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Eintracht-Torwart Trapp : Selbstbewusst, topfit, optimistisch

  • -Aktualisiert am

Respekt aber keine Furcht: Eintrachts Torwart Kevin Trapp freut sich auf das Spiel in München. Bild: dpa

Kevin Trapp fährt ohne Angst vor dem Bayern-Sturm nach München. Mit seiner Einstellung will er die Eintracht mitreißen. Der Keeper ist in exzellenter Form und strotzt vor Selbstvertrauen.

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          Ist Kevin Trapp ein Masochist? Der Torwart der Frankfurter Eintracht hatte Anfang der Woche doch tatsächlich gegenüber der vereinseigenen Medienabteilung behauptet, die Begegnungen mit dem FC Bayern München gehörten zu den schönsten Spielen des Jahres. Seine persönlichen Erfahrungen geben diese Einschätzung nicht her, es sei denn unter den Vorzeichen einer selbstquälerischen Neigung. In den zehn Pflichtspiel-Partien seiner Profikarriere gab es für den 30 Jahre alten Saarländer nichts, aber auch gar nicht zu gewinnen, wenn es gegen die Bayern ging. Zehn Niederlagen, darunter acht mit der Frankfurter Eintracht und zwei mit dem 1. FC Kaiserslautern sind in der Statistik für ihn verzeichnet.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Am Mittwoch antwortete Trapp auf die Frage nach seiner masochistischen Veranlagung mit einem klaren Nein und schob sogleich die Begründung für seine provokative Aussage nach: „Wenn wir gegen die Bayern spielen, erwartet eigentlich jeder, dass Bayern gewinnt. Das kann auch ein Vorteil sein.“ Frei nach Janis Joplin: „Freedom is just another word for nothing left to lose.“ Freiheit sei nur ein anderes Wort für nichts zu verlieren zu haben. Aber richtig schön wird die Außenseiterrolle erst, wenn ihr nicht die stille Verzweiflung der Chancenlosigkeit inne wohnt, sondern die kleine Hoffnung auf einen Überraschungscoup. Und an diese Möglichkeit glaubt Trapp, unabhängig von seinem persönlichen Erfahrungsschatz. Die Eintracht hat es in den vergangenen zweieinhalb Jahren zweimal vorgemacht, wie gegen die übermächtigen Bayern zu gewinnen ist. Nur stand die heutige Nummer 1 weder beim 3:1-Pokaltriumph im Mai 2018 noch beim 5:1 vor einem Jahr in der Bundesliga zwischen den Pfosten.

          Aber Trapps Optimismus wird nicht nur durch die Statistik genährt, vor allem durch die aktuelle Entwicklung: „Wir sind noch ungeschlagen, wir dürfen voller Selbstbewusstsein nach München fahren.“ Der Nationaltorhüter ist sich seiner Rolle als Wachrüttler und Motivator der Eintracht-Kollegen bewusst. Er möchte seine Einstellung in den Köpfen der anderen implantieren: „Ich fahre nicht mit der Angst nach München, die Hütte voll zu kriegen, obwohl ich weiß, dass ich mit mehr Arbeit rechnen muss als üblich. Aber ich freue mich darauf.“

          Ausgezeichneter Start in die Saison

          Trapp ist wie die Eintracht ausgezeichnet in die neue Saison gestartet. In allen Begegnungen machte der 30-Jährige nicht nur einen sicheren Gesamteindruck – wie schon in der vergangenen Spielzeit. In diesen Wochen wirkt er noch präsenter, noch mutiger und proaktiver in seinen Aktionen. Und er zeigte schon ein paar spektakuläre Paraden, so wie bei einem Kopfball von Duda am vergangenen Sonntag beim 1:1 in Köln, die ihm in der Vorsaison kaum einmal gelungen waren.

          Trapp bestätigt die Einschätzung, dass er einen Schritt vorwärts in seiner Entwicklung gemacht habe: „In der vergangenen Saison war es bis zur Corona-Pause gut, danach ok. Aber das ist nicht, was ich von mir selbst erwarte. Seit der Vorbereitung aber fühle ich mich extrem gut.“ Die Arbeit mit dem neuen Torwartrainer Jan Zimmermann, der in der Winterpause Moppes Petz abgelöst hatte, habe dazu einen gewissen Beitrag geleistet. „Ich habe mich viel mit Jan ausgetauscht, was noch besser zu machen ist, wie anders zu trainieren ist.“

          Trapp ging nicht ins Detail. Aber gerade in 1:1-Situation mit dem gegnerischen Stürmer geht er mit mehr Selbstbewusstsein und Überzeugung. Der Eintracht-Torwart bestätigt das indirekt: „Das Training ist sehr gut, auf Spielnähe ausgelegt. Egal, in welche Situation ich in einem Spiel komme, ich fühle mich gut darauf vorbereitet.“ Zudem trainiere er noch intensiver im athletischen Bereich: „Ich fühle mich nicht nur fit, sondern topfit, was auch gut für den Kopf ist, weil ich weiß, dass ich 90 Minuten voll konzentriert sein kann.“ Seit dem Spiel gegen den FC Basel fühle er sich auf einem sehr guten Level: „Aber ich will die Latte noch weiter nach oben legen.“

          Etwas von Neuer abgucken

          Derjenige, der auf dem höchsten Torwart-Niveau agiert, heißt Manuel Neuer, Gegner am Samstag in München und Kollege in der Nationalmannschaft. Trapp wurde gefragt, ob er sich auf den Lehrgängen mit der deutschen Nummer 1 berät, um noch besser zu werden. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis, aber ich bin nun auch schon etwas älter, die 3 steht vorne, und frage ihn nicht, Manu, wie machst du das.“ Aber die Frankfurter Nummer 1 gibt gerne zu, dass er aufmerksam zuschaut, wenn Neuer im Einsatz ist: „Es macht einfach Spaß, man kann sich schon ein bisschen was abgucken. Er spielt in den letzten Monaten extrem gut und mit extrem viel Selbstvertrauen. Er hat den Bayern den ein oder anderen Titel gewonnen, als Spiele auf der Kippe standen.“

          Aber auch ein Manuel Neuer ist nicht unüberwindlich, gegen die Hertha und gegen Hoffenheim musste sich der Bayern-Torwart in der Bundesliga sieben Mal geschlagen geben. „Diese Spiele zeigen doch, dass die Bayern verwundbar sind. Wir werden sicher viel leiden, aber wir haben eine Chance.“

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