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Niko Kovac im Gespräch : „Die Spieler sind meine Freunde“

Kopf von Eintracht Frankfurt: Trainer Niko Kovac Bild: Wolfgang Eilmes

Stellt Eintracht Frankfurt mit Niko Kovac den Bayern ein Bein? Der Trainer spricht im Interview über Werte und Fairplay, die Lehren aus der Bibel, schwierige Charaktere im Fußball – und ein Werben der Münchner.

          Herr Kovac, Sie sind in Berlin- Wedding aufgewachsen. Was lernt man dort fürs Leben?

          Ich bin dort 1971 geboren worden, da war die Welt noch anders. Der Wedding ist ein Arbeiterviertel, ein kleiner Bezirk mit vielen Ausländern, aber auch Deutschen. Manche haben aus meiner Sicht den falschen Weg im Leben eingeschlagen, andere sind auf der richtigen Spur geblieben. Man musste schon aufpassen, klar. Wir haben viel Fußball gespielt. Auf Beton, in Käfigen. Ich war meistens der Kleinste, da muss man Ideen entwickeln, um sich gegen körperlich überlegene und ältere Jungs durchzusetzen. Man lernt dort schon, wie das Leben letzten Endes abgeht.

          Der Fußball dort tut weh, oder?

          Na klar, wenn man hinfällt, dann spürt man das. Blaue Flecken hatten wir alle früher. Aber wenn man sich mal das Knie aufgeschlagen oder an den Schienbeinen verletzt hatte, dann ging es weiter. Schmerzen gehören zum Leben dazu, genauso wie Freude. Meine Mutter hat mich oft gefragt, was ich da machen würde. Sie konnte es, ehrlich gesagt, nicht verstehen.

          Ihr Vater hat als Zimmermann gearbeitet, Ihre Mutter war Reinigungskraft. Was haben Ihnen Ihre Eltern mit auf den Weg gegeben?

          Wir sind christlich erzogen worden, die Religion spielt bei uns eine sehr große Rolle. Und wenn man versucht, sich an der Bibel entlangzuhangeln, dann hat man alles, was man braucht: Ehrlichkeit, Offenheit, Freundlichkeit, Respekt, Toleranz, da gibt es noch vieles mehr, wonach in der heutigen Zeit wieder gesucht wird. Die Werte haben sich einfach ein Stück weit verändert.

          Denken Sie dabei an die Gesellschaft oder an den Fußball?

          Man sagt ja immer, der Sport sei das Abbild der Gesellschaft oder auch umgekehrt. Das nimmt sich nicht viel. Die Spannungen, die in der Welt herrschen, die sind schon extrem. Deshalb geht es immer mehr um das Verstehen des anderen, ihn zu respektieren, Liebe an den Tag zu bringen.

          Wie oft gehen Sie in die Kirche?

          Sehr regelmäßig. Von 52 Wochen schaffe ich es schon mehr als vierzigmal, sonntags in den Gottesdienst zu gehen.

          Was finden Sie in der Kirche?

          Ich denke, jeder geht dorthin, weil er das Bedürfnis nach Ruhe in sich trägt, weil er mit unserem Herrgott kommunizieren will und die Möglichkeit bekommt, über vieles nachzudenken, was um einen herum passiert. Man hört aus der Bibel auch immer nur Gutes. Nur der Mensch, der es umsetzen muss, interpretiert viele Dinge immer wieder etwas anders, als es in der Bibel oder auch im Koran steht. Wenn wir uns daran halten würden, wären wir alle sehr, sehr glücklich in dieser Welt.

          Welche dieser christlichen Werte können Sie in Ihre Tätigkeit als Trainer einbringen?

          Sehr viel. Ich versuche jedem gegenüber offen, ehrlich und freundlich aufzutreten. Wir sind eine Mannschaft. Als Trainer muss man natürlich Entscheidungen treffen, manche davon enttäuschen Spieler. Aber eines ist klar: Ich entscheide nie etwas gegen eine Person, es geht nur um Leistung. Es gibt eine Schwierigkeit, denn als Trainer hast du es mit Spielern aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen zu tun, jeder von ihnen hat eine eigene Erziehung genossen, hat unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen und natürlich einen ganz eigenen Charakter. Deshalb habe ich zuletzt an einer Fortbildung beim Deutschen Fußball-Bund teilgenommen, bei der es unter anderem auch um interkulturelle Handlungskompetenz ging. Ich will wissen, wie ich als Trainer so gut wie möglich auf jeden Einzelnen eingehen kann.

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