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Eintracht Frankfurt : „Träumen darf man immer“

Filip Kostics erster Streich: Sebastien Haller herzt den Torschützen nach dem Treffer zum 1:0. Bild: Jan Huebner

Die Eintracht bleibt im Jahr 2019 ohne Niederlage und springt auf Platz vier, der in die Champions League führt. Einer wagt sogar schon eine Prognose, warum die Frankfurter dort eine Bereicherung wären.

          Am Ende eines spannenden Nachmittags ließ Adi Hütter seinen Blick noch einmal durch den Raum im Souterrain des Stadions gleiten. Beim Betrachten der großformatigen Tabelle, die rechts von ihm an der Wand hing, hielt er kurz inne. Die Mimik des Trainers verdeutlichte dabei noch mehr als die Worte, mit denen er das 3:0 gegen den VfB Stuttgart Revue passieren ließ, dass er zufrieden ist, wie seine Mannschaft den Schlussspurt der Saison eingeläutet hat: Durch den Sieg gegen die Schwaben stieß die Eintracht auf den vierten Rang des Klassements vor. Es war der fünfte Erfolg in der Bundesliga in Serie für die Frankfurter, die seit der Winterpause bei allen Auftritten ungeschlagen blieben.

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          Mit nunmehr 49 Punkten schoben sich die Frankfurter auch an der Borussia aus Mönchengladbach vorbei, die sich gegen Düsseldorf einen Ausrutscher (1:3) geleistet hatte. Diese Vorlage nahm Hütters Auswahl dankend auf. „Wir haben unsere Chance genutzt“, sagte der Coach, der auf die sich nun bietenden Perspektiven anfügte: „Träumen darf man immer.“ Sein Optimismus sei gewachsen, dass es gelinge, die Vereinsgeschichte um ein weiteres glanzvolles Kapitel zu ergänzen.

          „Unsere Balance zwischen Defensive und Offensive stimmt. Es passt“, sagte Hütter, der den Beitrag von Filip Kostic zum nächsten Schritt in die gewünschte Richtung hervor hob, doch ihn nicht in den Mittelpunkt seiner Betrachtung stellte: „Ich habe Filip vom ersten Tag an als Profi mit einer Top-Einstellung und tollen Menschen kennengelernt“, sagte der 49-Jährige über den Doppeltorschützen (45. und 64. Minute), dem bis zu seinem Wechsel an den Main im vorigen Sommer der Ruf als wankelmütiger Zeitgenosse anhaftete: „Auch heute haben wir gesehen, wie wertvoll Filip für uns ist“, sagte Hütter über den Matchwinner, der „unglaublich viel Freude“ bereite. Der Applaus für ihn bei der Auswechslung in der 89. Minute „spricht Bände“, meinte der Trainer. Ihm sei es aber grundsätzlich „egal, wer bei uns die Tore macht, Hauptsache sie fallen“. So kann sich äußern, wer über solch eine Vielzahl an Protagonisten verfügt, die auf ihre Art ein Scherflein zur Offensiv-Power beisteuern.

          Der Österreicher schickte gegen Stuttgart seine nominell beste Elf ins Rennen. In vorderster Reihe vertraute er Sébastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic. Die Idee, das Trio gemeinsam aufzubieten, war dem Coach im Hinspiel gegen den VfB gekommen – seitdem gehört es mit seiner Stoßkraft zu den Triebfedern der anhaltenden Hochkonjunktur. Angeführt wurde das Team von Gelson Fernandes. Der auf den Kapverdischen Inseln geborene und in der Schweiz aufgewachsene Profi trug diesmal eine Kapitänsbinde, die eine europäische Flagge zierte. Damit wollte der Klub in Zeiten des Brexit ein „Zeichen für den europäischen Grundgedanken“ setzen, wie Sportvorstand Fredi Bobic die Aktion begründete.

          Dass auch in der kommenden Runde Frankfurter Partien auf internationalen Bühnen folgen, ist durch das Resultat vom Sonntag noch realistischer geworden. Hätte Jovic zu Beginn die erste Möglichkeit so konsequent genutzt wie später beim 3:0 (84.), wäre das Geschehen aus Sicht der Eintracht ein gutes Stück nervenschonender vonstatten gegangen. So aber entschied sich der Serbe, als er nach 180 Sekunden im Strafraum aufkreuzte für einen Schlenker zu viel, so dass Verteidiger Ozan Kabak noch einen Fuß dazwischen brachte. Wie überhaupt die Stuttgarter eine widerstandsfähige Gangart wählten, die den Hessen zunächst nicht sonderlich behagte. Marc-Oliver Kempf, der aus der Talentschmiede am Riederwald stammt, hatte dabei vor der Pause Pech; sein Kopfball, der auch über Kevin Trapp hinweg flog, knallte an die Latte (7.).

          Während Haller (16.) und Jovic (40.) es verpassten, aus vielversprechenden Szenen Profit zu schlagen, zeigte Kostic, dass es ihm gelingt, auch für komplizierte Fälle momentan eine passende Lösung zu finden: Der 26-Jährige setzte nach einem schon abgewehrten Vorstoß von Jovic nach, eroberte den Ball zurück und drosch ihn aus spitzem Winkel ins Netz (45.).

          Mit einem Konter, der so einwandfrei vorgetragen wurde, dass er als Paradebeispiel jedes Fußball-Lehrvideo schmücken würde, gewann die Eintracht nach dem Seitenwechsel die Oberhand: Jovic schlug die Kugel aus der eigenen Hälfte nach vorne, Rebic stoppte sie elegant und leitete sie nach einer Körperdrehung exakt in den Lauf von Kostic weiter, der durch die Beine von Zieler mit dem linken Fuß formvollendet im Sprint zum 2:0 abschloss (64.). Kostic, der mit Standing Ovations bei seiner Auswechslung vom Publikum bejubelt wurde (89.), antwortete später bei der Frage, ob er sich in der Form seines Lebens befinde, kurz und knapp: „Ja“ – und zog sich schmunzelnd hinter die Kulissen zurück.

          Redeseliger war Sebastian Rode, der den Kollegen zum einen dafür lobte, „was für ein enormes Pensum er Woche für Woche abspult“. Kostic sei für das Wohlergehen des Kollektivs „enorm wichtig“ und habe auch durch vier Treffer in den vergangenen fünf Begegnungen dazu beigetragen, dass die Eintracht in spektakuläre Höhen kletterte: „Den vierten Platz wollen wir jetzt nicht mehr hergeben“, betonte der 28-Jährige und wagte eine Prognose für die Eintracht, die auch aufgrund seiner Erfahrung in Dortmund und München als durchaus relevant gelten kann: „Mit der Truppe, der Euphorie und den Fans im Rücken wären wir auf jeden Fall eine Bereicherung für die Champions League.“

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