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Eintracht in der Findungsphase : Frankfurter Umbruch mit Tücken

Wird in Zweikämpfen oft auf dem falschen Fuß erwischt: Jesper Lindström (rechts) braucht mehr Durchsetzungsstärke. Bild: Imago

Sieben Pflichtspiele ohne Sieg: Eintracht-Trainer Oliver Glasner bleibt zuversichtlich, lobt den Charakter seiner „coolen Truppe“ – und sieht noch zu viele Defizite bei den neuen Offensivkräften.

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          Zumindest die Zukunftsprognose von Oliver Glasner sieht in ziemlich düsteren Zeiten rosig aus. Der Trainer der Frankfurter Eintracht ist „felsenfest“ davon überzeugt, dass er mit seiner Mannschaft Erfolg haben wird. Das lehre ihn seine „Erfahrung aus vielen Jahren im Fußball“, sagte der 47 Jahre alte Österreicher und begründete seine Zuversicht mit der Zusammenstellung des Kaders: „Wir bringen die Qualität mit, das ist der entscheidende Punkt.“

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Auf dem Platz hat sein Team die Qualitätskontrolle aber noch nicht bestanden. Sieben Pflichtspiele liegen hinter den Frankfurtern in der Bundesliga, in der Europa League und im DFB-Pokal, mit einem Sieg hat es bisher nicht geklappt. Wer hätte das gedacht? Vier Zähler in der ersten Liga nach fünf Spieltagen bedeuten lediglich Rang 15.

          Die Hessen, die abermals um die internationalen Plätze mitspielen wollen, hinken mit dieser Sieglos-Statistik ihren Ansprüchen weit hinterher. Nach eigenen Führungen wie am vergangenen Sonntag in Wolfsburg (1:1) haben sie schon sechs Punkte verspielt. Stabilität auf hohem Niveau über 90 Minuten zu zeigen war der Eintracht oft nicht möglich. Glasner lobt zwar den starken Charakter seiner Spieler, „wir haben eine richtig coole Truppe, die gewillt ist, sich zu verbessern“, sagt er.

          Nur gute Ansätze

          Momentan bleibt jedoch festzuhalten, dass es für die Frankfurter ein Umbruchsjahr mit vielen Tücken zu sein scheint. Im Spielbetrieb richtig angekommen sind die Schützlinge von Glasner längst noch nicht. „Wir sind dabei, uns zu finden“, sagt der Trainer und benennt eines der Probleme: „Der eine oder andere muss sich bei uns an die Zweikampfintensität in der Bundesliga gewöhnen.“ Das erkenne er auch bei anderen Spielern in der Liga, doch bei der Eintracht seien es „gleichzeitig vier Spieler, die neu sind“.

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          Glasner meint vor allem die Offensivspieler Jesper Lindström, Jens Petter Hauge und Rafael Borré. Beim 21 Jahre alten Dänen Lindström sind die körperlichen Defizite im Wettstreit um den Ball am deutlichsten zu sehen: Im Vergleich zu gestandenen Erstligaspielern wirkt dessen Spiel jugendlich. Der ausgebuffte und durchsetzungsstarke Wolfsburger Verteidiger Kevin Mbabu ließ Lindström in einigen Situationen wie einen Nachwuchsspieler aussehen. Sehr zum Ärger von Glasner, der wütend wurde, als Lindström mit seinem Zutun eine Kontermöglichkeit zunichte machte.

          Auch dessen Mannschaftskollege Hauge sucht nach Wegen, sich in den Zweikämpfen besser behaupten zu können. Noch vermag der 21 Jahre alte Norweger im Angriffsspiel nicht zielgerichtet genug zu agieren. Und vom 26 Jahre alten Kolumbianer Borré wird bei der Anpassung an die Spielweise in der Bundesliga Vielseitigkeit abverlangt. Als Mittelstürmer vorgesehen, sollte sich der Nationalspieler in Wolfsburg auf dem rechten Flügel bewähren. Über gute Ansätze kam Borré nicht hinaus. Er wartet auf seinen ersten Pflichtspieltreffer für die Eintracht.

          Obwohl später nach Frankfurt gekommen, ist Mittelstürmer Sam Lammers Borré als Torjäger einen Schritt voraus. Der Niederländer traf in drei Pflichtspielen bereits zweimal. Aber auch beim 24 Jahre alten Niederländer ist unverkennbar, dass ihm noch die Bindung an seine neuen Mitspieler fehlt. Die Feinabstimmung könnten sich die Frankfurter im Training holen. Die englischen Wochen, die nun aufgrund der Europa-League-Teilnahme vermehrt auf die Eintracht zukommen, erlauben allerdings überwiegend nur Einheiten, in denen das Auslaufen und die unmittelbare Vorbereitung auf das nächste Spiel im Vordergrund stehen müssen. „Wenn du Abläufe verbessern willst und dafür keine Trainingszeit hast, dann musst du dir das über gemeinsame Spielzeit holen“, sagt Glasner daher.

          In den Duellen mit Fenerbahce Istanbul und Wolfsburg setzte der Trainer jeweils auf die gleiche Startformation. In der zweiten Halbzeit gegen Wolfsburg hatte sich dann eine gewisse Müdigkeit breitgemacht. „Die Spieler sind am Anschlag“, urteilte Glasner. Vor den Spielen gegen Köln (25. September), Royal Antwerpen (30.9.) und Bayern München (3.10.) gab er ihnen zwei Tage frei, bevor sie an diesem Mittwoch mit dem Trainingsbetrieb fortfahren. „Wenn wir weiterhin so viel investieren, werden wir auch bald wieder ein Spiel gewinnen“, sagte Rechtsverteidiger Danny da Costa in Wolfsburg. Ohne Erfolgserlebnisse bleibt den Frankfurtern nur, den Erfolg herbeizureden.

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