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Eintracht Frankfurt : Neustart im Trüben

Bekanntes Gesicht, neues Terrain: Thomas Schaaf soll bei der Eintracht für Kontinuität sorgen Bild: dpa

Auf Norderney will der neue Coach Thomas Schaaf die Eintracht auf Kurs Bundesligastart bringen – allerdings hat er bei diesem ersten Trainingslager einige Sorgen im Gepäck.

          4 Min.

          Bei Eintracht Frankfurt hat Thomas Schaaf seit dem 1. Juli offiziell das Sagen. Der neue Trainer, zuvor vierzig Jahre beim SV Werder Bremen beschäftigt, geht seine Aufgabe bei den Hessen mit Optimismus an. Wunschlos glücklich ist er aber längst nicht. Ins erste Trainingslager, das ihn und das Team an diesem Sonntag zurück in den Norden, auf die Insel Norderney führt, bricht er mit einigen personellen Sorgen im Gepäck auf.

          Die Sturmschwäche

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Nur die Absteiger schossen öfter daneben. Neben Eintracht Braunschweig und dem 1. FC Nürnberg, die beide in die zweite Fußballklasse herabgestuft wurden, besaß die Eintracht in der vergangenen Saison mit nur vierzig Toren in 34 Spielen die schlechteste Offensive der Bundesliga. Und die Besetzung ist seitdem nicht besser geworden.

          Mit dem Abgang des Spaniers Joselu, dem immerhin neun Treffer gelungen waren, haben sich die Offensivnöte der Hessen zu einem formidablen Problem entwickelt. Stand jetzt kann Thomas Schaaf nur mit zwei Angreifern arbeiten. Zum einen mit dem Tschechen Vaclav Kadlec, der in den vergangenen Monaten so glücklos agierte, dass er seinen Platz in der Nationalmannschaft verlor; das Selbstvertrauen des Mannes mit den schmalen Schultern, für den die Hessen im vorigen Sommer fast vier Millionen Euro bezahlten, ist dadurch nicht größer geworden. Außerdem ist da noch Luca Waldschmidt, der Zweite im Bunde für den Job in der ersten Reihe. Er ist gerade 18 Jahre alt geworden - und absolvierte noch nicht eine Partie bei den Profis.

          Und jetzt droht auch noch Armin Veh, der ehemalige Chefcoach der Eintracht, seinem früheren Arbeitgeber in die Quere zu kommen. Sein Spezi Bruno Hübner versucht gerade, im zweiten Anlauf, den Deal mit Niklas Bendtner einzufädeln. Doch der steht plötzlich auch beim VfB Stuttgart auf dem Wunschzettel. Veh wollte den Dänen schon 2013 zur Eintracht lotsen, scheiterte aber am Veto von Vorstandschef Heribert Bruchhagen, der den umstrittenen Angreifer für zu teuer und wenig pflegeleicht hielt.

          Bendtner, der sich abseits des Platzes schon einige Fehltritte geleistet hat, ist mittlerweile ablösefrei zu haben. Der Stürmer kam zuletzt für den FC Arsenal aus London nur auf 14 Pflichtspiele (zwei Tore), sein auslaufender Kontrakt wurde nicht verlängert. Für Hübner, den Frankfurter Sportdirektor, ist die Suche nach dem richtigen Mann vor allem ein Geduldsspiel: „Wir machen das in Ruhe, wollen den Richtigen holen, einen Spieler mit Perspektive.“ Stand jetzt sind die Möglichkeiten des Eintracht-Teams in der Offensive nicht gerade bundesligatauglich.

          Die Sorgenkinder

          Takashi Inui muss künftig besser zuhören. Einen Dolmetscher, der ihm erklärt, was Trainer und Kollegen von ihm erwarten, bekommt der Japaner von sofort an nicht mehr zur Verfügung gestellt. Schaaf sagte, dass er erwarte, dass sich der 26-Jährige unter seiner Regie alleine zurechtfinde und es dennoch mit der Kommunikation klappen werde. Veh hatte diese Hoffnung auch, wurde aber enttäuscht. Schaaf sagt nun: „Wenn ich über den Platz rufe, wird Takashi Inui schon verstehen, um was es geht.“

          Er ist seit 2011 Profi in Deutschland, seinem Debütjahr in Bochum folgte der Wechsel nach Frankfurt, wo er nun vor seiner dritten Spielzeit steht. Seine Integration ist noch immer nicht abgeschlossen. Im Team war er zuletzt als Einzelgänger bekannt, der weder auf Englisch noch auf Deutsch merklichen Wert auf ausgiebigen Kontakt zu seiner Umgebung legte.

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