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Frankfurt gegen Augsburg : Bei der Eintracht ist Müdigkeit verboten!

Mund zu und durch: Luka Jovic zeigt, wie die Eintracht die letzten Wochen der Saison überstehen will. Bild: Reuters

Der Frankfurter Trainer beschwört den tollen körperlichen Zustand seiner Mannschaft. Auf der Zielgeraden der Saison steuert die Eintracht auf die Champions League zu. Doch nun gibt es eine Sorge, die in dieser Saison bisher unbekannt war.

          Verbal war die Eintracht schon am Abend zuvor abgehoben. Denn trotz der 2:4-Hinspielniederlage im Viertelfinale der Europa League bei Benfica Lissabon gab es in den Reihen der Frankfurter nur einen Gemütszustand: ungebrochenen Optimismus. „Die hauen wir weg“, sagte beispielsweise Fredi Bobic. Für den Sportvorstand scheint das Rückspiel am kommenden Donnerstag gegen den portugiesischen Rekordmeister nur mehr eine Formsache zu sein. Der Traum von Baku, der Traum vom Einzug ins Finale, lebt bei der Eintracht mehr denn je.

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          Der Traum vom Erreichen der Champions League hat gleichfalls Konjunktur. Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter ist Vierter im Kerngeschäft Bundesliga. Und sie ist bestrebt, diesen Platz noch lange zu behalten. Dabei wurde sie durch das 1:0 von Borussia Mönchengladbach in Hannover unter Druck gesetzt. Der Vorsprung beträgt nur noch einen Punkt.

          Die Hütter-Elf will die Chance jedoch unbedingt nutzen, gegen einen angeschlagenen, nach Kurs und Halt suchenden Gegner zu gewinnen. Nichts anderes kann das Ziel gegen den FC Augsburg sein, der sich an diesem Sonntag von 18 Uhr an (F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) in der wieder einmal bestens besuchten Frankfurter Arena vorstellt. Mit altem Personal – und mit einem neuen Trainer: Martin Schmidt. Der einstige Mainzer Coach ist vor wenigen Tagen erst von den Verantwortlichen der bayerischen Schwaben unter Vertrag genommen worden, die spätestens nach der 0:4-Heimniederlage gegen Hoffenheim Gefahr im Verzug gewittert haben.

          Ein Zustand, der der Eintracht in dieser bisher so formidabel verlaufenen Saison gänzlich unbekannt ist. Dafür gibt es erstmals andere Sorgen – und sie betreffen das Personal. Stürmer Sebastien Haller fällt gegen Augsburg aus. Schon im Europa-League-Spiel im Lissabonner Estádio da Luz musste der Franzose passen. Wann Trainer Hütter auf Haller wieder zurückgreifen kann, ist ungewiss. Haller selbst, der unter Bauchmuskelproblemen leidet, kann es nur schwer einschätzen. Über den Zeitpunkt seiner Rückkehr befragt, sagte er noch in der portugiesischen Hauptstadt: „Das kann in einer, aber auch erst in sechs Wochen sein. Für die nächsten Spiele stehe ich aber definitiv nicht zur Verfügung.“

          Für die Eintracht ist dies ein Rückschlag, gehört Haller doch mit bislang 14 erzielten Toren in 27 Spielen zu der herausragenden Stürmern der Liga. Im Verbund mit Luka Jovic (17 Tore) und Ante Rebic (9) bildet Haller das gefährlichste Sturmtrio aller 18 Bundesliga-Vereine. Der Franzose, ein überaus mannschaftsdienlicher Spieler, kann aber nicht nur Tore schießen. Er kann auch, wie es in der Sprache des Fußballs heißt, Bälle festmachen. Seine Kontrolle über das Spielgerät ist mehr oder weniger perfekt.

          Wenn einer ausfällt, muss ein anderer einspringen. Eintracht-Trainer Hütter kann sich glücklich schätzen, in seinem großen Kader über weitere Profis mit Potential zu verfügen. Goncalo Paciencia ist einer von ihnen. In seiner Heimat hat der Portugiese mit seinem lehrbuchmäßigen Kopfballtor zum 2:4 den Traum vom Erreichen des Halbfinals am Leben gehalten. Auch für das Spiel gegen Augsburg ist der 24 Jahre alte Paciencia, der bei seinen bisherigen sieben Bundesliga-Spielen schon zweimal zugeschlagen hat, mehr als nur eine stürmische Alternative. Paciencia ist so gut wie nie in seiner Frankfurter Zeit, und er ist fit. Anders als Haller, dem es wichtig ist, „dass ich die Verletzung komplett auskuriere, damit es nicht noch schlimmer wird und ich noch länger ausfalle.“

          Stichwort Ausfall: Dass am Freitag die obligatorische Pressekonferenz vor einem Bundesliga-Spiel ausgefallen ist, ist ein Novum in der Eintracht-Geschichte. Doch weil höhere Mächte im Spiel waren und ein geplatzter Reifen eines anderen Flugzeugs den Flugplan auf dem Lissaboner Airport durcheinandergewirbelt hatte, kam der Eintracht-Tross mit reichlich Verspätung in Frankfurt an. Coach Hütter nahm es gelassen. „Ich hätte mich gerne den Fragen der Journalisten gestellt“, sagte er abends im Gespräch mit den vereinseigenen Medienmitarbeitern von Eintracht-TV. „Ich habe die Wartezeit im Flugzeug aber genutzt, um mich intensiv auf den FC Augsburg vorzubereiten.“ Sich akribisch auf einen Gegner einzustellen, das macht der Österreicher vor jedem Spiel. Die Partie gegen Augsburg steht freilich unter etwas anderen Vorzeichen. Hütter geht davon aus, dass der Wechsel auf dem Cheftrainerposten von Manuel Baum zu Martin Schmidt „die Situation natürlich verändert. Jeder hat eine andere Ansprache, und die Spieler können damit noch einmal anders gekitzelt werden.“

          Hütter weiß, dass er mit seiner Mannschaft bislang eine überragende Saison gespielt hat. Und er weiß auch, dass es genau dieses Hinrundenspiel in Augsburg gewesen ist, mit dem die Eintracht letzte mögliche Fragezeichen aus dem Weg geräumt hat. Das damalige 3:1 am 24. November war der erste Sieg einer Frankfurter Mannschaft in Augsburg überhaupt. Die Eintracht war als Tabellenvierter zum Kräftemessen beim FCA gekommen, und sie verließ die Arena auf der grünen Wiese als Rangdritter. Augsburg als Ausgangsort für den Höhenflug der Eintracht, der weiter Konjunktur hat.

          Hütter hat keine Bedenken, dass die erste Pflichtspielniederlage des Jahres in Lissabon irgendetwas daran ändern könnte. „Diese Mannschaft hat eine unglaubliche Mentalität bewiesen“, sagte er nach dem 2:4 bei Benfica. „Die Spieler geben nie auf und glauben immer an sich. Die Jungs sind körperlich in einem tollen Zustand, und es macht großen Spaß, ihnen zuzuschauen.“ Bevor die Frankfurter „Jungs“ am Gründonnerstag Benfica „weghauen“ wollen, wie Bobic zu wissen glaubt, müssen sie sich zunächst einmal gegen Augsburg behaupten.

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