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Eintracht-Torhüter Schubert : „Das Problem war ich“

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Neues Umfeld, neues Glück? Markus Schubert hat den Wechsel zur Eintracht „bewusst gemacht“. Bild: Jan Huebner

Der neue Eintracht-Torhüter Markus Schubert hat einige Tiefschläge hinter sich. In Frankfurt wird der aufstrebende Spieler nicht zur nötigen Praxis kommen. Wie sieht also seine Perspektive aus?

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          Hinter Markus Schubert liegt sportlich eine schwierige Zeit. Sie ist für die hohen Ansprüche des neuen Eintracht-Torhüters sehr unbefriedigend verlaufen – vor allem, weil der 22-Jährige als große Zukunftshoffnung im deutschen Fußball gehandelt wird. Doch zuletzt setzte es ein paar Tiefschläge für ihn, als er sein Talent im Tor auch beweisen musste. Den Zweikampf um den Posten im Schalker Tor in dieser Bundesliga-Spielzeit verlor er gegen Ralf Fährmann, der nach Gelsenkirchen zurückgekehrt war.

          Bundesliga

          Seinen Platz bei der U-21-Nationalmannschaft musste Schubert ebenfalls erst einmal räumen. Bereits in der abgelaufenen Runde hatte sich Schubert bei den Schalkern als neue Nummer eins nicht dauerhaft behaupten können. Die Chancen, die er bekam, wusste er nicht zu nutzen. Und jetzt? Jetzt startet der gebürtige Sachse aus Freiberg, der im Sommer 2019 von Dynamo Dresden ablösefrei zu Schalke gewechselt war, für vorerst eine Spielrunde in Frankfurt einen Neuanfang. Als Leihspieler und im Tausch mit dem bisherigen Eintracht-Ersatztorhüter Frederik Rönnow. Und eigentlich nicht mit der Aussicht, in Frankfurt die dringend benötigte Spielpraxis sammeln zu können, sofern sich Kevin Trapp nicht verletzen oder gesperrt sein sollte. Das Leistungsvermögen des deutschen Nationaltorhüters ist nach jetzigem Stand höher einzuschätzen, ganz zu schweigen von dessen hohem Ansehen in Frankfurt. Worin sieht Schubert also seine Perspektive?

          Bewusster Schritt

          Am Mittwoch bei seiner Präsentation setzte er sich im Pressekonferenzraum der Eintracht-Arena mit einem Lächeln auf das Podium. Der junge Torwart machte einen aufgeräumten Eindruck. Was noch auffiel: Schubert legte ein angenehmes Selbstbewusstsein an den Tag. Trotz der jüngsten Rückschläge scheint er mit sich im Reinen zu sein. Der Torhüter haderte nicht mit der Vergangenheit und er machte keinem einen Vorwurf. „Ich musste den Wechsel wollen, sonst hätte dieser nicht stattgefunden“, betonte er. Den Schritt nach Frankfurt, der für ihn kein Schritt zurück sei, habe er „bewusst gemacht“. Trapp den Posten streitig machen und an der Hierarchie rütteln zu wollen, dieses Ziel formulierte Schubert erst gar nicht.

          Stattdessen sprach er von anderen Vorzügen, die ein Vereinswechsel auch mit sich bringe: „Man muss sich in einem neuen Umfeld zurechtfinden, das bringt einen in der Persönlichkeit voran.“ Außerdem könne er bei der Zusammenarbeit mit Eintracht-Torwarttrainer Jan Zimmermann neue Erfahrungen sammeln, sich weiterentwickeln und sehen, „wo ich was besser machen könnte“, sagte Schubert. Das allein ist für ihn schon Motivation genug.

          Wechsel zu Schalke 04

          Den Wechsel zu Schalke 04 – dort hat er einen Vertrag bis einschließlich 30. Juni 2023 – bereut er nicht. Den zahlreichen Negativerlebnissen gewinnt er trotzdem Positives ab. „So dumm es klingt: Aber ich bin eher glücklich, dass es für mich so gelaufen ist, wie es gelaufen ist“, sagte er. „So viel, wie ich letztes Jahr lernen konnte, hätte ich wohl nirgendwo anders gelernt.“ Heute fühlt sich Schubert „reifer“. In Gelsenkirchen mit seinem emotionalen Umfeld ging er durch ein Wechselbad der Gefühle.

          Er wähnte sich oben – und wurde dann doch wieder heftig zurückgeworfen in seinem Bestreben, dort zur festen Größe zu werden. Zehn Bundesliga-Spiele standen schließlich in seiner Bilanz. Zum Ende der Hinrunde hatte er den Platz im Tor eingenommen, nachdem Alexander Nübel im Duell mit der Eintracht die Rote Karte bekommen hatte. Als Nübels Wechsel zu Bayern München Anfang Januar bekannt wurde, blieb Schubert im Tor. Nach mehreren Fehlgriffen entzog ihm der damalige Trainer David Wagner aber wieder das Vertrauen. Nach der Corona-Zwangspause pendelte Schubert zwischen der Bank und der Startelf. Sein neuer Angriff auf die Position des Stammtorhüters ging in der Saisonvorbereitung ins Leere. Gerüchte über die Torwartbesetzung waren in dieser Zeit an der Tagesordnung. So wurden Alexander Schwolow (Freiburg) und Sven Ulreich (Bayern München) mit den Schalkern in Verbindung gebracht.

          „Mir selbst zu viel Druck gemacht“

          „Das Problem war ich selbst“, sagte Schubert am Mittwoch über die Spiele, in denen er sich nach eigener Einschätzung unter Wert verkaufte. „Ich habe mir selbst zu viel Druck gemacht.“ Der Torhüter suchte Rat bei „ein, zwei Personen“, denen er vertraut. Mit ihnen spricht er über „die Themen und Gefühle“, die ihn beschäftigen. Zuspruch erhielt Schubert, der aus einer „Torhüterfamilie“ stammt, auch vom Trainer der U 21-Nationalmannschaft. Stefan Kuntz zeigte Verständnis für dessen Situation, ganz spurlos gehe so etwas an einem jungen Spieler nicht vorbei.

          „Aber alle jungen Torhüter haben irgendwann ein Tief, bei dem man drei Dinger durch die Hosenträger geschossen bekommt. Wer am schnellsten wieder aufsteht und die nächsten Dinger wieder hält, wird sich auf Dauer durchsetzen.“ Jetzt, so die Botschaft von Kuntz, solle Schubert erst einmal in Ruhe in Frankfurt ankommen. Trapp weilt aktuell bei der Nationalmannschaft. „Ich freue mich, wenn Kevin wieder da ist“, sagte Schubert.

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