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Eintracht Frankfurt : Mit Tee ans Ziel der Träume

Vielseitig: Auch Djibril Sow kommt radelnd zum Eintracht-Training. Bild: Jan Huebner

Makoto Hasebe und Djibril Sow wollen mit dem Fußball-Bundesligaklub Eintracht Frankfurt in die Champions League. Der Schweizer hat sich dafür einiges vom Japaner abgeschaut.

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          Makoto Hasebe weiß, worauf es ankommt. „Große Ziele sind wichtig“, sagt das Urgestein der Eintracht. 37 Jahre alt ist der Japaner schon – doch von Müdigkeit keine Spur. Der Spielstratege, seit 2014 für die Frankfurter am Ball, hat am Mittwoch mit seinem Mittelfeldkollegen Djibril Sow verbal Doppelpass gespielt. Beide sind sich einig: „Wir wollen etwas Großartiges erreichen.“ Ein Ziel, das einen Namen hat: Champions League. „In der Mannschaft haben wir darüber noch nicht gesprochen“, sagt Hasebe, der „stolz“ ist, einer der Stellvertreter von Kapitän Sebastian Rode zu sein. „Aber wir haben eine gute Qualität und einen breiten Kader. In der letzten Saison haben wir das Ziel Champions League ja leider verpasst.“

          DFB-Pokal
          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Der Schweizer Sow, 13 Jahre jünger als Hasebe, sieht sich an einem möglichen Wendepunkt seiner Karriere. „Es hieß ja immer, dass ich der Spieler von Trainer Hütter gewesen bin“, sagt er. „Jetzt wird auch eine Last von mir genommen.“ Hütter ist weg, versucht sein Glück bei der Gladbacher Borussia. Dass sein österreichischer Landsmann Glasner Nachfolger bei der Eintracht geworden ist, wertet Sow als Vorteil. „Oliver Glasner ist ein Trainer, der mich weiterbringen kann.“

          Mehr Einsätze, mehr Tore, mehr Vorlagen – alles ist möglich beim laufstarken Mittelfeldarbeiter Sow, der in der vergangenen Saison 28 Mal in der Bundesliga gespielt, aber bei lediglich zwei Assists kein Tor erzielt hat. Da ist noch deutlich Luft nach oben. „Der Trainer arbeitet sehr detailliert“, sagt Sow. „Das ist gut für meine Entwicklung.“

          Muster an Solidität

          Wer wissen will, wie man es auch noch im hohen Alter zu einem verlässlichen Profispieler von Format bringen kann, muss nur auf Hasebe schauen. Der Japaner ist ein Muster an Solidität. Für Sow ist der Nebenspieler ein „absolutes Vorbild“, über den er sich nur wundert: „Ich weiß nicht, was Hasebe macht. Ich traue ihm nicht so richtig. Wir jungen Spieler sind nach jedem Training in Behandlung. Und er? Er trinkt viel Tee.“ Die Folge: Seit Neuestem trinkt auch Sow Tee.

          Seit 2019 ist Sow für die Eintracht laufend unterwegs. Sein Vertrag läuft bis Mitte 2024. Zeit genug, um unter Glasner den Qualitätssprung zu vollziehen, den sich der Schweizer erhofft. „Der Trainer spricht mit uns viel im Training, und er arbeitet auch mit Video. Das gefällt mir gut“, sagt Sow, der zu der Selbsterkenntnis gekommen ist: „Manchmal war ich zu wild. Jetzt gilt es, Kraft zu sparen.“

          Hinten stabil, vorne verlässlich

          Neuer Trainer, neue Taktik, neue Spielauffassung. „Er legt Wert darauf, dass alle zusammen die Läufe machen“, sagt Sow, der sicher ist: „Wenn wir alle pressen, hat es der Gegner schwer gegen uns, Torchancen herauszuarbeiten. Das ist der Fokus. In der letzten Saison haben wir viel zu viele Gegentore bekommen.“

          Insgesamt sind es 53 gewesen. Der unmittelbare Tabellennachbar Wolfsburg, der es eben mit der Winzigkeit eines Punktes vor der Eintracht in die Champions League geschafft hat, kam auf lediglich 37 Gegentore. Der einstige VfL- und jetzige Eintracht-Trainer Glasner hat die Stabilisierung der Frankfurter Defensive zu einer der obersten Maximen erhoben.

          Hinten stabil stehen und vorne verlässlich zuschlagen: Djibril Sow glaubt, dass die Eintracht trotz des Abgangs von André Silva „wieder viel Potential hat, um ein, zwei Tore pro Spiel zu machen“. Während Hasebe seine Nationalmannschaftskarriere beendet hat, soll sie für Sow jetzt so richtig Schwung aufnehmen. Bei der zurückliegenden Europameisterschaft kam er zwar nicht wie gewünscht zum Einsatz. „Trotzdem ist für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen.“ Nachhaltige Nominierungen in der „Nati“ soll es durch konstant gute Leistungen im Dress der Eintracht geben. Sow mutmaßt, „dass die neue jüngere Mannschaft sehr hungrig ist. Ich denke, dass noch einiges möglich ist. Ein Titel? Dann wäre hier in Frankfurt die Hölle los“, sagt Sow.

          Nebenmann Hasebe ruft bei allem Optimismus zu Mäßigung auf. „Wir müssen bescheiden bleiben und eine gute Balance finden“, sagt der Routinier, der sich für die Anforderungen einer weiteren erstklassigen Spielzeit bestens gerüstet sieht. Die Eintracht wird zukünftig in mindestens 41 Pflichtspielen gefordert sein. Kein Problem für einen Asketen wie Hasebe, der täglich acht Stunden schläft, schon zwei Stunden vor dem Training am Stadion ist, um sich vorzubereiten, und abends auf ein bekanntes Ritual setzt.

          „Ihr kennt das ja schon“, sagt er. Ja, man kennt das. Hasebe und die Badewanne – ein ganz spezielles Thema, das seine Wirkung nicht verfehlt. Hasebe tankt auch dort die Energie, die ihn bei den Jüngeren wie Sow zu einem Vorbild und einer verlässlichen Größe werden lässt. Hasebe ist sicher, für die Aufgaben im Bundesliga-Alltag sowie in der Europa League und im Pokal, wo die Eintracht an diesem Sonntag gegen Mannheim spielt (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal sowie bei Sky), fit zu sein. „Zwei mal neunzig Minuten die Woche, das schaffe ich.“

          Drei Leihgeschäfte und ein Lob

          Gleich drei Leihgeschäfte hat die Frankfurter Eintracht am Mittwoch abgewickelt. Rodrigo Zalazar schließt sich erwartungsgemäß dem Bundesliga-Absteiger FC Schalke 04 an. Ali Akmann bekommt für eine Saison Spielpraxis beim niederländischen Erstligaklub NEC Nijmegen. Und Fynn Otto versucht sein Glück in der dritten Liga beim Halleschen SC. Im Fall von Zalazar, vertraglich noch bis Mitte 2023 an die Frankfurter gebunden, hat die Eintracht mit Schalke die Möglichkeit einer Kaufoption vereinbart. Unterdessen hat sich Vorstandssprecher Axel Hellmann lobend über das Verhalten der 10.000 Eintracht-Fans rund um das Testspiel gegen St. Etienne geäußert. Für das erste Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Augsburg am 21. August hofft Hellmann auf mehr Zuschauer. „Auf Grundlage der mit dem Gesundheitsamt Frankfurt für das vergangene Spiel erarbeiteten Lösung lässt sich die Zuschauerzahl, gerade nach den guten Erfahrungen und Auswertungen vom vergangenen Samstag, unserer Überzeugung nach weiter nach oben skalieren“, sagte Hellmann. (raw.)

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