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Eintracht-Profis Sow und Jakic : Das Duo mit Drive

Zusammen stärker: Kristijan Jakic und Djibril Sow (Zweiter und Dritter von links) Bild: Huebner

Djibril Sow und Kristijan Jakic haben das Frankfurter Mittelfeld stabilisiert. Und auch, wenn sie bei Trainer Oliver Glasner „fast einen Herzinfarkt“ auslösten, stehen sie doch für den Aufschwung der Eintracht.

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          Der Frankfurter Trainer Oliver Glasner traute in der WM-Arena seinen Augen nicht. Es war weit in der zweiten Halbzeit des Heimspiels gegen Union Berlin (2:1), als am vergangenen Sonntag die beiden defensiven Mittelfeldspieler Djibril Sow und Kristijan Jakic gemeinsam im Berliner Strafraum Stellung bezogen. „Da hatte ich fast einen Herzinfarkt“, berichtete Glasner hinterher von dem Schreckmoment. So viel Risiko im Eintracht-Spiel war dem 47 Jahre alten Österreicher nicht geheuer. Die „Wildheit“ seiner munter drauflosstürmenden Spieler störte ihn. „Wir sind noch nicht in jeder Situation taktisch diszipliniert genug“, sagte Glasner, fügte aber auch hinzu: „Wenn du nicht taktisch manchmal ein bisschen undiszipliniert bist, würde ein Innenverteidiger nicht ein Tor erzielen.“

          Bundesliga
          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          In der fünften Minute der Nachspielzeit traf Evan Ndicka mit dem Kopf zum 2:1. Der Mut, aufs Ganze zu gehen, hatte sich abermals bezahlt gemacht. Die Frankfurter, die an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga sowie bei Sky) in Hoffenheim antreten, sind nun seit sechs Spielen (vier Siege, zwei Unentschieden) unbesiegt.

          Jakic und Sow sind im Zentrum zu einem Duo mit Drive geworden, auch sie haben ihren Anteil am Aufschwung der Eintracht. Vor allem der Schweizer Nationalspieler hat Schwung in sein Spiel gebracht. Vorbei die Zeiten, in denen sich der 24-Jährige auf dem Platz in falscher Zurückhaltung übte. Die Pässe lieber nach hinten oder zur Seite spielte und so das Tempo verschleppte. Heute hingegen übernimmt Sow, dem gegen Union mit einem strammen Distanzschuss das 1:0 gelang, vermehrt die Initiative. Ist selbstbewusster geworden und traut sich im Stil eines Führungsspielers etwas zu.

          Sows Stellenwert ist gestiegen

          Grund dazu hat er genug. Bei allen 19 Pflichtspielen in dieser Saison stand er in der Startformation. Hinter Torhüter Kevin Trapp weist Sow die meisten Pflichtspielminuten (1640) auf. Was seine Laufleistung mit 146,6 Kilometern in der Liga angeht, liegt nur der Bielefelder Manuel Prietl vor ihm. Und 7,5 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit und 88,4 Prozent angekommene Pässe bedeuten bei ihm jeweils Bestwert im Frankfurter Kader. Sows Stellenwert ist deutlich gestiegen.

          Für ihn sei es wichtig, „wenn mir einer den Rücken freihält“, sagt der Vielspieler Sow über seinen Teamkollegen auf der Doppelsechs, Jakic. Wie der Schweizer ist der Kroate sehr laufstark. Sein Aktionsradius ist bemerkenswert. Jakic und Sow ergänzen sich gut. Während der Schweizer dank seiner technischen Fähigkeiten der elegantere Spieler ist, verfügt Jakic über einen enormen Kampfgeist, der ihn in den Zweikämpfen zu einem unerbittlichen Gegenspieler macht. „Man merkt, dass Djibril und Kristijan ein Gefühl füreinander entwickelt haben. Wann der eine die Position halten muss und der andere sich offensiv einschaltet“, sagt Sportvorstand Markus Krösche.

          Jakic hat noch Ziele

          Das Wechselspiel funktioniert immer besser. Unter dem Strich agieren Sow und Jakic jetzt mehr, als nur auf den Gegner zu reagieren. Im Duell mit den Berlinern bot sich Jakic eine hervorragende Kopfballchance zum 2:0. Sein Steilpass zu Jesper Lindström war sehenswert. Diese Szene bewies, dass auch fußballerische Klasse in dem Kroaten steckt. Neben größerer taktischer Disziplin hat sich Jakic vorgenommen, die Bälle früher abzuspielen.

          Für die Eintracht absolvierte Jakic bisher 14 Partien, lediglich gegen Leipzig musste er aus Verletzungsgründen passen. Berücksichtigt man außerdem die Begegnungen, die der Kroate vor seinem Wechsel nach Frankfurt für Zagreb in der Champions-League-Qualifikation bestritten hat, kommt er in dieser Runde auf bislang 26 Vereinseinsätze. Damit fällt auch Jakic in die Kategorie Vielspieler.

          Aktuell ist personelle Kontinuität Trumpf bei der Eintracht. In die zurückliegenden drei Spiele starteten die Hessen immer mit der gleichen Aufstellung. Zu ihr gehörte Makoto Hasebe, der als umsichtiger Abwehrchef und mitspielender Libero das Spiel von Sow und Jakic stärkt. Deren gute Form gibt Glasner die Möglichkeit, Sebastian Rode nach dessen Knieverletzung über Kurzeinsätze behutsam in die Mannschaft einzugliedern. Eine Neuverpflichtung im Winter für die Schaltzentrale im Mittelfeld hält Glasner nach jetzigem Stand für unnötig. Das zeigt ihm sein Personal auf dem Platz mit guten Leistungen.

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