufregung bei uns herrschte“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Eintracht. Auch die Behauptung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada), die ärztlichen Untersuchungsergebnisse lägen nur mündlich, aber nicht schriftlich vor, stießen bei Bruchhagen auf Unverständnis. „Das können und werden wir dokumentieren.“ In einer Hinsicht ist Bruchhagen der Nada dankbar: „Ihr Hinweis, dass die erhöhten Werte auch durch eine Krankheit ausgelöst werden könnten, veranlassten uns erst zu den Untersuchungen. Die Krankheit wäre sonst länger verborgen geblieben.“

          Trotz der Diagnose entschloss sich Marco Russ, gegen Nürnberg mit zu spielen. Nach einem Gespräch am Nachmittag kam Trainer Kovac dessen Wunsch nach. Obwohl Mannschaftskapitän Alex Meier erstmals nach vielen Wochen wieder in der Startelf stand, behielt sein Vertreter Russ die Kapitänsbinde und führte die Eintracht auf das Feld. Die Frankfurter begannen stürmisch, zehn Minuten lang, vermochten sie Druck auf das Nürnberger Tor aufzubauen. Doch mehr als ein paar unpräzise Kopfbälle und ein Schuss aus spitzem Winkel von Aigner resultierte nicht aus der Überlegenheit der Hessen.

          Nach einer guten Viertelstunde hatten sich die Nürnberger besser auf die Frankfurter Angriffe eingestellt, und damit trat die Schwäche der Mannschaft von Trainer Kovac zum Vorschein: Spielvermögen und Esprit. Gacinovic, dem Kovac den Vorzug vor Ben-Hatira gegeben hatte, reihte Fehler an Fehler, Alex Meier wirkte bei seinem ersten Auftritt nach über zwei Monaten unbeweglich und langsam. Einmal schossen die Frankfurter in der ersten Halbzeit noch auf das Tor gegnerische Tor, Seferovic verpasste das Ziel um mehrere Meter.

          Der 1. FC Nürnberg legte es offensichtlich auf ein 0:0 an. Mehr als vier Feldspieler trauten sich kaum einmal in die Frankfurter Hälfte, deren Strafraum entwickelte sich zur Tabu-Zone. Außer bei Standards. In der 42. Minute segelte eine Freistoßflanke aus 40 Metern in den Frankfurter Sechzehner. Zwar hielten sich dort ein paar Nürnberger auf, aber Russ kam an den Ball und lenkte ihn ins eigene Tor. Der „Club“ hatte das Kunststück geschafft, ohne eigenen Torschuss zur Halbzeit in Führung zu liegen.

          Die Eintracht war vom Rückstand schwer beeindruckt. Die Mannschaft spürte wieder den mentalen Rucksack, der sie schon so oft in dieser Saison behinderte. Selbst Gacinovics Ausgleichstreffer in der 65. Minute wirkte nicht wie eine Befreiung. Mit Stendera für den erschöpften Meier erhielten die Eintracht-Angriffe ein bisschen mehr Struktur, aber nicht genug, um das Nürnberger Tor ernsthaft in Gefahr zu bringen.

          „Wichtig war, dass wir den Ausgleich noch geschossen haben. Ich glaube, wir waren heute die bessere Mannschaft“, sagte Alexander Meier in der ARD. „Hauptsache, wir schaffen die Relegation - egal, wer da auf dem Platz steht.“ Gästetrainer René Weiler war mit dem 1:1 sehr zufrieden. „Ich denke, mit dem Punkt und dem Unentschieden können wir leben.“ Nicht ideal fand Weiler dagegen, wie die Hessen am Spieltag mit dem Fall Russ umgegangen sind: „Der Fußball darf nicht für irgendwelche Inszenierungen herhalten.“ Dem widersprach Niko Kovac vehement: „Krankheiten kann man nicht inszenieren. Krankheiten kommen – und gehen hoffentlich auch wieder.“

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