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Bundesliga-Kommentar : Ein gewagtes Experiment

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Marco Fabian (Bild rechts) darf nicht mehr mit der Mannschaft von Eintracht Frankfurt trainieren. Bild: AP

Frankfurter Fußballspieler, die nicht mehr gebraucht werden, kommen in die Trainingsgruppe 2. Krasser kann ein Klub planerisches Missmanagement kaum öffentlich zur Schau stellen.

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          Es war ein ruhmloses Stück Vereingeschichte, das die TSG Hoffenheim im Sommer 2013 schrieb. Die Idee von Markus Gisdol, ein halbes Dutzend für ihn überflüssige Profis in die „Trainingsgruppe 2“ zu verbannen, in der sie sich für potentielle Interessenten fit halten sollten, gehörte nicht zu seinen besten Einfällen als Chefcoach der Kraichgauer. Sie brachte seinerzeit dem sportlich von heutigen Höhenflügen weit entfernten Klub vor allem eines: Jede Menge Spott.

          Für nicht einen der Aussortierten, darunter der frühere Nationaltorhüter Tim Wiese, fand sich ein Abnehmer, der so viel zahlte, dass sich hinterher von Vereinsseite hätte behaupten lassen, das unorthodoxe Vorgehen habe sich – zumindest finanziell – gelohnt. Krasser kann ein Klub planerisches Missmanagement kaum öffentlich zur Schau stellen. Und wer dachte, derartiger Aktionismus könnte sich in der Bundesliga so schnell nicht wiederholen, den belehrt nun die Frankfurter Eintracht eines Besseren.

          Die Hessen versuchen, sieben Spieler auf gleichsam zweifelhaftem Weg dazu zu bewegen, sich beruflich zu verändern. Der Franzose Simon Falette, der ihnen vor zwölf Monaten noch drei Millionen Euro Ablöse wert war, gehört dazu wie der mexikanische WM-Teilnehmer Marco Fabián, für den ehedem 3,5 Millionen Euro fällig wurden. Der im Sommer 2017 für 2,5 Millionen Euro angeheuerte Japaner Daichi Kamada soll ebenso weg wie das erst im Januar bis Mitte 2021 engagierte bosnische Talent Marijan Cavar, das als „Investition mit Perspektive“ gepriesen wurde.

          Die Frankfurter, im Mai als Pokalsieger umjubelt, hinterlassen in der Vorbereitung auf die neue Saison bislang den Eindruck, dass sie noch nicht wirklich gewappnet sind für das, was auf sie zukommt. Vier verlorene Stars (Mascarell, Wolf, Hradecky, Boateng) gilt es zu ersetzen, dafür sind einige Sternchen dabei, die mit Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen haben. Der Ansatz, die zusätzliche Belastung im europäischen Fußballgeschäft dadurch zu meistern, dass der Kader verkleinert wird, wodurch sich mit der Mannschaft sorgfältiger arbeiten lässt, klingt theoretisch plausibel. Die praktikable Umsetzung stößt an Grenzen, wenn Verletzungen oder Sperren Handlungsbedarf notwendig machen; eine U 23, aus der Ersatz rekrutiert werden kann, ist bei der Eintracht nicht mehr vorhanden.

          Für den neuen Trainer ist die Personalpolitik mit erheblichen Risiken verbunden. In Hoffenheim beendete Gisdol das erfolglose Experiment der Team-Teilung nach zweieinhalb Monaten, um Ruhe zu haben. Adi Hütters Schonfrist kann schneller ablaufen. Der Österreicher muss in Frankfurt in der Kürze der Zeit einen Stresstest bestehen und zeigen, dass er sein Handwerk beherrscht. Sonst droht zuallererst ihm Ungemach, das die aktuellen atmosphärischen Störungen bei weitem übersteigt – und dafür sorgen kann, dass auch für ihn persönlich die Wahl des Arbeitgebers schneller als gedacht wieder zum Thema wird.

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