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Eintracht Frankfurt : Trainersuche mit Dominoeffekt

  • -Aktualisiert am

In Leverkusen nicht unumstritten, aber ein gefragter Mann: Bruno Labbadia Bild: dpa

Kandidaten für den vakanten Trainer-Chefposten bei der Frankfurter Eintracht gibt es jede Menge. Vorstandschef Bruchhagen will das Rätsel bald lösen. Zwischenberichte gibt er nicht mehr ab.

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          Es ist wohl die Ruhe vor dem Sturm gewesen. So gemächlich und unaufgeregt wie das Pfingstwochenende werden die nächsten Tage in der Fußball-Bundesliga nicht ablaufen. Unter Garantie. Eine Woche nach Saisonende sind aktuell drei Klubs aus der ersten Liga auf der Suche nach einem neuen Trainer: die Frankfurter Eintracht, der Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach. Die kurzfristigen Abschiede der Herren Friedhelm Funkel, Martin Jol und Hans Meyer setzten alle Teams gleichermaßen unter Zugzwang. Wenngleich an allen Standorten die Protagonisten um den Eindruck bemüht sind, man setzte sich gelassen mit der Situation auseinander.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Doch die Zeit drängt, das wird niemand leugnen: Ende des Monats stehen überall erste Trainingseinheiten in der Vorbereitung auf die kommende Runde bevor, Sommercamps müssen gesucht und gebucht, personelle Planungen vorangetrieben werden. Gut möglich, dass an diesem Dienstag mit Bayer 04 Leverkusen ein weiterer Verein Handlungsbedarf anmeldet – und dann endgültig Schwung in die Reihe ungeklärter Fragen kommt.

          Labbadia zum Rapport

          Wenn nicht alle Anzeichen trügen, sind die Tage von Bruno Labbadia bei der Werkself spätestens seit dem gegen Bremen verlorenen Pokalendspiel (0:1) gezählt. Der aus Darmstadt stammende frühere Profi, ehedem bei den „Lilien“ und später für Greuther Fürth ein beachteter Aufbauarbeiter, gilt als einer von vielen Kandidaten für die Nachfolge Funkels bei der Eintracht. Aber auch beim HSV sowie bei Absteiger Arminia Bielefeld und dem ambitionierten 1. FC Kaiserslautern in der zweiten Liga wird Labbadia schon als Mann für kommende Aufgaben gehandelt – obwohl er noch in Leverkusen unter Vertrag steht.

          Christian Gross, bisher beim FC Basel, will künftig bei einem Bundesliga-Club die Richtung vorgehen - nur wo?
          Christian Gross, bisher beim FC Basel, will künftig bei einem Bundesliga-Club die Richtung vorgehen - nur wo? : Bild: REUTERS

          Was sich aber mutmaßlich nach einem Gespräch mit seinen Vorgesetzten Wolfgang Holzhäuser und Rudi Völler an diesem Nachmittag ändert. Chancen, bei der Eintracht die Verantwortung zu übernehmen, werden auch dem 54 Jahre alten Christian Gross eingeräumt, der unlängst nach einem Jahrzehnt beim FC Basel ausgedient hatte. Wenngleich Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende, im Gespräch mit dieser Zeitung mitteilte, dass er mit Gross aktuell nicht gesprochen habe – „und ich ihn das letzte Mal vor gut dreißig Jahren sah, als ich noch in Gütersloh Fußball spielte“.

          Bliebe unter anderem Michael Skibbe. Mit dem Dreiundvierzigjährigen, zuletzt bei Galatasaray Istanbul entlassen, stand Bruchhagen schon 2008 im Kontakt, als eine Entlassung Funkels im Raum stand. Der frühere Dortmunder Trainer besitzt wohl die besten Karten auf ein Engagement in Frankfurt. In der Stadt gesehen wurde über die Feiertage Pierre Littbarski. Was ausnahmsweise kein Gerücht, sondern Tatsache ist. Doch der ehemalige Nationalspieler bat auf der Eintracht-Geschäftsstelle ganz offiziell um Karten für Partien der U 23. „Er will einen Spieler aus unserer Mannschaft“, bestätigte Präsident Peter Fischer. Dabei soll es sich um den 21 Jahre alten Richard Weil handeln. Littbarski betreut den liechtensteinischen Klub FC Vaduz, der in der zweiten Schweizer Liga spielt.

          Bruchhagen: Keine Zwischenberichte

          Viel scheint in der Tat davon abzuhängen, welche Entscheidung nun in Leverkusen getroffen wird. Sie könnte für die Liga einen Dominoeffekt auslösen, da Labbadia wohl auf allerhand Wunschlisten steht: Ginge er nach Hamburg, wäre Kollege Slomka frei für Bayer 04; einigte sich Slomka mit den Hanseaten, stünde Labbadia andernorts zur Verfügung. Was die gesammelten Spekulationen angeht, besitzt Bruchhagen eine klare Meinung, die er noch einmal verdeutlichte: „Ich gebe keinen Zwischenbericht mehr ab.“ Erst wenn tatsächlich eine Entscheidung anstehe, „informiere ich den Aufsichtsrat“. Weil das Kontrollgremium der Verpflichtung zustimmen muss.

          Wasserstandsmeldungen, meinte Bruchhagen, seien nur für die interne Kommunikation bestimmt. Mit der kontrollierten Kommunikationsdefensive soll verhindert werden, dass sich wie bei der Trennung von Funkel die Ereignisse überschlagen und das Team aus den Medien von dem Beschluss erfährt. An diesem Dienstagabend will Bruchhagen seine Vorstandskollegen über vorläufige Verhandlungsergebnisse unterrichten. Unlängst hatte er angekündigt, dass die Eintracht Ende dieser Woche einen neuen Chefcoach gefunden haben soll. Käme es wirklich auf Labbadia an, könnte sich das Procedere jedoch noch länger hinziehen. Trainerverträge werden mithin über Nacht gekündigt – aber eben nicht geschlossen.

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