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Auch neuer Teammanager kommt : Das Gerüst der Eintracht steht schon

  • -Aktualisiert am

Markus Krösche, hier mit dem Leipziger Vorstandsvorsitzenden Oliver Mintzlaff (rechts), weiß schon, wie sich die Eintracht-Sitze anfühlen. Bild: Imago

Wären Profiverträge bindend, hätte Eintracht Frankfurt Kader und Sportführung für nächste Saison in der Fußball-Bundesliga beisammen. Fehlt nur noch der Trainer.

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          Das letzte Spiel dieser Bundesligasaison gegen den SC Freiburg hat nur noch statistischen Wert. Nach dem Schock durch das 3:4 auf Schalke, das alle Hoffnungen auf die Champions League zerstörte, richten sich bei der Frankfurter Eintracht während des Wundenleckens die Gedanken nur noch auf die neue Spielzeit. Vor wenigen Wochen schien es manchen noch so, als wäre die Eintracht in Auflösung begriffen, nun zeichnen sich feste Strukturen ab und ein jetzt schon spielfähiger Kader.

          Bundesliga
          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Mit Markus Krösche ist der neue Sportvorstand für Fredi Bobic gefunden und auch eine weitgehende Lösung für die Nachfolge von Sportdirektor Bruno Hübner. Chefscout und Kaderplaner Ben Manga stieg mit erweiterten Kompetenzen zum Direktor Profifußball auf, und demnächst wird die Verpflichtung von Timmo Hardung als Teammanager bekanntgegeben. Krösche bringt den 31-Jährigen von RB Leipzig mit. Ursprünglich wollte Trainer Julian Nagelsmann, dass ihn Hardung zum FC Bayern begleitet, aber der Plan zerschlug sich.

          „Ich hätte das durchboxen können, aber es muss auch sinnhaft sein. Das Stellenprofil wird bei Bayern schon von anderen Personen ausgefüllt“, sagte Nagelsmann gegenüber dem Fachmagazin Kicker. Der neue Bayern-Coach lobte Hardung: „Er wurde schon Sportdirektor zwei genannt, als Markus (Krösche, die Red.) noch da war. Er hat in Leipzig einen sehr guten Job, in dem er aufgeht.“ Ohne Nagelsmann und ohne Krösche fehlen Hardung in Leipzig seine geschätzten Bezugspersonen. Hardung war in Leipzig vor allem Organisationschef, in Frankfurt könnte er zusätzlich auch noch Kontaktmann zur Mannschaft sein. Ob die Eintracht für diese Aufgabe einen zusätzlichen Manager einstellt, ist ungewiss.

          Silva und Kostic heiß begehrt

          Hätten Verträge im Profifußball bindenden Charakter, man könnte sogar davon sprechen, dass die Eintracht ihren Kader für die kommende Saison schon weitestgehend beisammen hat. Nur ein Kontrakt läuft aus, kein Spieler hegt panische Fluchtgedanken, kein Profi soll von Vereinsseite unbedingt in die Wüste geschickt werden. Aber natürlich ist der Markt in Bewegung, und natürlich sondieren Klub wie auch Spieler Chancen und Risiken. Wobei die Corona-Pandemie und ihre weitere Entwicklung einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor darstellt.

          Stand jetzt können die Frankfurter auch nach dem Sommer auf ihren jetzigen Kader bauen – abzüglich Luka Jovic, dessen Ausleihvertrag mit Real Madrid ausläuft, sowie Jetro Willems, dessen Vertrag nicht verlängert wird. Der Niederländer kam aber schon in dieser Spielzeit nicht mehr zum Einsatz. Dazu kehren die an andere Klubs verliehenen Frederik Rönnow, Danny da Costa, Dominik Kohr, Rodrigo Zalazar, Dejan Joveljic und Gonçalo Paciência zurück. Weiterhin wurden schon Christopher Lenz (Union Berlin), Ali Akman (Bursaspor), Diant Ramay (Heidenheim) und Fabio Blanco (CF Valencia) verpflichtet. Stand jetzt besitzen 30 Profis eine Spielverpflichtung mit dem Frankfurter Bundesligaklub, dazu kommen noch die Nachwuchsspieler von den eigenen Junioren: Stendera, Otto und Irorere.

          Der Ausleihvertrag mit Real Madrid läuft aus: Luka Jovic (Mitte)
          Der Ausleihvertrag mit Real Madrid läuft aus: Luka Jovic (Mitte) : Bild: EPA

          Aber es wäre völlig unrealistisch, davon auszugehen, dass der Status quo auch nur annähernd erhalten bleibt. Angebot und Nachfrage bestimmen das Ausmaß der Fluktuation. André Silva und Filip Kostic sind heiß begehrt, Daichi Kamada und Evan Ndicka stehen ebenfalls auf vielen Einkaufslisten. Die Einstellung der Eintracht dazu? Wer gehen will, kann gehen, aber die Ablöse muss stimmen. Der Verein ist zwar nicht gezwungen, Profis zu verkaufen, aber in Zeiten großer Einnahmeverluste durch die Pandemie sind Transferüberschüsse willkommen. Zudem besteht großes Vertrauen in den Sportvorstand, den Direktor Profifußball und dessen Scoutingabteilung, verloren gegangene Leistungsträger durch Neuzugänge adäquat zu ersetzen.

          Neue Strategie bei Zugängen

          Wobei das Alter der bis jetzt verpflichteten neuen Profis schon die Strategie andeutet. Mit Lenz (26) wurde nur ein gestandener Profi geholt, mit Akman (19), Ramay (19) und Blanco (17) drei Talente, denen eine große Karriere zugetraut wird. In diesem Verhältnis wird es in etwa weitergehen. Vorstandssprecher Axel Hellmann spricht von einem neuen Weg der Eintracht, um den Aufwärtstrend fortsetzen zu können. Durch die Pandemie sind die Fernseheinnahmen gesunken, das Ticketing ist weggebrochen, die sonstige Vermarktung stagniert. Der Transfermarkt ist als eine neue Geldquelle erkannt worden. In größerem Stil sollen Talente entwickelt und mit Gewinn weiterverkauft werden. Dabei ist angedacht, einige gleich nach der Verpflichtung erst einmal weiterzuverleihen.

          Aber der Kader kann auch nicht maßlos aufgebläht werden. Wie viele Neue kommen, hängt davon ab, wie viele Alte gehen. Die Eintracht hätte im Sinne von mehr Handlungsspielraum nichts dagegen, wenn da Costa und Kohr in Mainz blieben, wo sie in der Rückrunde einen maßgeblichen Anteil am Klassenverbleib der Rheinhessen hatten. Torwart Rönnow, Gonçalo Paciência, Steven Zuber und Ajdan Hrustic würden bei einflatternden Angeboten wohl auch nicht unbedingt zum Bleiben überredet werden. Aber für sie alle gilt genauso wie bei Jovelic, Zalazar, Ache, Barkok und Touré, dass sie in der Sommervorbereitung die Gelegenheit bekommen, den neuen Trainer von sich zu überzeugen.

          Wie der neue Übungsleiter heißen wird? Das steht noch nicht fest, aber das Anforderungsprofil ist klart definiert: internationale Erfahrung, mehrsprachig (inklusive deutsch), Talententwickler, Teamplayer, kommunikativ und mit einer Affinität zum aggressiven Spielstil und der Vereinskultur der Eintracht. Seit diesem Mittwoch steht fest: Gerardo Seoane wird es nicht. Der Schweizer schließt sich Bayer Leverkusen an. Die Zukunft der Eintracht ist also noch weit offen. Aber das Gerüst und das Konzept, sie erfolgreich zu gestalten, bestehen schon.

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