https://www.faz.net/-gtm-9n40e

Eintracht Frankfurt : „Es war eine unfassbare Saison“

  • -Aktualisiert am

Das 50. Spiel auf hohem Niveau: Eintracht-Trainer Adi Hütter bedankt sich bei den Fans. Bild: Jan Huebner

Die Eintracht wird von den Bayern abgewatscht, erreicht aber immerhin die Europa League: Frankfurt schleppt sich in den internationalen Wettbewerb – und zieht ein Fazit, das ungetrübt positiv ausfällt.

          Am Ende fanden sogar die Bayern-Fans im Meistertaumel Zeit, der Eintracht zu applaudieren. Als der Stadionsprecher kurz nach dem Abpfiff den Mainzer Sieg über Hoffenheim verkündete, der den Frankfurtern wenigstens Platz sieben und die Teilnahme an der Qualifikation zur nächsten Europa-League-Gruppenphase eingebracht hatte, da schlug der Jubel über die eigene Mannschaft in respektvolles Klatschen um. Ein paar Eintracht-Profis hoben verblüfft den Kopf und machten sich dann auf den Weg in die eigene Fankurve, wo sie sich dann richtige Ovationen abholten.

          Bundesliga
          ANZEIGE
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          In der Geschichte der Bundesliga hat eine 1:5-Niederlage wohl selten einmal so positive Reaktionen ausgelöst wie die, mit der die Eintracht eine Saison voller Höhepunkte und Emotionen beendete. „Wir waren heute leider nur ein guter Gast, die Bayern waren eine Klasse für sich und wir nicht in der Lage, sie zu fordern“, sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter zu den letzten 90 Minuten der Saison. Und der Österreicher lieferte gleich die Begründung nach: „Die Mannschaft war ausgepresst wie eine Zitrone. Das war unser 50. Spiel auf hohem Niveau.“ Hütter muss sich allerdings die Frage gefallen lassen, ob er es nicht selbst versäumte, seinen Profis ein bisschen mehr Saft und Kraft auf der Zielgeraden zu lassen.

          Der Österreicher machte kaum vom Rotationsprinzip Gebrauch, sondern belastete immer wieder dieselben Spieler bis an ihre Grenzen und darüber hinaus. Nach dem Halbfinal-Rückspiel der Europa League gegen Chelsea, das im Elfmeterschießen verlorenging, entschloss er sich nur zu einem Wechsel, obwohl das Bundesliga-Heimspiel gegen Mainz nur drei Tage später stattfand. Und auch gegen die Bayern vertraute der Vorarlberger wieder allen Stammkräften und beorderte die Stürmer Jovic und Rebic in die Startelf, obwohl sie schon in den Wochen zuvor kaum ein Bein auf die Erde und kaum einen Ball an den Mann gebracht hatten. Das bedeutete gegen die Bayern in der ersten Halbzeit null Entlastung, weil in der Offensive kein Ball gehalten wurde. Dass das Münchner Powerplay nur ein 0:1 (Coman, vierte Minute) nach sich zog, war aus Frankfurter Sicht ein Segen.

          Erteilt durch eine überragende Torwartleistung von Kevin Trapp, schludrige Bayern-Stürmer und den Videoassistenten in Köln, der vor Gnabrys vermeintlichem 2:0 (26.) das gesehen hatte, was im Stadion niemand bemerkte – eine Abseitsstellung von Lewandowski. Die durch den Ring taumelnde Eintracht war noch im Spiel, als Hütter zur zweiten Halbzeit Haller einwechselte. Und dem Franzosen gelang tatsächlich ein Lucky Punch. Nach einer Ecke von Kostic hatte Abraham die Latte des Münchner Tores getroffen, den Abpraller verwertete der Franzose in bester Torjägermanier.

          Doch anders als in Chelsea löste der unverhoffte Ausgleich kein Aufbäumen mehr aus. Nur zwei Minuten später verlor Trapp seinen Heldenstatus, als er nach einem Schuss von Müller den Ball vor die Füße von Alaba abwehrte – 1:2. Mit Haller besaßen die Frankfurter Angriffe zwar ein wenig mehr Biss und Struktur, aber große Torgelegenheiten erspielte sich die Eintracht nicht. Dafür waren die Bayern-Konter von klinischer Präzision. Sanches sowie Ribéry und Robben bei ihrer Abschiedsvorstellung verwandelten mit ihren Toren zum 5:1-Endstand den Münchner Titelkampf zu einer ausgelassenen Meisterfeier.

          Die gute Nachricht aus Mainz erleichterte es den Eintracht-Protagonisten, vom 1:5 abzulenken und auf die hervorragende Saison zu sprechen zu kommen. „Es wäre auch unverdient gewesen, wenn wir mit ganz leeren Händen dastehen würden“, meinte Linksverteidiger Martin Hinteregger, auf die starken Leistungen der Eintracht bis in den April hinein anspielend. Eines versicherte Hinteregger: „Keine andere Mannschaft würde sich so über Platz sieben freuen wie wir.“

          Die Frankfurter Profis sind wie ihre Fans im Europa-Fieber. Selbst die Anstrengung von sechs Qualifikationsspielen für die Gruppenphase schreckt sie nicht. Sportvorstand Fredi Bobic dankte den Mainzern für ihren Sportsgeist und zog dann ein Saisonfazit, das so ungetrübt positiv ausfiel wie das seines Trainers Hütter. „Wir hatten in diesem Jahr mehr emotionale Höhepunkte als viele Vereine in fünf Jahren“, sagte Bobic. „Es war eine unfassbare Saison.“

          Hütter drückte seinen Stolz in Zahlen aus: „Sechs Siege in der Gruppenphase der Europa League bedeuteten deutschen Rekord, sechs Siege nacheinander in der Bundesliga Vereinsrekord. Wir haben fünf Punkte mehr als in der letzten Saison und viele Spieler weiterentwickelt. Wir haben vieles richtig gemacht.“ Am Ende ging die Mannschaft auf dem Zahnfleisch, wie es Hütter selbst ausdrückte. „Aber sonst wäre das alles auch nicht erreichbar gewesen.“

          Frankfurt vor Sommer-Ochsentour durch Europa

          Eintracht Frankfurt freut sich über den siebten Platz in der Fußball-Bundesliga und damit weitere Chancen auf Reisen quer durch Europa. Doch das Ticket für die Europa-League-Qualifikation ist eine echte Sommer-Belastung für die Vielspieler vom Main, die in der abgelaufenen Saison bereits 50 Pflichtspiele absolviert haben. Um in der Gruppenphase des Wettbewerbs (ab 19. September) wieder vertreten zu sein und von Reisen nach Marseille, Mailand oder Rom träumen zu dürfen, muss das Team von Trainer Adi Hütter zunächst drei Qualifikationsrunden überstehen.

           

          Los geht es mit der zweiten Quali-Runde (25. Juli/1. August), bevor die dritte Quali-Runde (8./15. August) und die Playoff-Spiele (22./29. August) folgen. Durch das 1:5 beim alten und neuen deutschen Meister FC Bayern München war die Eintracht am Samstag noch von Platz sechs auf Platz sieben in der Bundesliga gefallen. Auch mit Blick auf die Gegner müssen die heiß ersehnten großen Europa-Nächte wie gegen Inter Mailand und den FC Chelsea erstmal warten. Zum Start in die Qualifikation sind FK Domzale (Slowenien) oder der rumänische Vertreter Astra Giurgiu mögliche Rivalen. (dpa)

          Weitere Themen

          Suche nach einem Strategen

          Eintracht Frankfurt : Suche nach einem Strategen

          Die Eintracht möchte in der kommenden Saison im Mittelfeld variabler werden. Auch Spieler anderer Bundesligisten sind für die zentrale Position im Gespräch. Was wird jedoch aus Marc Stendera?

          Topmeldungen

          69 Prozent der Deutschen sind stolz auf ihr Zuhause.

          Überraschende Glücks-Studie : Die Deutschen lieben ihre Häuser

          Die Deutschen hegen und pflegen gerne Haus und Hof – und sind auch sehr zufrieden damit. Nur eine andere Nation empfindet beim Anblick des eigenen Zuhause mehr Stolz als sie. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.