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0:2 in Frankfurt : Tabellenführer Leipzig stolpert

  • -Aktualisiert am

Nicht sein Tag: Timo Werner und Leipzig blieben in Frankfurt torlos. Bild: dpa

Ein Sieg wider die Gerechtigkeit: Die Frankfurter Eintracht besiegt das lange überlegene Team von RB Leipzig dank einer Leistungssteigerung in Halbzeit zwei. Touré ebnet den Weg. Und der Spitzenreiter stolpert.

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          Es gibt viele Hindernisse auf dem Weg zur deutschen Fußball-Meisterschaft, RB Leipzig ist am Samstag über ein relativ niedriges gestolpert. Die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann unterlag der Frankfurter Eintracht 0:2, obwohl sie zunächst das deutlich bessere Team gewesen ist und dem Gegner über 90 Minuten nur zwei Torchancen gönnte. Doch nach Toures 0:1 in der 48. Minute offenbarte Leipzig neben spielerischer Dominanz auch eine gewisse Einfallslosigkeit, wenn es am Frankfurter Strafraum darum ging, konkret zu werden. In der Nachspielzeit erhöhte dann Kostic sogar noch auf 2:0 gegen die entblößte RB-Abwehr.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Während die Leipziger zuletzt häufiger einmal die erste Halbzeit verschliefen und dann aufdrehten und überzeugend gewannen, wurden sie diesmal nach hellwachem Start immer schläfriger. Vielleicht löst ein zweites Schlafseminar dieses Problem, nachdem Nagelsmann sein Team in dieser Woche zum ersten Mal in diesem Thema weitergebildet hatte. Die gute Nachricht für Leipzig: Sie verpflichteten den spanischen U-21-Europameister Dani Olmo von Dinamo Zagreb. Der 21-Jährige kostet eine fixe Ablöse von zwanzig Millionen Euro, die sich durch Boni noch auf dreißig Millionen Euro erhöhen kann.

          Wie schön, wenn Fußballprofis auf ihre Trainer hören. Julian Nagelsmann hatte seine Leipziger vor der Begegnung mit den Frankfurtern nahe gelegt, auf dem Platz nicht so sehr an taktische Dinge zu denken, sondern viel mehr daran, auf das richtige emotionale Level zu kommen. „Wir müssen bereit sein, zu kämpfen, zu kratzen und zu beißen“, hatte es Nagelsmann eingedenk seiner schlechten Eintracht-Erfahrungen mit Hoffenheim formuliert. Oft war sein Team die bessere Mannschaft gewesen, selten hatte sie gegen die rauen und ruppigen Frankfurter gewonnen, zuletzt ein 2:3 hinnehmen müssen, trotz Führung bis zur 89. Minute.

          Sein Leipziger Team beherzigte seine Forderung in der ersten Halbzeit in einem Maße, dass sie die gefürchtet aggressiven Frankfurter wie Schoßhündchen aussehen ließen. Bis auf Sebastian Rode machten die Leipziger mit ihren Gegenspielern, was sie wollten, dominierten das Spiel, kamen bis zum Pausenpfiff zu zwölf Torschüssen – und gingen doch nicht in Führung. So zwingend die Aktionen im Spielaufbau und gegen den Ball waren, im und am Eintracht-Strafraum ging ihnen die Präzision und die letzte Entschlossenheit verloren. Werner und Nkunku scheiterten mit ihren Schüssen am aufmerksamen Frankfurter Torwart Trapp, Schick setzte einen Kopfball etwas zu hoch an, das waren schon die besten Gelegenheiten, ein Tor zu erzielen, wenn man von Nkunkus Dribbling an drei Abwehrspielern vorbei bis zur Torauslinie absieht. Seine Hereingabe fand jedoch keinen Abnehmer.

          Dass Fußball nicht im Ansatz etwas mit Gerechtigkeit zu tun haben muss, wenn es um das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag geht, zeigte sich wieder einmal nach anderthalb Minuten der zweiten Halbzeit. Eintracht-Innenverteidiger Hinteregger wurstelte sich nach einem Einwurf irgendwie bis zur Leipziger Torauslinie durch und spielte den Ball im Fallen zur Strafraumgrenze. Dort stand Außenverteidiger Toure und schoss den Ball umstandslos ins Tor. 1:0 für die Eintracht – eine Laune der Fußball-Natur.

          RB reagierte wie es viele junge, unerfahrene und begabte Mannschaften tun – das Team versuchte sofort und mit aller Macht, den Ausgleich zu erzielen. Dabei vergaßen die Spieler allerdings im Gegensatz zur ersten Halbzeit die Balance zwischen Offensive und Defensive. Drei Minuten nach dem 1:0 hätte Kostic für Frankfurt erhöhen können, als er frei auf Torwart Gulacsi zulaufen konnte. Der Ungar vermochte den Ball abzuwehren.

          Trainer Nagelsmann ging auch auf volles Risiko: Er nahm in der 66. Minute Mittelfeldspieler Laimer vom Feld und ersetzte ihn durch Mittelstürmer Poulsen. Das Spiel verlagerte sich nun noch mehr in Richtung Frankfurter Strafraum, doch richtig gefährlich wurden die Angriffe von RB nicht mehr. Die im Wintertrainingslager neu erarbeitete Raumordnung der Frankfurter Abwehr wirkte bestens, Leipzig spielte und spielte, fand aber keinen Weg durch das Verteidigungsdickicht. Bis zum Schlusspfiff erspielten sich die Leipziger keine zwingende Möglichkeit zum Ausgleich mehr und mussten sogar noch in der Nachspielzeit das 0:2 durch Kostic hinnehmen.

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