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Corona kostet 20 Millionen : Die Eintracht steigt in die Eisen

  • -Aktualisiert am

Vorsichtiger Kaufmann: Fredi Bobic weiß um die Lage. Bild: dpa

„Wir fahren auf null runter“: Wegen der Corona-Krise legt Sportvorstand Bobic eine Transferbremse ein. Die Lage des Klubs sieht er dennoch positiv. Mit Trainer Adi Hütter möchte er alsbald verlängern.

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          Die Frankfurter Eintracht wollte in der neuen Saison angreifen, daraus wird nichts. „Wir machen im Sommer eine Vollbremsung“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic am Mittwoch und nannte bei seiner Abschluss-Pressekonferenz Zahlen, die die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Geschäfte seines Klubs wiedergeben. 20 Millionen Euro an Einnahmen habe die Pandemie den Verein in den letzten drei Monaten der Saison gekostet. „Wir wollten die Umsatzmarke von 300 Millionen Euro knacken, es sind 280 Millionen Euro geworden“, sagte Bobic über ein ansonsten „wirtschaftlich hervorragendes Jahr“ mit Sondereinnahmen aus Europa League und DFB-Pokal, einer Stadionauslastung von weit über 90 Prozent und ausverkauften Angeboten im Vip- und Logenbereich sowie im Sponsoring und Marketing.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Für die Saison 2020/21 kalkuliert die Eintracht nur noch mit einem Umsatz von 140 Millionen Euro. Grundlage für die Rechnung ist die Annahme, dass im Kalenderjahr 2020 keine Zuschauer mehr zu den Heimspielen ins Stadion dürfen und in der Rückrunde keine Zutrittsbeschränkungen für Besucher mehr bestehen werden.

          Die finanziellen Reserven, die sich die Eintracht zuletzt zulegen konnten, werden nun nicht mehr wie vorgesehen zu einem Teil in die Entwicklung des Spielerkaders gesteckt, sondern in die Deckung des Etats. „Wir fahren auf null runter“, formulierte es Bobic. Soll heißen: Erst wenn die Eintracht Geld auf dem Transfermarkt einnimmt, gibt sie wieder welches aus. Erstmal werden kein Spieler verkauft und keiner wird gekauft. Erträglich wird die Situation dadurch, dass die Hessen schon über einen bundesligatauglichen Lizenzspielerkader verfügen: „Trainer Adi Hütter und ich sind uns einig, dass wir schon jetzt konkurrenzfähig sind. Aber natürlich wären einige Optimierungen wünschenswert.“

          Geringes Kaufinteresse

          Bobic ist zurückhaltend mit seiner Einschätzung, wie sich der Fußballmarkt entwickeln werde, da niemand wisse, wie sich die Pandemie entwickele: „Aber ich denke, die Preise werden sinken, alle werden vorsichtig sein.“ Der Eintracht gehe es vergleichsweise sogar gut: „Wir können die Auswirkungen von Corona eleganter abfedern als viele Konkurrenten im Mittelfeld der Tabelle. Aber die Schere zu den ganz großen Teams geht noch weiter auseinander.“ Bobic erwartet eine Schwemme auf dem Spielermarkt, vor allem, wenn auch die Profiligen in England, Spanien und Italien Ende Juli ihre Spielzeiten beendet haben werden: „Schon jetzt werden uns unheimlich viele Spieler günstig angeboten und bei dem einen oder anderen würden wir gerne sofort zuschlagen. Aber wir gehen nicht in Vorkasse.“

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          Zudem wäre es gegenüber den Profis im Kader nicht fair, bei ihnen am Gehalt sparen zu wollen, andererseits hohe Ablösesummen zu zahlen. Für drei Monate – von April bis Juni – hatten die Eintracht-Profis auf 20 Prozent Gehalt verzichtet. Nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub wird das Thema angesichts der fortgesetzten Einnahme-Einbußen wieder angeschnitten werden.

          Es befinden sich indes nicht sehr viele Profis im Eintracht-Kader, an denen ein starkes Kaufinteresse besteht. Natürlich Filip Kostic, dann Evan Ndicka, Daichi Kamada, Martin Hinteregger, vielleicht noch Ersatztorwart Frederik Rönnow. Der Däne möchte unbedingt die Eintracht verlassen, da er keine Chance sieht, Kevin Trapp von der Position Nummer eins zu verdrängen. „Ich würde es sehr gerne sehen, wenn Frederik bleibt. Aber ich möchte auch, dass er glücklich ist“, sagt Bobic, der sich von den Fortschritten Rönnows beeindruckt zeigt. „Er hat bewiesen, als er Trapp vertreten hat, dass er sehr gut in der Bundesliga bestehen kann. Und er ist ein guter Junge.“ Obwohl nur wenige Arbeitsstellen als Torhüter zu vergeben sind, kann sich der Sportvorstand der Eintracht vorstellen, dass Angebote für den Dänen kommen werden: „Wenn die Kollegen gut hingeschaut haben.“

          Was wird aus Kostic?

          Am wahrscheinlichsten ist ein Wechsel von Kostic. Aber so sicher, wie dessen Weggang vor Corona schien, ist er längst nicht mehr. „Filip fühlt sich sehr wohl in Frankfurt. Ich kann nicht einschätzen, ob ein prominenter Klub kommen wird und eine angemessene Ablöse bieten wird.“ Falls das geschehen würde und Kostic Lust zum Wandern hätte, würde Bobic zu seinem Wort stehen und ihn ziehen lassen. Mit diesem Versprechen hatte ihn der Sportvorstand im vergangenen Sommer bewogen, noch ein Jahr zu bleiben, nachdem das Sturmtrio Haller, Jovic und Rebic gegangen war. Unbedingt gehalten werden soll Kamada. „Er hat außergewöhnliche Fähigkeiten“, so Bobic. Mit dessen Beratern sei er in Kontakt: „Es liegt alles auf dem Tisch.“

          Über ein paar Abgänge wäre Bobic allerdings auch froh. Mit 33 Profis ist der Kader zu groß, wenn nicht noch die Europa League gewonnen wird, wonach es nach dem 0:3 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Basel nicht aussieht. Kein Europacup wäre kein Problem für Bobic: „Ich wäre froh, wenn wir mal durchschnaufen könnten und der Trainer in Ruhe die Mannschaft Spiel für Spiel vorbereiten könnte“.

          Für Ergänzungsspieler wie Durm und Torro verschlechtern sich jedoch die Einsatzchancen noch, wenn weniger Spiele anstehen. Für einige zurückkehrende Leihspieler wie Cavar und Barkok scheinen ohnehin keine Perspektiven zu bestehen. Auf den Brasilianer Tuta, der sich in Kortrijk sehr stark entwickelt habe, freue er sich, meinte Bobic. Aber noch sei alles offen, erst gegen Ende der Transferzeit am 5. Oktober werde man klarer sehen.

          Eine Personalie möchte er jedoch schon deutlich früher abgehandelt haben: Die Verlängerung des 2021 auslaufenden Vertrages mit Cheftrainer Hütter. „Im Juli oder August werden wir uns zusammensetzen“, berichtete Bobic. „Er sieht es auch ganz entspannt. Ich habe da keine Sorgen. Wir wissen, was wir an ihm haben, und er ist glücklich bei der Eintracht. Es passt mit ihm.“

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